Research, No Motion: Ein verlorenes Imperium

22. Februar 2012, 13:16
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Blackberry-Hersteller RIM hat seine größten Erfolge hinter sich - Was bleibt, sind frustrierte Mitarbeiter und eine verstaubte Software

Auf dem Smartphone-Markt wurde Blackberry-Hersteller Research in Motion längst von der Konkurrenz wie Android, iOS und sogar Windows Phone überholt. Apple lieferte ein Smartphone nicht nur für die Business-Sparte, sondern für Privatanwender und die breite Masse. Und Google dockte mit der Übernahme und Entwicklung von Android an und schaffte eine weitere Erfolgsstory. Im vergangenen Jahr hat RIM besonders zu leiden gehabt. Das Blackberry-Sicherheitsleck traf das Unternehmen schwer.

"Kein Sicherheitsproblem"

Im April 2011 musste sich Mike Lazaridis, Gründer von Research in Motion in einem Interview mit dem BBC-Journalisten Rory Cellan-Jones unangenehmen Fragen nach Sicherheitsproblemen und Streitigkeiten mit der indischen und saudi-arabischen Regierung stellen. Darauf angesprochen entgegnete Lazaridis: "Das ist einfach nicht fair, Rory" und brach nach der Aussage "Wir haben kein Sicherheitsproblem" das Gespräch schließlich ab. Das Playbook, das RIM auf den Markt brachte, als Apple bereits mit dem iPad 2 herausgerückt war, hat auch nicht die erhofften Ergebnisse gebracht.

Aufstieg

Als RIM 1999 das Blackberry mit WLAN E-Maildiensten startete, schlug es sofort ein. Auch das darauffolgende Jahr war von raschem Wachstum geprägt. Danach folgte der Prozess wegen Patentverletzungen gegen NTP, die laut endgültigem Agreement im Jahr 2006 612,5 Millionen US-Dollar erhielten.

Consumer

Im Laufe der Jahre wurde das Blackberry mit Kamera und Media Player ausgestattet, um den Bedürfnissen der Privatkonsumenten entgegen zu kommen. Im Design sah man weniger Umgestaltungsbedarf. Das Blackberry blieb seinem Look treu. Als RIM sich daran machte, den Endverbrauchern ein entsprechendes Modell zu liefern, blitzte aber schon der nächste Mitbewerber am Horizont auf. Das iPhone kam und siegte. Im Jänner 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor und reihte einige auf dem Markt bestehende Smartphones in seiner Präsentation auf. "Ihr gemeinsames Problem ist die Tastatur, die sie haben, ob sie sie brauchen oder nicht", so Jobs. Das iPhone ist alle Buttons losgeworden und bringt ein Riesendisplay. Nun, zumindest 2007 war der iPhone-Bildschirm noch enorm.

Grenzen

RIM wurde ein Opfer seines eigenen Erfolgs, schreibt TheVerge: Weder konnten sie ihren Kundenstamm aufgeben, noch einfach ihr alterndes Betriebssystem updaten. Im Gegensatz zu Apple wurde RIM von einem Ingenieur geleitet, dessen Glauben in die rationale Welt von Zahlen und Formeln tief verwurzelt war. Man müsse Mathematik verstehen und seine Grenzen sehen, so Lazaridis. Vor allem beim Design sah RIM scheinbar Grenzen. Und genau hier setzte Jobs an. Ein Mobiltelefon zu kreieren, das wie ein Computer arbeitet, aber dennoch klein und portabel ist.

Wer zuletzt lacht

RIM war nicht alleine, die nicht an den Erfolg des iPhones glaubten. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer machte sich 2007 über das iPhone lustig. Einen Preis von 500 US-Dollar würde ihm zufolge niemand für ein Handy ausgeben. 

Schwerkraft und Höhenflug

Das Apple-Smartphone sollte RIM wie aus heiterem Himmel treffen - ebenso wie Nokia, Palm und Microsoft. Noch im Jahr 2008 witzelte der ehemalige Co-CEO Jim Balsillie in einer Metapher: "Wir haben kaum Diversität in unserem Portfolio. Entweder wir fliegen zum Mond oder wir stürzen ab." Doch Schwerkraft war nicht die einzige Herausforderung von RIM. Konkurrent Apple naschte zwischen 2006 und 2009 immer mehr am Marktkuchen.

"Es ist wie die Sowjetunion. Jeder tut so als würde er arbeiten."

Das Jahr 2011 stellte einen Höhepunkt für den kanadischen Hersteller dar, allerdings einen Krisenhöhepunkt. Altbackene Software, zu viel Konkurrenz und ein offener Brief eines Mitarbeiters an die IT-Plattform BGR. Das Unternehmen versinke im Chaos und die Mitarbeiter seien frustriert und unmotiviert. BGR zitierte auch einen weiteren anonymen RIM-Angestellten, der aus dem Nähkästchen plauderte: "Wir sind keine Firma mehr, die innovativ und energisch ist. Wir gehen in Papierkram unter." Alastair Sweeny, Autor des Buchs Blackbery Planet: The Story of Research In Motion and the Little Device that Took the World by Storm sagte gegenüber BGR: "Es ist wie die Sowietunion. Jeder tut so als würde er arbeiten."

Ein Jahr nach dem abgebrochenen BBC-Interview verließ Mike Lazaridis das Unternehmen, das er 27 Jahre zuvor gegründet hatte. Neuer Präsident und CEO wurde Thorsten Heins

Prognose

"Sie müssen aus ihrem bequemen Bereich hinaus, um den Wandel in eine Softwareplattform-Firma zu schaffen. Es wird eine Herausforderung sein, eine konkurrierende Plattform zu kreieren und Entwickler zu überzeugen, Apps abgesehen für iOS und Android zu bauen", prognostizierte Steve Jobs 2010. (ez, derStandard.at, 22.02.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Links liegen gelassenes Blackberry.

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