Physiotherapie: Shiatsu statt verordneter Heilgymnastik

22. Februar 2012, 11:08
  • Viele der getesteten Physiotherapeuten änderten die vom Arzt verordnete Therapie ab.
    foto: matthias balzer / pixelio.de

    Viele der getesteten Physiotherapeuten änderten die vom Arzt verordnete Therapie ab.

"Konsument" testete 15 Physiotherapeuten - Viele Therapeuten halten sich nicht an die ärztliche Verordnung und wenden andere Methoden an

Wien - Physiotherapie kann Patienten nach Unfällen schneller fit machen und durch chronische oder neurologische Erkrankungen verursachtes Leiden lindern. Die Kosten für vom Arzt verordnete, wissenschaftlich anerkannte Anwendungen übernimmt daher die Krankenkasse. Die Therapeuten müssen sich aber an die ärztliche Verordnung halten, Rechnungen korrekt ausgestellt sein. "Die Praxis sieht häufig anders aus", kritisieren die Tester des Magazins "Konsument". Verordnungen werden häufig ohne Rücksprache mit dem Arzt geändert, die Behandlungsdauer wird verkürzt.

Getestet wurden in Kooperation mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträge fünf Grazer und zehn Vorarlberger Wahltherapeuten. Bei ihnen muss der Patient zunächst privat zahlen und kann die Rechnung dann zur Rückerstattung bei seiner Krankenkasse einreichen. Refundiert werden 80 Prozent der Kosten, die ein Kassen-Vertragstherapeut für die verordnete Leistung in Rechnung stellen kann. Die Wahltherapeuten sind in ihrer Preisgestaltung frei.

Abänderung der Verordnung

Wenn Physiotherapeuten anstatt der vom Arzt verschriebenen Therapie alternative Methoden wie Shiatsu, Craniosacral- oder Meridlinetherapie anbieten, dann mag dies für manche Patienten zwar durchaus willkommen sein, es birgt aber auch Risiken: Neben finanzieller Belastung durch etwaige Zuzahlungen drohen unter Umständen gesundheitliche Probleme. Denn die Wirksamkeit zahlreicher alternativer Heilmethoden ist keineswegs belegt - die belegt wirksame Therapie hingegen wird unterlassen.

Bei fünf in Graz getesteten Wahltherapeuten wurden von zwei Testpersonen insgesamt 30 Anwendungen in Anspruch genommen. Doch nur bei sieben Anwendungen hielten sich die Physiotherapeuten auch tatsächlich an die ärztliche Verordnung. In 60 Prozent der Fälle entsprach die Rechnung zudem nicht der tatsächlich erbrachten Leistung. Auch bei den zehn in Vorarlberg getesteten Wahltherapeuten wurde in 60 Prozent der Fälle die Rechnung nicht korrekt ausgestellt. 

"Physiotherapeuten haben nach ärztlicher Verordnung zu handeln - eigenmächtige Heilbehandlungen sind laut Gesetz zu unterlassen. Der behandelnde Arzt hat sich mit Sicherheit bei der Verordnung etwas gedacht, daher sollten andere angebotene Therapien mit dem Arzt abgesprochen werden", sagt die Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Den Patienten stehe es natürlich frei, eine ärztlich nicht verordnete Heilmethode zu wählen. Die Krankenkasse bezahlt allerdings nur medizinisch anerkannte Leistungen, deren Wirksamkeit belegt ist.

Im Rahmen des Tests wurde beispielsweise bei einem Institut die nicht von der Krankenkasse anerkannte Craniosacral-Therapie als zweimalige Heilgymnastik abgerechnet. "Wer eine solche Rechnung einreicht, macht sich strafbar - der Physiotherapeut macht sich zum Mittäter. Dies ist kein Kavaliersdelikt, sondern schlicht und einfach Betrug. Daher sollten Patienten unbedingt die Rechnung kontrollieren, ehe sie diese bei der Krankenkasse einreichen", so Klepp.

Zu kurze Behandlungsdauer

Auffällig war bei den Vorarlberger Therapeuten darüber hinaus, dass die Dauer der einzelnen Behandlung häufig nicht der ärztlichen Verordnung entsprach. Bei der verordneten Einzelheilgymnastik (30 Minuten) hielt sich etwa lediglich ein Therapeut an die Zeitvorgabe, dreimal nahmen sich die Therapeuten gar nur fünf Minuten Zeit für die Behandlung. Werden 30 Minuten Einzelheilgymnastik verordnet, hat der Patient auch Anspruch auf 30 Minuten reine Behandlungszeit. Das Erstgespräch sowie das An- und Auskleiden zählen nicht dazu. (red/APA)

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Unterschenkel-Verhärtung :...6 min. Massage...

...25min. Strom !
Volle Einheit bezahlt !

Bewertungskriterien

Ich habe jährlich ca. 3000 Behandlungen durchzuführen.
1. Wir halten uns natürlich strickt an die Anordnungen der Ärzte, d.h. Es werden tatsächlich Physiotherapien und Massagen gemacht, wenn dies auf der Überweisung steht.
Wenn aber auf der ÜW steht: WS-Syndrom: Was macht dann der Therapeut?
2. Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass Shiatsu eine sehr gute Alternative ist, genau so wie Cranio Sacral und andere Methoden. Dies wird aber nur angewendet, wenn der Patient dies verlangt, es erfolgversprechend erscheint und dafür extra bezahlt, also nicht über die Krankenkasse abgerechnet wird. Getestet wurde vor allem die korrekte Abwicklung mit der GKK und hier haben die meisten versagt. ich arbeite übrigens beim Testsieger.

meine Verehrung Herr Testsieger....

darf ich fragen wie lange die Anamnese und Befundung gedauert hat, da diese ja nicht angerechnet wurde bei der Bewertung?

Was ist laut Ärzten Physiotherapie?

Wenn Sie wirklich wollen, dass sich PTs genau an die ärztlichen Anweisungen halten, sollten sich auch die GKK daran halten und nicht auf 30min kürzen. Außerdem müssten die Ärzte genau aufschreiben, was sie wollen. D.h. zb 2x30min Cyriax, 1x30min Maitland, 2x30 Langhanteltraining, 2x30 PNF, 2x30min Sohier, 1x30min Sensomotoriktraining. So wären wir dann auf einer Behandlungsserie von 10x und der Patient hat wahrscheinlich nichts davon, weil die Behandlung nicht auf seinem Körper, seine Psyche, sein Wesen und seine Vorlieben abgestimmt ist. Außerdem kann nicht jeder Therapeut alle Konzepte kennen und wissen, somit auch nicht alle Ärzte.
Jeder Patient hat die Mglk zu sagen, dass er diese Form der Therapie ablehnt, steht jedem frei!

Für Interessierte zum Thema Shiatsu, eine deutschsprachige Zusammenfassung einiger Studien:

http://www.shiatsuverband.ch/tl_files/... 090511.pdf

Interessant ist auch dieser Auszug:

"In allen drei Ländern war als Folge der Shiatsu-Behandlungen ein evidenter Rückgang
bei der Inanspruchnahme von schulmedizinischen Leistungen (Konsultationen,
Medikamenteneinnahme) zu verzeichnen (15% - 34%)."

Wundert man sich da wenn sich manche MedizinerInnen auf den Schlips getreten fühlen?

Niemand sagt, dass Biomedizin schlecht sei. Ich selbst finde sie sogar sehr wichtig. Allerdings ist sie nun mal nicht die einzige "Wahrheit".

Aber ja.. wie immer steht jedem eine eigene Meinung zu.

Geh bitte,

scroll nach unten und schau dir die erste "Studie" (es fällt sogar unter Hochkomma schwer) an, das ist eine Befragung...
Studien sehen anders aus!

Spar dir dein "Geh bitte"

Studien können sehr wohl auf Befragungen basieren. Wie sonst denkst du sind unter anderem die meisten psychologischen Studien aufgebaut.

Den Kritikpunkt, dass die Studien nicht den Kriterien der EBM entsprechen würde ich annehmen.

Jedoch.. davon abgesehen, dass die Aussagen von Menschen zu ihrem eigenen Wohlbefinden etwas wert sind (!), hat auch die "heilige Kuh" EBM ihre Schwächen.

http://www.zaen.org/download/... anovas.pdf

Wenn die Biomedizin ihre Entscheidungen nach diesem System fällen möchte, ist das vollkommen legitim.

Es ist jedoch vermessen zu glauben es wäre die einzig richtige Methode.

studien auf befragungen basiert

Physiotherapie ist nicht in den Geisteswissenschaften anzusiedeln - es geht hier auch um die Anatomie, Physiologie, Biochemie und Motorik des Menschen. Da reichen Fragebögen alleine nicht aus, um verlässliche Aussagen treffen zu können.

Darüber hinaus ist anzumerken, dass eine kritische Auseinandersetzung mit der Materie auch über die EBM hinaus in Fachgruppen stattfindet, die zB. diagnostische Kriterien für Bewegungsstörungen erstellen, damit Therapien nach effizienten Kriterien ausgerichtet werden können.

Nachsatz:

Es gibt natürlich Schwächen:
Kein ausgezeichnetes Studiendesign - beispielsweise Befragungen, hier sind für Täuschungen Tür und Tor geöffnet.
Dafür gibt's Peer Reviews und andere Wissenschaftler auf dem Feld, die hier eingreifen.
Wenn sie eine bessere Methode kennen - nur zu, die Medizin würde sich freuen - aber bitte nicht mit Befragungen kommen!

Na bitte..

... in kleinen Schritten nähern wir uns ja an.

Eine bessere Methode: Ich arbeite daran. Diese bessere Methode wird aber nicht ohne Befragungen auskommen. Es ist nun mal wichtig den Menschen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.
Ich weiß es ist eine schwere Aufgabe.. und ich hoffe es geht sich in einem Menschenleben aus.

Wie geht das?

Wie soll eine Peer Review Studie aussehen? Wie mach ich eine Physioplacebobehandlung? Hypnose? Wohlbefinden wird auch in der Medizin durch Befragung festgestellt. Von 1 bis 10. 1 = Schmerzfrei, 10 ist absoluter Schmerz.
Oder die wieder erlangte Bewegungsfreiheit wird gemessen. Aber Blindstudien???? Das geht bei Medikamentierung.

geht auch bei anderen methoden. sie können das auch im vergleich zu herkömmlichen oder anders alternativen methoden machen.

zB können sie bei schmerzlinderung mit akupunktur einfach punkte genau neben denen der TCM stechen (gabs eh letztens irgendwo im standard einen artikel). kann dann genau das gleiche wie TCM womit bewiesen wäre dass es wurscht is wo man sticht.

so, oder so ähnlich können auch andere behandlungen verglichen werden.

Ja bitte!

Aber schön die Gruppen randomisieren und auch Placebogruppen mit einschliessen, das ganze verblindet und schon wird's was!

Und wieder eine ganz unvoreingenommene Quelle!

Zeigen sie mir eine gänzlich unvoreingenomme Quelle...

... die ihren Standpunkt vertreten kann, und ich bin gewillt sie ernst zu nehmen.

Wobei sie eigentlich ihren Standpunkt noch nicht mal klar gemacht haben. Sie haben weder Argumente noch Quellen. Ja, nicht mal der Versuch einer Erklärung ist da.

Außerdem bleibt ihnen offenbar ihre eigene massivst voreingenommene Haltung verborgen. Ich wünsche Ihnen bzw. dir einen Hauch von Selbstreflexion.. der Rest wird sich in der Folge von selbst ergeben.

also die diagnose macht der arzt

der physiotherapeut darf laut gesetzt keine diagnose machen.
laut gesetzt fischt er also im trüben, wenn er eine andere "therapie" macht, die ja möglicherweise gar nicht paßt.

oder wozu wurde entweder arzt oder der physiotherapeut denn von der krankenkasse bezahlt, wenn sie nicht am selben strang ziehen?

im trüben fischt's sich schwer...

der arzt stellt eine diagnose wie "lumbalgie" oder" kopfschmerz". diese wird vom therapeuten nach wahrscheinlichen ursachen (der mediziner ist der annahme "bewegungsapparat" allgemein) untersucht und anschließend mit der therapie seiner wahl (katalog) behandelt. eine diagnose, eine differenzierung und nichts sollte mehr trübe sein....

ok, also der therpeut muss sich NICHT an die überweisung halten?

ist die therapie auf der überweisung nur eine empfehlung?
danke für die info

?er hält sich ja an die Überweisung, er ist nur in der Wahl der Therapie frei. Ob er einen Kopfschmerz mit manueller, Trainingstherapie oder was auch immer behandelt wird er nach Fähigkeit und eigener Einschätzung aussuchen....
Er muss nur den Kopfschmerz behandeln...

erde an kroneforum

http://www.physioaustria.at/informati... berufsbild
evtl. ist es so, dass es den verrechnungsposten "physiotherapie" bein den gk einfach NICHT GIBT ??!?!?!
evtl. rafft es irgendein oberrat dr prof prim nicht, diesen posten irgendwo anzulegen ?? was ist die definition von einzelheilgym ? denkts mal nach, bevor hier eine ganze berufsgruppe, die eine extrem wertvolle aufgabe übernimmt, pauschal abgeurteilt wird !

politische Rufschädigung.....

muss schon sagen....netter Artikel...
Nachdem ich einen der getesteten Therapeuten kenne und die statistische Auswertung im Detail bin ich gespannt auf eine Klage zweg´s Rufschädigung:
1.Laien testen ohne Beschwerden und sollen dann noch die Qualität der Therapie beurteilen??? Referenz?
2. Therapiemethode steht dem Therapeuten offen- es gibt eine klaren Katalog (cranio is ned dabei), es handelt sich schon lange nicht mehr um bloses Vorturnen!
3.Behandlungsdauer??? was soll das?! seit wann zählen Anamnese und Untersuchung nicht mehr zur Behandlung??? klar kommen vielleicht nur 5 min. Therapie das erste mal heraus...
4.Politischer Auftraggeber Versicherungsanstalten-na logo kann man das politisch nutzen.Laien subjektiv beurteilen lassen-haha

bitte besser recherchieren

cranio-sacrale therapie darf im rahmen von physiotherapie erbracht werden und das erstgespräch gehört SELBSTVERSTÄNDLICH zur behandlung. keine diagnose am telefon und durch die hose, klar gehört eine eingehende anamnese zur behandlung, sie ist sogar VERPFLICHTEND. tststs...

WENN craniosacrale therapie tatsächlich von der krankenkasse bezahlt wird, dann ist das ein politischer skandal.

bitte selber recherchieren! - in Vorarlberg ist es nicht erlaubt!!!
laut Gesetz ist die Untersuchung/Anamnese auch Pflicht! Im Bericht wurde sie nicht angerechnet!!!!!

Fairerweise sollte man aber schon dazu sagen...

... dass diese "alternativen Heilmethoden" oft auch von den Patienten selbst eingefordert werden.

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