Konflikt mit Ehrenamtlichkeit

Rechnungshof kritisiert Gagen der Geschäftsführer bei Lebenshilfe Tirol

22. Februar 2012, 14:57

Bezüge und Zusatzleistungen "zu hoch bemessen", Ex-Vereinschef hatte unkündbaren Vertrag: Klage über 1,2 Mio. Euro

Innsbruck - Bei der im Dezember 2010 wegen In-Sich-Geschäften und den Gagen der ehemaligen Geschäftsführung in die Schlagzeilen geratenen Tiroler Behindertenorganisation "Lebenshilfe" hat nun auch der Landesrechnungshof (LRH) in seinem vorliegenden Rohbericht nicht mit Kritik gespart. Dabei wurden die Bezüge und Zusatzleistungen der ehemaligen Geschäftsführer als "zu hoch bemessen" beurteilt, die In-Sich-Geschäfte des Ex-Präsidenten, Hanspeter Zobl, seien im Konflikt mit der Ehrenamtlichkeit gestanden, hieß es in der "Tiroler Tageszeitung" von Mittwoch.

Zobls Notariatskanzlei hatte das Gros der Verträge für die Lebenshilfe erstellt. Dem Rechnungshof habe man jedoch nur die Honorarnoten an die GmbH vorgelegt, die insgesamt von 2001 bis 2010 rund 107.000 Euro betragen haben sollen. Zobl habe dabei Ermäßigungen von bis zu 83 Prozent gewährt. Honorarnoten des Vereins sollen dem LRH hingegen nicht ausgehändigt worden sein. Zobl war schließlich im Jänner 2011 wegen des Verdachts der persönlichen Bereicherung zugunsten seiner Notariatskanzlei zurückgetreten.

Unkündbarer Vertrag bis 2017

Mit einer Klage über einen Streitwert von rund 1,2 Mio. Euro sieht sich die Lebenshilfe vonseiten des ehemaligen Vereinschefs, Anton Laucher, konfrontiert. Dieser war im vergangenen November "mit sofortiger Wirkung" entlassen worden, hatte aber einen unkündbaren Vertrag bis 2017. Laut "TT" soll Laucher jetzt 960.000 Euro an Gehaltsfortzahlung und 240.000 Euro aus Sachbezugsansprüchen wie Parkplatz, Dienstwagen und Pensionskassen fordern.

Bei Zobls Stellvertreter, Helmut Rochelt, wurde zudem eine "großzügige Abfertigung" bekannt. So soll dieser neben der gesetzlichen Abfertigung von 71.540 Euro eine freiwillige von 49.738 Euro erhalten haben. Generell dürfte Geld in der Lebenshilfe offenbar keine große Rolle gespielt haben. Demnach soll 2004 die Öffentlichkeitsarbeit ohne Ausschreibung an eine Innsbrucker PR-Agentur vergeben worden sein. Es sei auch kein schriftlicher Vertrag aufgesetzt worden, kritisierte der Landesrechnungshof. Bis 2010 soll die Agentur insgesamt 437.935 Euro bekommen haben. Die Mehrkosten habe Rochelt mit "einer erhöhten Effizienz und Effektivität im Bereich der internen und externen Öffentlichkeitsarbeit" gerechtfertigt.

"Freunderlaufträge, üppige Managergehälter, Luxus-Dienstautos etc."

Als "unverschämte und unverfrorene Führungsclique" bezeichnete die Liste Fritz-Bürgerforum Tirol, größte Oppositionspartei im Landtag, in einer Aussendung am Mittwoch die frühere Chefetage. Diese sei mit den Steuergeldern der Tiroler sorglos umgegangen und habe zum eigenen Vorteil gehandelt. "Die Führungsclique der Lebenshilfe Tirol hat sich offenbar ein System eingerichtet, in dem In-Sich-Geschäfte, Direktvergaben ohne Ausschreibungen, Freunderlaufträge, üppige Managergehälter samt Luxus-Dienstautos etc. zum Alltagsgeschäft gehört haben", meinte Klubobmann, LAbg. Bernhard Ernst. Die beispielsweise 2009 vom Land Tirol ausgeschütteten 44 Millionen Euro seien für die Versorgung und Betreuung von Menschen mit Behinderung gedacht gewesen und nicht für eine großmannssüchtige Führungsclique. (APA)

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24 Postings
Marlon62
00
26.2.2012, 18:22
"mit sofortiger Wirkung" entlassen worden

Mit einer berechtigten fristlosen Entlassung erlöschen doch sämtliche Ansprüche auf Gehälter und Sonderzahlungen. So ist es zumindestens bei "normalen" ASVG-Dienstnehmern.

erwin aschenwald
 
00
24.2.2012, 09:21
Kein Nerz für Zobl .....

Ui, da haben aber einige ziemlich Glück gehabt, dass die Staatsanwaltschaft mit der Einstellung schneller war, als der Landesrechnungshof bei seiner "schonungslosen Abrechnung".

Als Opfer einer 'Klassenjustiz' kann man die feinen Herren mit beschränktem Anstand wohl nicht bezeichnen ...

Vom offiziellen Tirol wurden die genannten Herren übrigens mit den höchsten Landesehrenzeichen ausgezeichnet ...

Michail Bakunin
03
23.2.2012, 10:18

Ich fürchte, dass die LH Tirol nicht der einzige "Sozialkonzern" ist, in dem es so aussieht - den oftmals üppigen Gehältern der Chefetagen stehen im Sozialbereich miese Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen der Angestellten und prekär Beschäftigten gegenüber. Und manchmal geht es im Namen der Profitmaximierung noch absurder, wie der Fall der Pflegerin Angelika-Maria Konietzko in Deutschland zeigt: "Pflegerin hat Demente intensiver betreut als vorgesehen. Nach einem Lohnstreit soll sie nun ins Gefängnis."

http://www.taz.de/!84608/
http://syndikalismus.wordpress.com/2012/02/2... C2%ADhaft/

meresi
00
23.2.2012, 09:48
es entzieht sich mir was die falsch gemacht haben...

heisst ja lebenshilfe oder ??? sie haben sich selbst geholfen das leben zu erleichtern...standard in österreich...an dieser stelle verweise ich nochmals darauf wenn die 3 großparteien nicht abegewählt werden wird sich nichts ändern in diesen lande...

Markus1975
11
23.2.2012, 08:56
Also manche Aussagen zum Thema Geldverschwendung

sind teilweise schon genial, oder sitzen die Aufsichtsbehörden und Politiker in Tirol (und das ist nur ein Besiepiel, das aufgedeckt wurde) auf ihren Köpfen ? Wie kann man die Effizienz der internen Öffentlichkeitsarbeit erhöhen ? Wie kann man die Effizienz der Öffentlichkeitsabreit messen ? Was versteht man unter interner Öffentlichkeitsarbeit ? Wie kann man 44 Mio Euro, Geld das für die Ärmsten gedacht ist, zu zweit verprassen ? Da haben sich die Wirtschaftsprofis aus der EU Anbieder Partei ÖVP wieder mit Ruhm bekleckert ... Und das unter einem Landeshauptmann Platter ? Liebe ÖVP man kann nur hoffen, dass die größte Oppositopnspartei im Landtag vielleicht in die Regierung wechselt.

thomasleopold
00
23.2.2012, 08:23

Himmevoda es woa so schee, und jetz kummt der Scheiss Rechnungshof. Uijegerl.

vertrae glich
 
06
22.2.2012, 23:08

Ich vermisse hier die rechtlichen Folgen für die Beteiligten. Haftstrafen?

Kräuterpfarrer Escobar
02
23.2.2012, 07:47
Nein.

Die Beteiligten haben alle gute Verbindungen in die Politik, bzw. konkret zur ÖVP. Damit ist in Tirol alles möglich, ohne dass es strafrechtliche Konsequenzen hat.

Die haben im Tirol das ÖVP-System der Korruption zur Perfektion gebracht.

Marlon62
00
26.2.2012, 18:25
Kein Wunder!

Immerhin hatten diese Gauner Jahrzehte Zeit dafür.

Man beachte nur die seltsamen Grundstücksaneignungen und -aufwertungen der Familie Wallnöfer/Van Staa.

OMGLASERGUNSPEWPEW
04
23.2.2012, 01:07

evtl. gibt es Ministerposten für die Beteiligten, haben ja schon sozusagen Berufserfahrung :)

s m s
03
22.2.2012, 22:09

Die klassische entschioo eben. Vorne fein für die "Bedürftigen" da sein - hinten in Wirklichkeit ins eigene Sackl schaufeln.

Dir. E. Glukos
014
22.2.2012, 17:01
So werden die Zivildiener auch noch indirekt missbraucht !

Wie wenn Niedriglohn-Ausbeutung und Lebenszeit-Diebstahl nicht schon genug Unrecht wäre, das den jungen Männern angetan wird.
Nein, sie müssen auch noch Zwangsdienste für solche "Ehrenamtliche" machen, da kommt einen alles hoch, wenn man noch einen Funken Anstand hat.

Art Vandalay
01
23.2.2012, 08:39

Hab bei so einem erzkatholischen Verein Zivildienst machen muessen, wo hinten und vorne Geld abgezweigt wurde und zwar auf Kosten der Behinderten und der Zivildiener. Dafuer haben sich die Chefs dann mit Titeln wie 'Grossbalei' und was weiss ich geschmueckt.
Absolut widerlich und erbaermlich.

< silence >
00
23.2.2012, 12:57
wissen sie genug um eine Anzeige machen zu können?

Oder zumindest Infos an Medien weiterzugeben, die dann investigativ nachforschen?
So was gehört schonungslos aufgeklärt!

Ingrid Goeschl
03
22.2.2012, 18:39

Das sehe ich genauso!

Pintinho
021
22.2.2012, 16:33

Zumindest in einem Wort hätte die APA den Aufdecker Markus Wilhelm schon erwähnen können.

Kräuterpfarrer Escobar
03
23.2.2012, 07:42
Danke, wollte es auch gerade posten

Dem einzigen, dem wir zu verdanken haben, dass da überhaupt irgendwas passiert ist, ist Markus Wilhelm und seine Website www.dietiwag.org.

Dass hier öfters auf die TT verwiesen wird, ist ja geradezu ein Hohn. Besonders die TT steckt ja mit der ganzen ÖVP-Partie unter einer Decke. Die hätten am liebsten gar nichts darüber berichtet.

call me ismael
07
22.2.2012, 20:35

wirklich großartig, was markus wilhelm für dieses land leistet. einer, der sich nicht einschüchtern lässt.

http://www.dietiwag.org/blog/index.php

Besserwisser
06
22.2.2012, 17:09
Das wäre wirklich angebracht gewesen.

Ohne die Aufdeckerarbeit des Herrn Wilhelm wäre bei der Lebenshilfe Tirol noch alles beim schlechten Alten.
Das Land Tirol hätte weiter gezahlt und gezahlt und es sich gefallen lassen, dass keinerlei Einblick gegeben wird. Die "Ehrenamtlichen" hätten weiter Gagen bezogen, die in die hunderttausende gehen. Die Geschäftsführer hätten weitere Gehaltserhöhungen, neue Dienstwägen und andere "Sozialleistungen" bekommen.
Und, und, und.

Aber Markus Wilhelm zu erwähnen, ist offenbar zuviel verlangt.

Dir. E. Glukos
04
22.2.2012, 17:12
wenn man dann noch die Ausnutzung von ZWANGSARBEITS-Kräften miteinbezieht ..

.. dann sieht das mit den "Ehrenamtlichen" noch heuchlerischer aus !!

Franz Schwingenschrot
20
22.2.2012, 15:35

Der Geschäftsführer hat die Lebenshilfe wohl wörtlich genommen und auf sich bezogen.
http://gedaunknsplitta.blog.de

Kräuterpfarrer Escobar
02
23.2.2012, 07:43
SPAM!

Wenn du nix zu sagen hast, lass es einfach. Wenn du unbedingt deine Seite promoten willst, dann kauf halt ein paar Adwords. Oder verwende einen der vielen Gutescheine, die Google dauernd verschenkt.

Pool Snoopy
 
010
22.2.2012, 15:18

dass sich solche leute überhaupt in den spiegel schauen können ohne zu kotzen.
aber ein guter beweis für die evolution: der mensch ist ein tier, der die rücksichtslosigkeit gegenüber artgenossen perfektioniert hat.

Simplicius Simplicissimus
00
23.2.2012, 12:49
Etwaige Gesichtsmassagen, ...

... schönheitschirurgische Eingriffe, dann kann man sich
im Spiegel ganz gut ertragen. Und die Kriecher um einen herum machen einen schlanken Fuß ...

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