Wien-Landstraße

Materialfehler war Schuld an Ammoniakunfall

22. Februar 2012, 14:19
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    foto: apa/philipp schalber

    In einer Großkühlanlage in der Baumgasse in Wien-Landstraße ist es am Dienstag zu einem Ammoniakaustritt gekommen. Die Wiener Rettung war mit dem gesamten Katastrophenzug ausgerückt.

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    grafik: stepmap.de/bearbeitung: derstandard.at

    Die Unfallstelle im Überblick.

Keine schweren Verletzungen - Neuerlicher Alarm bei Textilhänder in der Nachbarschaft am Mittwoch

Wien - Ein Materialfehler in einem Pumpenflansch gilt laut "Wiener Kühlhaus" als wahrscheinliche Ursache jenes Lecks in einer Ammoniakleitung, das am Dienstagabend im Bezirk Landstraße für einen Großeinsatz gesorgt hat. Aufgrund der austretenden Chemikalie wurde die Umgebung teilweise evakuiert, zudem wurden die Anrainer aufgefordert, in den Wohnungen zu bleiben. Schließlich gelang es, das daumengroße Loch abzudichten. Keiner der 62 medizinisch behandelten Personen wurde schwer verletzt.

Von den Verletzten wurden zwölf ambulant behandelt, 50 in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Laut KAV-Sprecherin Conny Lindner wurden 18 stationär aufgenommen. "Glücklicherweise ist keiner von ihnen schwer verletzt."

Alarm bei Nachbarn

Kurzfristig gab es am Mittwochvormittag neue Aufregung, als von der benachbarten Filiale des Textil-Handelunternehmens Astro am Franzosengraben 9 gegen 11.15 Uhr die Rettung alarmiert wurde.

Laut deren Sprecher, Ronald Packert, wurden zehn Leichtverletzte behandelt, einer davon ins Spital eingeliefert. Die Feuerwehr ermittelte bei ihren Messungen eine Ammoniak-Konzentration, die - zumindest zu diesem Zeitpunkt - unter dem Normalwert lag.

Augenschmerzen und Atemnot

Am Vortag war die Feuerwehr kurz vor 18.00 Uhr alarmiert worden. Menschen klagten über Augenschmerzen und Atemnot. An die Anrainer wurde appelliert, die Fenster geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben. Straßen wurden großräumig gesperrt, die Leute per Lautsprecher aufgefordert, die Straßen zu verlassen. Die Feuerwehr löste Alarmstufe zwei aus und war mit etwa 80 Mann sowie ihren spezialisierten Chemikern im Einsatz.

Gegen 20.45 Uhr wurde das Leck von Technikern der Firma "Wiener Kühlhaus" in Zusammenarbeit mit den Experten der Feuerwehr, ausgerüstet mit Gasschutzanzügen, abgedichtet. Wie Feuerwehroffizier Christian Feiler am Mittwoch der APA sagte, war das Leck in der Nähe eines Flansches entstanden. Das Ammoniak trat "hochgradig" aus. Man müsse sich das ganze System wie einen überdimensionalen Kühlschrank vorstellen - hier gäbe es auch nicht alle 20 Zentimeter ein Ventil. Zudem könne man durch unsachgemäßes Hantieren noch größeren Schaden anrichten. So kamen Leckdichtkissen zum Einsatz, die zusätzlich durch Ratschengurte fixiert wurden. Beim Unternehmen konnte man am Mittwoch zunächst keine Ursache für das Leck nennen.

In der Arena wurde das Konzert der Gruppe Eisbrecher abgesagt, das nahe Etap-Hotel auf dem Franzosengraben geräumt, die evakuierten Gäste in anderen Häusern untergebracht. Nach Ende der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx sorgten Einsatzkräfte für eine rasche Abreise der Besucher. Ein Betroffener kritisierte, dass sie nicht über das Geschehen informiert wurden. Ihnen wurde lediglich von einem Feuerwehreinsatz erzählt, jedoch nichts über die genauen Hintergründe. Einige Fans konnten nicht mehr zum Auftritt von Tim Bendzko in den Gasometer vordringen.

Spätfolgen "bei ein paar Atemzügen zuviel"

Die Wiener Rettung war mit dem gesamten Katastrophenzug ausgerückt. "Ammoniak führt schon bei geringem Kontakt mit den Schleimhäuten zu Hustenanfällen und Tränenfluss", erklärte Dieter Sebald, interimistischer ärztlicher Leiter. Die Symptome ließen sich gut behandeln, die Helfer hätten über ausreichende Medikamente verfügt. Allerdings: Bei ein "paar Atemzügen zu viel" können auch - durchaus behandelbare - Spätfolgen "wie das gefürchtete toxische Lungenödem" auftreten.

Im Zuge der Maßnahmen war es zu umfangreichen Straßensperren gekommen. Größere Staus blieben laut ÖAMTC aus. Die U-Bahn-Linie U3 verkehrte nur zwischen Ottakring und Kardinal-Nagl-Platz, die Straßenbahnlinie 18 wurde kurzgeführt. Die Wiener Linien nahmen aber kurzfristig nach Ende der Show im Gasometer den U-Bahn-Verkehr auf, um die Besucher rasch wegzubringen. Taxis waren keine mehr zu bekommen. Viele Fußgänger warteten entlang der Sperrzone zunächst an den Haltestellen, machten sich dann aber zu Fuß auf den Weg. (APA)

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kasperl-und- Petzi
20
22.2.2012, 17:39
Bei mir hats auch ungut gerochen

Eigentlich jeden Tag in der frueh wenn ich am Klo war riechts ziemlich ungut bei mir.

Speziell wenn ich am Vortag Viel Sauerkraut gegessen habe.

Ob das auch Amoniak ist?

opti
00
22.2.2012, 15:54
Leckdichtkissen zum Einsatz, die zusätzlich durch Ratschengurte

leckdichkissen und watschengurte ... jetzt ist aber ein technikexperte der APA am werk ...

alle achtung

Buster Bluth
00
22.2.2012, 15:07

In der Nähe wohnend: Es hat schon in der Nacht davor durchs geöffnete Fenster auf einmal, mich fast reckend, extrem ungut brunzähnlich-penetrant-beißend gerochen.

Sollte man dem nachgehen?

Anton Friesl
11
22.2.2012, 13:03
Der Bevölkerung wurde empfohlen die Luft anzuhalten.,.

haha datenschutz
00
22.2.2012, 12:59
Verdammtes Nomen est omen?

"Nach dem Großeinsatz am Dienstagabend wegen des Ammoniak-Lecks im "Wiener Kühlhaus" (...)"
"(...)Auf dem nahe gelegenen Veranstaltungsgelände Arena wurde das Konzert der Gruppe Eisbrecher abgesagt"

herakles
00
22.2.2012, 12:44
hochgradig?

und wie schaut das aus, wenn Ammoniak mittelgradig austritt? kälter?

Ach wenn doch die schreiberlinge a bisserl an Chemiker fragen täten!

Aber is eh schon super, wenn sie Nicht dauern GIFTIG schreiben

denkmal
00
22.2.2012, 12:20

ist im "heute" nicht die rede von tausenden betroffenen und verletzten? (hab nur die titelseite gesehen...)

Ger hard
01
22.2.2012, 13:43
Kann ich nachvollziehen

ich war einer von den tausenden Betroffenen (wollte zum Konzert in der Arena) wurde aber nicht Verletzt so weit ich das Beurteilen kann.
Betroffen waren aber auch alle die gar nicht dort waren sonder z.B. nur mit der U3 fahren wollten.

rough_rider
01
22.2.2012, 12:52
spricht für "Heute" oder? :-D

aRoma
01
22.2.2012, 12:01
Daumendraufhalten hätte geholfen

VierterDez
35
22.2.2012, 12:00
Baumgasse

Dort wird seit Jahrzehnten nicht mehr inspiziert....

...sondern mit den zu inspizierenden "Staatsamateuren" nur noch gebechert.

Ihre Zentral-Arbeitsinspektion

en ymmärrä
20
22.2.2012, 14:35

Glauben Sie, dass eine Kontrolle des Betriebes es verhindert hätte, dass dort ein Loch in einem Rohr auftritt? Oder kennen Sie den Betrieb so gut und wissen daher, dass dort schreckliche Zustände herrschen und die Arbeitsinspektion das jahrelang geduldet hat?

Im Endeffekt unterstellen Sie, dass die zuständigen Beamten korrupt sind bzw. aus reiner Faulheit ihre Arbeit nicht getan haben, und die Oberbehörde das noch duldet bzw. fördert.

VierterDez
13
22.2.2012, 19:47
A g r e e m e n t

Zwischen der Baumgasse und dem ZAI besteht seit über 100 Jahren ein "Agreement", die dortigen 35ha grossen Industrieanlagen un(ter)inspiziert zu belassen, zumal in den Kellern und Lägern der Baumgasse Kriegs- und KZgifte wie Senfgas, Sarin, ZyklonB...grossindustriell produziert wurden und werden, um diese in Kriegen und Lägern "still" einsetzen zu können.

en ymmärrä
21
23.2.2012, 11:16

Seit über hundert Jahren besteht ein Abkommen zwischen einem Betrieb und einer Behörde, diesen nicht zu kontrollieren? Ich stelle mir das gerade praktisch vor. Es gibt ein geheimes Dokument, in dem festgeschrieben ist, dass dort nicht kontrolliert werden darf und das dem Leiter der Arbeitsinspektion und ein paar anderen Vertrauten bekannt ist. Jedes Mal, wenn es einen Wechsel an der Spitze gibt, wird ein geheimer Tresor geöffnet und der geheime Vertrag dem Neuen unter dem Siegel der Verschwiegenheit überreicht. Der fühlt sich dann auf jeden Fall an die Vorgaben der Vorgänger gebunden und tut alles, um das böse Unternehmen zu schützen.

Ehrlich, das klingt für mich nach Stieg Larsson. Oder wie soll das sonst gehen?

VierterDez
00
23.2.2012, 12:22
ZAI hat über BMAS sogar folg Erlass rausgegeben:

(sinngem)
1) Bei staatlichen oder "staatsnahen" Betrieben darf durch Arbeitsinspektoren nix beanstandet werden.
2) Bei schweren, "staatsamateuerlichen" Mängeln (Lecks, Grenzwertüberschreitungen, Saubuden...) darf höchstens eine zarte "Empfehlung" erfolgen.
3) Sankt Marx und seine Betriebe sind "immun".

Kuldip K.
 
03
22.2.2012, 18:34
Dekor

Genau so ist es als in den 1980 Jahren bei Umbauarbeiten in St.Marx ein Großbrand ausgebrochen ist, sind auch die zur Kontrolle abgestellten Mitarbeiter in der Nottendorfergasse jeden Tag im Wirtshaus gesessen und haben auf Kosten des Auftraggebers ihre Arbeitstage zu 80% dort verbracht.
Stand damals sogar in der Zeitung.
Großbrand in St.Marx Schadensumme 20 Millionen.

mbli
22
22.2.2012, 11:48
Die Verständigung der Bevölkerung war sehr mangelhaft.

ich wohne in den Gasometern, das ist Luftlinie ca. 500m entfernt. Aufgrund von Schallschutzfenstern wäre eine Lautsprecherdurchsage ohnedies nur schwer zu hören gewesen. Zum Glück hat mich ein Freund von außerhalb angerufen. Wozu gibt es Sirenen? Das wäre ein klassischer Fall, man dreht dann Radio Wien auf, und kann sich informieren.

tramezzino
00
23.2.2012, 10:17

normalerweise sollte der bundespräsident dazu im radio sprechen...

nebenerwerbsposter
11
22.2.2012, 12:34

vielleicht reicht es zu einer klage - nehmen sie sich einen us-anwalt, so einen richtig fiesen, windigen

nebenerwerbsposter
04
22.2.2012, 12:33

und dann hätten alle die fenster aufgemacht und geschaut, was denn passiert ist...

Der Große von Gegenüber
02
22.2.2012, 12:10

die Sirenen werden nur im Probefall, also 1x jährlich, angeworfen ...

NoComment
09
22.2.2012, 11:51

im gasometer waren sie sowas von außerhalb der gefahrenzone, das glauben sie gar nicht.

peter schmidt
 
00
22.2.2012, 12:20
Naja im Gasometer wurde die Lüftung ausgeschalten und wurden die Leute gebeten im Gebäude zu bleiben.

Das bezog sich aber offenbar nur auf die Besucher dort. Die Bewohner wurden nicht informiert.

Vendettix
40
22.2.2012, 11:56

Es kommt zwar aus dem Artikel nicht wirklich heraus, aber wenn man in der Arena ein Konzert absagt kann das Gasometer nicht SO weit von der Gefahrenzone entfernt gewesen sein.

NoComment
03
22.2.2012, 12:01

arena: ca.30m daneben
gasomter: ca.600m daneben und der wind bläst wirklich IMMER dort

man hätt natürlich auch mal auf die karte beim artikel schauen können.

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