Telekom-Mails

ÖIAG-Chef Beyrer war angeblich Telekom-Informant

22. Februar 2012, 14:01

SPÖ-Abgeordneter organisierte Jogging-Termin mit Gusenbauer - Hochegger lobbyierte auch gegen Glücksspielmonopol

Die 200.000 E-Mails aus der Telekom, die dem Magazin "News" zugespielt wurden, sorgen weiter für Aufregung. Am Donnerstag veröffentlicht das Wochenmagazin eine neue Tranche der mittlerweile auch der Staatsanwaltschaft zugänglichen Mails.

Unter anderem wird die Rolle des aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom Austria, Markus Beyrer, hinterfragt. Beyrer tauchte in seiner früheren Funktion als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) auf zahlreichen Einladungslisten der früheren Telekom-Spitze auf, etwa als Gast des damaligen Telekom-Chefs Rudolf Fischer, der in der Causa als Beschuldigter geführt wird. 

Beyrer: Gestern eingeladen, heute Aufsichtsrat

Beyrer soll sich als IV-Generalsekretär mehr oder weniger als Informant für das Management der Telekom betätigt haben. Als IV-General soll er etwa Protestmails, von der Telekom-Belegschaft adressiert an die Industriellenvereinigung, den Telekom-Chefs weitergeleitet haben, schreibt "News" und zitiert aus einem E-Mail: "Wie mit Generalsekretär Beyrer besprochen, das Schreiben aus dem Zentralausschuss der Telekom".

Heute soll Beyrer als ÖIAG-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom firmenintern für die vollständige Aufklärung der Korruptionsaffäre sorgen. Die ÖIAG wollte vorerst keine Stellungnahme abgeben, berichtete das Ö1-Mittagsjournal.

SPÖ-Abgeordneter organisierte Jogging-Termin

Auch der ehemalige SPÖ-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni kommt in den E-Mails vor. Zitat: "Parnigoni kann unsere Anliegen unterstützen, sobald wir das Signal geben, wird er den nächsten Jogging-Termin mit Alfred Gusenbauer vereinbaren." Ex-Bundeskanzler Gusenbauer "erhielt selbstredend kein Geld", heißt es weiter in der Aussendung von "News". Im selben Mail wird vorgeschlagen, Parnigonis Fußballklub FC Gmünd mit 8.000 Euro zu unterstützen. Sein Verein Pro Niederösterreich erhielt jährlich 3.000 Euro. Das sei nichts Verwerfliches, findet der seit 2008 pensionierte Abgeordnete Parnigoni laut Ö1. Er habe auch nicht gewusst, welche Intentionen die Telekom hatte, es habe mit ihm keine Hintergrundvereinbarung für eine Gegenleistung gegeben. 

"Gaming-Team" bekämpfte Glücksspielmonopol

Wie die Mails auch zeigen, gab es im Zusammenhang mit dem Bestreben, das Glücksspielmonopol aufzubrechen, eine Gruppe rund um den Lobbyisten Peter Hochegger (als "Entertainment-Team" oder "Gaming-Team" bezeichnet), der unter anderen auch Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt und Walter Meischberger angehörten und die kräftig lobbyiert haben soll. Kontaktperson soll der ehemalige BZÖ-Abgeordnete Klaus Wittauer gewesen sein, dessen Aussage im parlamentarischen U-Ausschuss am 27. Februar mit Spannung erwartet wird. Wittauer bekam demnach etwa VIP-Karten für das Beachvolleyball-Turnier in Klagenfurt und setzte sich auch bei Skirennen in Kitzbühel für die Telekom ein.

Weiteres Detail aus den Mails: Mit der Beratertätigkeit von Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) dürfte man nicht sonderlich zufrieden gewesen sein - seine Leistungen seien sogar von unterer Managementebene bemängelt worden, schreibt "News".

Querverbindungen zum BZÖ

Die E-Mails widersprechen übrigens offenbar den im U-Ausschuss getätigten Darstellungen der Werberin Tina Haslinger, die in die Wahlkampffinanzierung der früheren Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) involviert gewesen sein soll. Haslinger hatte ausgesagt, nie Kontakt zum früheren Telekom-Manager Gernot Schieszler gehabt zu haben - "News" liegt aber ein E-Mail-Verkehr zwischen ihr und Schieszler vor. (red/APA, derStandard.at, 22.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
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donquichotesenior
14
23.2.2012, 13:12
I n W a h r h e i t

wird Österreich (über die ÖVP) von der Industriellenvereinigung, unter dem Schutz des Innen- und Justizressorts, allein regiert. Die einfälltige SPÖ Führung hat dies durch Zustimmung zur schwachsinnigen Ressortverteilung sogar noch gefördert.

Christian Eder
12
23.2.2012, 13:01
Beispiel Italien

Nur mehr 7% vertrauen dort den politischen Parteien. Wie die Geschichte zeigt, ging es auch ohne Democrazia cristiana (vergleichbar mit unserer ÖVP), die wegen jahrzehntelanger Korruption grausam abstürzte. Leider kam danach Berlusconi. Wenn bei uns Strache käme, wäre es besser, die alten Parteien trotz allem zu behalten- ein Dilemma! Vielleicht sollte wir wieder die Monarchie einführen, die für den Fremdenverkehr gar nicht so schlecht wäre.

)so(
010
23.2.2012, 12:42
Ist das jener Beyrer, der noch vor kurzem massiv gegen das Anfütterungsverbot auftrat?

Und im Kanon spöttelnd, gemeinsam mit Scharinger, Ederer und anderen Vertreter/innen des "Kulturbetriebes", bei Ex-Justizminister Bandion diese bedeutsame Anti-Korruptionsmassnahme wieder zu Fall brachte? Das damals gleichsam zynische, wie erfolgreiche Argument: Man müsse sich als Firmenboss schon die Thermosflasche mitnehmen, um Einladungen zu entgehen. Dass der Grenzwert ohnedies bei 100,- lag und vor allem die Konzern-Bosse ohnedies auf üppige Spesenkonten zugreifen können, "vergassen" die entscheidungsinvolvierten Politiker.

J. R.
01
23.2.2012, 14:13

Am originellsten dabei Fr. Rabl-Stadler. Nach dem das Gesetz unter Ihrer tatkräftigen Mithilfe gefallen war, gab sie zu es nie verstanden zu haben.

Zukunftsoptimist1
03
23.2.2012, 12:48
Die Beispiele à la Thermoskanne

lassen einem Normalbürger nicht nur die Zornesröte ins Gesicht steigen, sie sind ja auch ein Fanal der Abgehobenheit derer, die sie benützen. Für die Cilque sind eben 8000 Euro Subvention für einen nahestehenden Fußballverein ein Klacks, über den man doch um Gottes Willen kein solches Aufhebens machen sollte. Dass für andere solche "Bagatellen" ein Halbjahreseinkommen darstellen, wird diesen Menschen wohl gar nicht bewusst. Daraus resultiert das Gefühl der Ohnmacht und aus diesem die Wut, die sich dann gegen alle Vertreter eines verlogenen und verkommenen Systems richtet.

Hanns Ch.1
11
23.2.2012, 12:30
..distanz wahren...

..wenn schon die justiz nicht nachhaltig hier für ordnung sorgt, bleibt den bürgern nur eines...
abstand halten, nicht hofieren, nicht bedienen, nicht wahrnehmen, ... ignorieren als sichtbare haltung,..
sollen sie doch mit ihren millionen glücklich werden, ein mindestmass an anstand und sozialer mitverantwortung ist diesen kollaborateuren längst abhanden gekommen,..

Ing. Rambo Einfältig
05
23.2.2012, 12:07
Das System Schüssel

brachte in 7 Jahren eine Schattenwirtschaft hervor, deren Aufbau in Süditalien Jahrzehnte in Anspruch nahm.
Somit war Schüssel seinem lieben Freund Silvio in diesem Metier haushoch überlegen!

Schüssel Biograf Walter Moers
09
23.2.2012, 11:36

Das Schlimme daran ist, man hat die Rolle und die Verbindungen von Breyer zur Telekom bereits vorher gekannt - UND TROTZDEM, hat man ihn zum AR-Vorsitzenden gemacht.

Das ist alles so unfassbar. Ich bin übrigens gerade auf der Suche nach einem neuen Anbieter.

Die können mich!

Stbo
 
00
23.2.2012, 16:59

Man darf aber nicht die normalen Mitarbeiter vergessen. Die können ja nichts für die üblen Machenschaften ihrer Chefs. Eigentlich ist da wieder hauptsächlich die Politik schuld, dass da so ein Sauhaufen entstanden ist.

Verzweifelnd
03
23.2.2012, 12:35

Wohl eher deswegen

hmv 03
90
23.2.2012, 11:56
und zwar genau?

was haben Sie genau gewusst? welche Rolle? welche Verbindung und zu welchem zweck?

ich glaub, Sie sind einfach ein wichtigmacher, der gern' laut schreit

J. R.
07
23.2.2012, 12:35

Z.Bsp: Dieser Hr. Breyer war ebenfalls ein Jagdgenosse des Grafen Ali. Einladungen der Telecom nach Schottland zu Jagdausflügen. In Interviews war wohl deutlich zu hören der Typ ist einfach ein Parteisoldat. Es ist Ihm nie um Aufklärung gegangen. Glauben Sie wirklich dass einer der selbst Teil eines korrupten Systems ist, dieses jetzt plötzlich bekämpfen wird? Gerade einer mit den Charaktereigenschaften des Hr. Breyer. Er hat immer nach dem Motto gelebt, wer mich füttert dessen Lied sing ich. Waren Sie die letzten Jahre im Ausland oder bekommen Sie einfach nicht mit wie die Dinge hier laufen?

hmv 03
00
24.2.2012, 09:22
sie wissen nicht mal, wie er richtig heißt

ich bleib dabei: sie sind einfach ein wichtigmacher, der gerne schreit

Ing. Rambo Einfältig
00
23.2.2012, 12:10
Ja genau!

Die Protagonisten der ÖVP können ja nur unschuldig sein - sie sind ja allesamt christlich-sozial.

hungrybear
03
23.2.2012, 10:33
wer braucht eigentlich die ÖIAG ?

hungrybear
02
23.2.2012, 10:32
OEsterreichische Verbrecher Partei ? ;-)

duck29
05
23.2.2012, 09:32

Was da wohl der Wendekanzler Dr. S. nach seiner tollen Regentschaft regelmäßig in den Räumlichkeiten der Novomatic gemacht?

Zukunftsoptimist1
16
23.2.2012, 08:43
Ab wieviel?

"Im selben Mail wird vorgeschlagen, Parnigonis Fußballklub FC Gmünd mit 8.000 Euro zu unterstützen..... Das sei nichts Verwerfliches, findet der seit 2008 pensionierte Abgeordnete Parnigoni laut Ö1."
Frage: ab wieviel wird es verwerflich? Müssen es immer gleich Millionen sein? Und: gibt es einen sachlichen Grund für die Subvention?

Finn McCool
01
23.2.2012, 16:31

Nicht einmal die 70.000 Euro für Willi Molterers Fußballklub werden als verwerflich gesehen, zumindest von der ÖVP.

Zukunftsoptimist1
00
24.2.2012, 09:38
Das ist aber kein Freibrief für "mindere" Korruption?!

Zukunftsoptimist1
00
24.2.2012, 09:36
Ich glaube, da herrscht ein großes Missverständnis.

Es gibt keine Wertgrenzen dafür, wo Korruption beginnt. Sie kann auch bei "kleinen Gefälligkeiten" beginnen. das wollte ich aufzeigen - bei den "großen" ist ja alles klar. Es ist die Frage, wo die großen beginnen und die kleinen aufhören, die nicht beantwortet werden kann. Denn Korruption ist nicht eine Frage der Höhe, sondern eine des Anstands und der Moral. Das kann manchmal schon beim angebotenen Kaffee beginnen. Sonst gibts versteckte Aufforderungen wie "ab 1000 Euro bin ich nicht bestechlich". Wem das Gespür abhanden gekommen ist dafür, was in einer konkreten Situation unbedenklich ist und was nicht, der sollte nicht einen Cent nehmen, will er sich nicht unversehens in der Anfütterungsfalle wiederfinden.

BarbaBianco
 
04
23.2.2012, 12:45
Blendgranate

So bezeichnet man Meldungen, die vom eigentlichen Problem ablenken sollten. Wenn Sie sich "nur" am Fußballsponsering stoßen, meinen Sie wohl, die großen Beträge und deren Nehmer damit ignorieren zu können. Diese Leute gehören an den Pranger.

Offen ist wohl, was war die Gegenleistung? Und DIE Frage sollte man sich stellen. Speziell bei den gr0ßen NEHMER. Aus purem Mitleid hat die TELEKOM nicht gegeben.

krendl
00
23.2.2012, 12:11
War es ein normales Sport-Sponsoring,

wie tausende andere auch, war es nicht verwerflich. Das wird es dann, wenn es als Dankeschön für interne Informationen oder sonstige Machalorkes getätigt wurde.

Schüssel Biograf Walter Moers
02
23.2.2012, 11:37

Genauso verwerflich wie Molterers Rolle beim FC Sierning.

Um nix besser.

Zukunftsoptimist1
00
23.2.2012, 13:09
Koruption fängt nicht erst beim großen Geldkoffer an.

Politischer Anstand verbietet nicht nur jegliche Geschenkannahme ohne Gegenleistung, auch von Leuten, von denen man sich sonst vielleicht ohne Skrupel beschenken ließe, sondern auch Gefälligkeiten wie Subventionen an wen auch immer, die eine Bevorzugung vor anderen gleichartigen Nehmern darstellen, die keine "Verbindungen" haben. Versuchen Sie einmal 8000 Euro für einen Verein zu bekommen, und Sie werden sehen, was ich meine. In solchen "Gefälligkeiten" sehe ich keinen Unterschied zum Anfüttern. Es ist ganz egal, was in dem Ansuchen steht. Im einen Fall kommt die Subvention so oder so, im anderen, gut begründeten Fall wird bedauert, dass die Mittel bereits erschöpft seien etc. Das sind keine Nebelgranaten, sondern eben Korruption.

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