Blackberry-Hersteller RIM hat seine größten Erfolge hinter sich - Was bleibt, sind frustrierte Mitarbeiter und eine verstaubte Software
Auf dem Smartphone-Markt wurde Blackberry-Hersteller Research in Motion längst von der Konkurrenz wie Android, iOS und sogar Windows Phone überholt. Apple lieferte ein Smartphone nicht nur für die Business-Sparte, sondern für Privatanwender und die breite Masse. Und Google dockte mit der Übernahme und Entwicklung von Android an und schaffte eine weitere Erfolgsstory. Im vergangenen Jahr hat RIM besonders zu leiden gehabt. Das Blackberry-Sicherheitsleck traf das Unternehmen schwer.
"Kein Sicherheitsproblem"
Im April 2011 musste sich Mike Lazaridis, Gründer von Research in Motion in einem Interview mit dem BBC-Journalisten Rory Cellan-Jones unangenehmen Fragen nach Sicherheitsproblemen und Streitigkeiten mit der indischen und saudi-arabischen Regierung stellen. Darauf angesprochen entgegnete Lazaridis: "Das ist einfach nicht fair, Rory" und brach nach der Aussage "Wir haben kein Sicherheitsproblem" das Gespräch schließlich ab. Das Playbook, das RIM auf den Markt brachte, als Apple bereits mit dem iPad 2 herausgerückt war, hat auch nicht die erhofften Ergebnisse gebracht.
Aufstieg
Als RIM 1999 das Blackberry mit WLAN E-Maildiensten startete, schlug es sofort ein. Auch das darauffolgende Jahr war von raschem Wachstum geprägt. Danach folgte der Prozess wegen Patentverletzungen gegen NTP, die laut endgültigem Agreement im Jahr 2006 612,5 Millionen US-Dollar erhielten.
Consumer
Im Laufe der Jahre wurde das Blackberry mit Kamera und Media Player ausgestattet, um den Bedürfnissen der Privatkonsumenten entgegen zu kommen. Im Design sah man weniger Umgestaltungsbedarf. Das Blackberry blieb seinem Look treu. Als RIM sich daran machte, den Endverbrauchern ein entsprechendes Modell zu liefern, blitzte aber schon der nächste Mitbewerber am Horizont auf. Das iPhone kam und siegte. Im Jänner 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor und reihte einige auf dem Markt bestehende Smartphones in seiner Präsentation auf. "Ihr gemeinsames Problem ist die Tastatur, die sie haben, ob sie sie brauchen oder nicht", so Jobs. Das iPhone ist alle Buttons losgeworden und bringt ein Riesendisplay. Nun, zumindest 2007 war der iPhone-Bildschirm noch enorm.
Grenzen
RIM wurde ein Opfer seines eigenen Erfolgs, schreibt TheVerge: Weder konnten sie ihren Kundenstamm aufgeben, noch einfach ihr alterndes Betriebssystem updaten. Im Gegensatz zu Apple wurde RIM von einem Ingenieur geleitet, dessen Glauben in die rationale Welt von Zahlen und Formeln tief verwurzelt war. Man müsse Mathematik verstehen und seine Grenzen sehen, so Lazaridis. Vor allem beim Design sah RIM scheinbar Grenzen. Und genau hier setzte Jobs an. Ein Mobiltelefon zu kreieren, das wie ein Computer arbeitet, aber dennoch klein und portabel ist.
Wer zuletzt lacht
RIM war nicht alleine, die nicht an den Erfolg des iPhones glaubten. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer machte sich 2007 über das iPhone lustig. Einen Preis von 500 US-Dollar würde ihm zufolge niemand für ein Handy ausgeben.
Schwerkraft und Höhenflug
Das Apple-Smartphone sollte RIM wie aus heiterem Himmel treffen - ebenso wie Nokia, Palm und Microsoft. Noch im Jahr 2008 witzelte der ehemalige Co-CEO Jim Balsillie in einer Metapher: "Wir haben kaum Diversität in unserem Portfolio. Entweder wir fliegen zum Mond oder wir stürzen ab." Doch Schwerkraft war nicht die einzige Herausforderung von RIM. Konkurrent Apple naschte zwischen 2006 und 2009 immer mehr am Marktkuchen.
"Es ist wie die Sowjetunion. Jeder tut so als würde er arbeiten."
Das Jahr 2011 stellte einen Höhepunkt für den kanadischen Hersteller dar, allerdings einen Krisenhöhepunkt. Altbackene Software, zu viel Konkurrenz und ein offener Brief eines Mitarbeiters an die IT-Plattform BGR. Das Unternehmen versinke im Chaos und die Mitarbeiter seien frustriert und unmotiviert. BGR zitierte auch einen weiteren anonymen RIM-Angestellten, der aus dem Nähkästchen plauderte: "Wir sind keine Firma mehr, die innovativ und energisch ist. Wir gehen in Papierkram unter." Alastair Sweeny, Autor des Buchs Blackbery Planet: The Story of Research In Motion and the Little Device that Took the World by Storm sagte gegenüber BGR: "Es ist wie die Sowietunion. Jeder tut so als würde er arbeiten."
Ein Jahr nach dem abgebrochenen BBC-Interview verließ Mike Lazaridis das Unternehmen, das er 27 Jahre zuvor gegründet hatte. Neuer Präsident und CEO wurde Thorsten Heins.
Prognose
"Sie müssen aus ihrem bequemen Bereich hinaus, um den Wandel in eine Softwareplattform-Firma zu schaffen. Es wird eine Herausforderung sein, eine konkurrierende Plattform zu kreieren und Entwickler zu überzeugen, Apps abgesehen für iOS und Android zu bauen", prognostizierte Steve Jobs 2010. (ez, derStandard.at, 22.02.2012)
ist "blackberry" synonym zu "smartphone". das ändert aber nicht dran, dass die modelle in der auslage (dort wo gross drübersteht "blackberry") androids sind, im TV werden auch android modelle gezeigt und die stimme aus dem off sagt dann am schluss "blackberry"
Wenn sich RIM darauf einstellen könnte, anstatt 70% langfristig "nur" einen Marktanteil von 5-10%
(was ja auch nicht nix ist!) zu halten, dann werden sie sich behaupten können. Denn deren System hat einige entscheidende Qualitäten und wird immer eine Zielgruppe ansprechen:
1) E-Mail ist, dank der Datenkompression, unschlagbar, besonders im Roaming
2) die exzellente physische Tastatur ist ein Asset, welches viele User nicht missen möchten - nicht jeder mag die touchscreen-tipperei.
3) In Sachen Akkulaufzeit sind Blackberries nach wie vor Spitze.
Das Design und die haptische Qualität der aktuellen Geräte sind sehr gut und unterscheiden sich wohltuend vom Apple-Epigonen Einheitsbrei.
Und in Sachen Multimedia etc. sind sie für Anwender, die mit ihrem Telefon in erster Linie kommunizieren möchten, durchaus zufriedenstellend.
1) ist bei den heutigen Datenpaketen und vor allem bei E-Mails ja kein Thema mehr. Die Leute streamen Youtube Videos, wer schaut da noch drauf, wieviel KB eine E-Mail hat?
2) Für viele ist der Hauptanwendungsfall aber eher E-Mail lesen, und nur kurzgefasst antworten. Und Lesen geht auf einem Phone mit größerem Bildschirm schon wieder besser. Für alles weitere hat man eh einen Laptop dabei, wenn man wirklich mobil Arbeiten will.
3) Ein Smartphone muss bei normalem Gebrauch einen Tag durchalten, das reicht.
1) ist im ausland sehr wohl ein thema. wir haben bei blackberry auch im ausland eine flatrate (nur wegen der komprimierung möglich). ergo kommt blackberry der firma viel günstiger als andere optionen. auch wenn ich mich die letzten tage wieder viel damit rumärgern musste.
1) ist sehr wohl ein Thema, wenn man aus dem Schrebergarten herausmuss und viel im Ausland, speziell außerhalb der EU Datenverkehr hat.
2) ist es wohl individuell unterschiedlich, wie viel unterschiedliche Anwender zu tippen haben. Bei Ihnen kurzgefasst - ok. Bei mir genügt das leider nicht.
3) auch das ist halt individuell verschieden. Es gibt halt Anwender und Situationen, wo man über eine standfestere Akkuleistung sehr froh sein muss.
Darum habe ich ja geschrieben, dass die Zielgruppe für Blackberries sicher bestehen bleibt, wenngleich in bescheideneren Dimensionen. SIE gehören halt zu einer anderen Zielgruppe - so what?
ja vor 2 Jahren wollte man noch die phoenix coyotes kaufen und nach hamilton umsiedeln, wenn es so weiter geht mit denen, wär es besser sie fangen selber zum Hockey spielen an....
Ein Mobiltelefon, das wie ein Computer arbeitet, aber klein und portabel ist.
Dieses Konzept wurde nicht erst von Apple - mit der fast den ganzen Bildschirm füllenden Tastatur - perfekt umgesetzt, sondern bereits zuvor von Windows Mobile!!!
Dies war eigentlich der wirklich perfekte kleine Arbeitscomputer - und nicht das mit Spielereien vollgestopfte Consumer-iPhone...
Leider von der Fachpresse nicht entsprechend gewürdigt und auch deshalb am Markt nur in der Nische und kein Deut von Massenerfolg...
war das schlechteste OS das ich jemals benutzen durfte.
Sowas von einer umständlichen bedienung. Ein PC OS hat eben nichts auf einem SP verloren.
Das muss angepasst werden, siehe android oder wp7.
...war langsam und umständlich in der bedienung. *das* sind die dinge, die im benutzeralltag zählen. sobald andere das gleiche wir win mobile konnten, dabei aber erheblich schneller und einfacher zu bedienen waren, wars - völlig zu recht - vorbei mit diesem os.
Ich habe jahrelang Windows Mobile verwendet (v6 & v6.5) und fand es weniger kompliziert als mein Android und noch weniger als iPhone 3.
Ich finde es falsch das das alle das Produkt von Apple so hypen, die waren nicht die ersten; hatten jedoch das bessere Marketing.
Bezüglich WM stimmt das zum großen Teil, abgesehen davon, dass es eigentlich im Business-Einsatz Pionierleistungen bot, aber eben nicht für den Consumerbereich gedacht war - denn kaum jemand hatte damals im Privatbereich echten Bedarf an einem Smartphone...
Ganz im Gegensatz dazu wird WP (in Verbindung mit W8) früher oder später garantiert ein Massenerfolg. Ob es allerdings auch im Business heute - wie früher - noch voll in die Fußstapfen von WM treten kann ist angesichts der heutigen Konkurrenz mehr als fraglich...
windows mobile war nie markführer im businessbereich, und ist dort schon seit vielen jahren völlig irrelevant.
win mobile war ein mittelmäßiges mobiles os der smartphone-steinzeit. und schon damals war z.b. das gute alte palm os um vieles stabiler und benutzerfreundlicher. von der organizer-funktionalität ganz zu schweigen. wenn, dann war symbian *das* os im businessbereich (nokia communicator, sony ericsson 910i und nachfolger, usw. usf...). übers "me too" ist win mobile nie hinausgekommen...
Business Geräte waren schon immer teuer und technisch beeindruckend. Natürlich brauchte man das unbedingt für sein wichtiges Business, aber sie waren auch einfach ziemlich geil. Man will doch auch als Geschäftsmann nicht wie von gestern wirken wenn man seinen BB rausholt, und das tut man leider.
BB hat nicht mehr viele Fans, höchstens noch Admins und Leute, die sich noch Businessmäßiger vorkommen, weil sie ja nur eine E-Mailmaschine brauchen. Und der Rest wird meistens zwangsbeglückt.
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