Senegal vor turbulenter Präsidentenwahl

Ansichtssache22. Februar 2012, 13:41
1 Posting

Dakar - Senegal steht die wohl turbulenteste Präsidentenwahl seiner über fünfzigjährigen Geschichte als unabhängiger Staat bevor. 5,3 Millionen Bürger sind am kommenden Sonntag zu den Wahlurnen gerufen. In dem westafrikanischen Land, in dem es noch nie einen Militärputsch gegeben hat und das seit 1976 die Mehrparteiendemokratie praktiziert, nimmt die Gewalt täglich zu. Die Kandidatur des 85-jährigen Präsidenten Abdoulaye Wade für eine dritte Amtszeit ist in den Augen der Opposition illegal. Eine 2001 angenommene Verfassungsbestimmung lässt nur zwei Amtsperioden zu. Wade selbst argumentiert, dass er schon ein Jahr vor Inkrafttreten dieser Regel gewählt wurde und diese deshalb nicht für ihn gelte, was ihm vom Verfassungsgericht Ende Jänner bestätigt wurde.

Das heterogene Oppositionsbündnis "Bewegung des 23. Juni“ (M23) - entstanden nach den vorjährigen Juni-Aufständen in Dakar - hat zu Massenprotesten aufgerufen, um Wade zum Verzicht auf seine Kandidatur zu bewegen. 13 Kandidaten treten gegen den greisen Amtsinhaber an, darunter drei ehemalige Premierminister. Die Kandidatur des berühmten Sängers und Musikers Youssou N'Dour (52), der als aussichtsreichster Herausforderer Wades galt, wurde vom Verfassungsgericht aus formalen Gründen nicht zugelassen.

Überwacht wird die Wahl von Beobachtern der Afrikanischen Union (AU) und von einer Delegation der Europäischen Union. Frankreichs älteste Kolonie in Afrika war nach der Unabhängigkeit 1960 bis 1976 ein Einparteistaat, danach folgte ein kontrolliertes Dreiparteiensystem und 1981 ein uneingeschränkter Parteienpluralismus. Als erstes Staatsoberhaupt Afrikas trat Präsident Senghor 1980 freiwillig zurück. Der Dichter, der Mitglied der Académie francaise wurde, legte die Macht in die Hände von Abdou Diouf, welcher im Jahr 2000 dem langjährigen Oppositionsführer Wade unterlag und heute die internationale Frankophonie-Organisation (OIF) leitet. (APA)

Die Kandidatur des berühmten Sängers und Musikers Youssou N'Dour (am Auto rechts) wurde nicht zugelassen. Bei Demonstrationen wurde der 52-Jährige am Dienstag verletzt.

3
foto: epa/nic bothma
5
foto: epa/nic bothma
10
Share if you care.