Schmied will Eltern und Schüler zu Sprechtag verpflichten

Unterrichtsministerium legt "Maßnahmenpaket gegen Schulpflichtverletzung" vor - Strafen sollen erhöht werden

Mit einem "Maßnahmenpaket gegen die Schulpflichtverletzung" geht Unterrichtsministerin Claudia Schmied nun an die Öffentlichkeit. Die Unterrichtsministerin habe die Erstellung einer Expertise zum Thema Schulpflichtverletzung, Schulverweigerung und Absentismus beauftragt. Es sei mit den Bildungssprechern der Koalitionsparteien, Werner Amon und Elmar Mayer, vereinbart, dass ein Maßnahmenpaket konkretisiert wird, teilt sie in einer Aussendung mit. Die Uni Linz hatte in einer Studie herausgefunden, dass 75.000 Jugendliche in Österreich keine Schule, besuchen beziehungsweise arbeitslos sind. (derStandard.at berichtete)

Folgende Eckpunkte sollen darin enthalten sein:

  • Verpflichtende Eltern-Schüler-Lehrer-Gespräche werden gesetzlich in allen Schulformen für die Dauer der Schulpflicht verankert.

Bereits jetzt haben Eltern laut Schulgesetz die Erziehungsarbeit der Schule zu unterstützen, wobei eine möglichst enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern als sinnvoll erachtet wird. An allgemeinbildenden Pflichtschulen (Volks-, Haupt- und Sonderschule, Polytechnische Schulen) sind zwei Sprechtage im Unterrichtsjahr durchzuführen. Darüber hinaus müssen die Lehrer den Eltern auf deren Verlangen zu Einzelaussprachen zur Verfügung stehen. An allen übrigen Schulen ist den Eltern durch wöchentliche Sprechstunden Gelegenheit zur Einzelaussprache zu geben.  Bei Bedarf kann der Schulgemeinschaftsausschuss Sprechtage festlegen. Nach dem Vorbild der Neuen Mittelschulen sollen nun verpflichtende Aussprachen zwischen Eltern, Schülern und Lehrern für alle Schulformen vorgeschrieben werden.  Sanktionen bei Nichteinhaltung sieht das Unterrichtsministerium nicht vor. In "extremen Fällen" seien die Schuldirektoren ohnehin dazu verpflichtet, die Jugendwohlfahrt einzuschalten.

  • Die Schulleitungen sollen im Rahmen der Verhaltensvereinbarungen mit SchülerInnen und Eltern besonders auf Schulpflichtverletzung eingehen, die Schulleitungen sollen in Informationsveranstaltungen und schriftlich gezielt die Eltern auf die Problematik der Schulpflichtverletzung aufmerksam machen.

  • Im Rahmen der Schulpsychologie und bei laufenden Pilotprojekten der Schulsozialarbeit wird ein Schwerpunkt im Bereich von Schulpflichtverletzung, Schulverweigerung und Schulabsentismus gesetzt, die Zusammenarbeit von Jugendwohlfahrt und Schulbehörden wird intensiviert.

  • Alle Behörden (Schulleitungen, Schulaufsicht, Jugendwohlfahrt, Verwaltungsbehörden) werden aufgefordert, die Zusammenarbeit zu intensivieren und die gegenseitigen Informationsflüsse effizienter zu gestalten. Besonders die Verwaltungsbehörden, die für die Verwaltungsstrafverfahren zuständig sind, sollen für Fragen der Schulpflichtverletzung sensibilisiert werden.

  • Eine Valorisierung der Höchststrafe für Schulpflichtverletzung, die seit 1985 unverändert ist, erscheint nach ersten Gesprächen mit ExpertInnen denkbar.

Eltern fordern mehr Unterstützung

Auch der Verband der Elternvereine an Pflichtschulen kann dem Vorstoß von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) nichts abgewinnen, die Höchststrafe bei groben Schulpflichtverletzungen von derzeit 220 auf 1.500 Euro anzuheben. Es sei zwar im Interesse der Schüler wichtig, dass die Schulpflicht uneingeschränkt erfüllt werde. Allerdings würden Motivation und begleitende Unterstützung von Schülern und Eltern durch Schule, Schulsozialarbeit und Jugendwohlfahrt "wesentlich mehr bewirken als höhere Strafen", heißt es in einer Aussendung vom Mittwoch.

Der Verbandsvorsitzende Christian Morawek fordert in Krisensituationen eine Verpflichtung zu verbindlichen Gesprächen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Außerdem müsse die Schulsozialarbeit flächendeckend ausgebaut werden. Diese soll gemeinsam mit Schulbehörden, Schulpsychologie und Jugendwohlfahrt helfen, den Teufelskreis aus Schulpflichtverletzungen, Schulverweigerung und Schulabsentismus zu durchbrechen. "Strafen müssen auch weiterhin das letzte Mittel bleiben."

Die Eltern wollen sich auch selbst verstärkt einbringen und vor allem in den Schulpartnergremien an den Schulen bei der Entwicklung wirksamer Programme zur Eindämmung von Schulpflichtverletzungen und zur Verbesserung der Bildungsmotivation beteiligt werden. (red/APA, derStandard.at, 22. Feber 2012)

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Du-musst-Schule

Man muss sich dem Lehrplanvollzug unterwerfen.
Man muss sich in den Unterrichtsablauf einfügen.
Man muss bei dem, was für einen vorgesehen ist, willig mitmachen.
Das hat zu Zeiten der Leibgeigenschaft schon funktioniert - meinte man wenigstens - warum sollte man das für Schule also ändern?
Man weiß ja auch nicht, was für einen gut ist. Zum Glück wissen das immer Leute, die "über einem stehen". Wäre man kein Untertan, wie könnte man ohne den Vollzug von Maßnahmenpaketen überleben?
Als Ich-kann-Schule-Lehrer tät ich mich auch völlig hilflos fühlen ohne die vielen, schönen Vorschriften.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

Was bin ich froh, über das "Schülerelternalter" hinaus zu sein.

:) die Schule

als solches war fuer mich ein Grund, keine Kinder zu wollen

Wenn ich mir das Getue anschau, das heute um Eltern in Schulen gemacht wird...
Meine Mutter ging widerstrebend einmal im Jahr zum Sprechtag, weils halt sein mußte, dann erzählte sie meinem Vater nur das, was ich vorher genehmigt hatte und das wars dann schon. Zumindest in der Oberstufe.
Und aus mir ist trotzdem was geworden.;-)

Sie unterdrücken nicht nur Männer sondern erklärten schon als Kind Ihrer eigenen Mutter was diese zu sagen und was sie zu verschweigen hat? Das erklärt natürlich einiges.

Ich hab mich mit meiner Mutter immer bestens verstanden und mit 15-18 ist man kein Kind mehr.
Welche Männer unterdrücke ich denn?
Wissen Sie was, was ich nicht weiß?

Welche tatsächlich weiß ich nicht - aber probieren tun Sie es bei allen.

bei Maedels ist

es aber im allgm. problemloser. Ich hatte fuer micht die Angst, dasz ich meine Kinder in meinen Schulkrieg gehetzt haette. Das geht recht leicht u. die werden das ihr Leben lang nicht los

Sie hätten mich erleben müssen.;-)

bleibt der

Maedelbonus

Der nützt Ihnen aber bei alten vertrockneten Blaustrümpfen sogut wie nichts.
Bei meinem lieben Matheprofessor hab ich allerdings, das muß ich zugeben, die Oberstufe ohne Hausaufgaben und ohne Nachzipf nur überlebt unter Einsatz meines weiblichen Einfühlungsvermögens.
Wenn der gewußt hätte, in welchem Bereich ich einmal tätig sein werde, hätte ihn der Schlag getroffen.;-)

Zweisprachige Erziehung verzögert Sprachentwicklung

ein interessanter Artikel:
http://www.welt.de/wissensch... klung.html

Die einzige durchführbare (bürokratisch einigermaßen handhabbare) und plausible Lösung:
bei exzessiv-dauerhaftem unentschuldigtem Fehlen Rücksprache des Klassenvorstandes mit der Direktion, Antrag der Schule beim Finanzamt auf Einfrieren der Familienbeihilfe für den betreffenden Schüler (bei Sekundarstufe II, früher nicht).

Im Übrigen ist bei einem Fernbleiben länger als eine Schulwoche ohne Benachrichtigung bereits die Abmeldung des Schülers (also die Suspendierung) möglich. Dies wird im Allgemeinen aber kaum tatsächlich so hart exekutiert.

spannend.

dieser ganze "straf die eltern finanzell" schaas kommt doch ursprünglich von einem övp lehrer-gewerkschafter.

Sie sind schlecht unterrichtet.

Strafanträge wegen Verletzung der Schulpflicht sind an Pflichtschulen schon heute ganz normal.
Besonders an Sonderschulen sind sie das einzige Mittel, um Eltern in die Pflicht zu nehmen.
Da die Strafen jedoch seit 1985 nicht valorisiert worden sind, haben sie lediglich symbolischen Charakter.

Strafanträge wegen Verletzung der Schulpflicht sind an Pflichtschulen schon heute ganz normal.

Ah daher kommt also die ständige Überforderung der LehrerInnen. Nicht etwa vom Unterrichten oder Vorbereiten. Nein, vom Strafantragschreiben.

Ich finde, LehrerInnen sollten lieber die unterrichten, die da sind, als jenen hinterherzulaufen, die eh nicht wollen.

Dieses schöne Missverständnis

könnte aus der Feder der Frau Berg stammen.

ein aha-erlebnis

irgendwann kommt es zu jedem.

diese strafanträge werden deshalb nicht angewandt,

weil sie nichts bringen würden.

oder sind Sie tatsächlich so naiv zu glauben, dass strafen oder strafandrohungen die haltung bzw. ein verhalten eines menschen nachhaltig verändern können?

einzig die frage, warum diese kinder und jugendlichen keine lust mehr darauf haben, etwas neues zu erfahren, spannendes zu lernen, sich mit für sie wichtigem freudig auseinanderzusetzen, führt zu einer lösung des schulschwänzer-problems.

und bei dieser problembewältigung sind leider auch einige lehrerInnen gefordert. (leider deshalb, weil sich gerade die hier geforderten pädagogInnen in Ihrer von außen nicht nachvollziehbaren verteidigungshaltung als äußerst kritikresistent erweisen.)

Was genau verstehen Sie an der Formulierung "sind an Pflichtschulen

ganz normal" nicht?

Anders formuliert: Und wie die angewandt werden -- weil sie das einzige Mittel sind.

Der ÖVP-Politiker Kurz (@marie berg: der k e i n Lehrervertreter ist) hat also nur eine Valorisierung einer Strafe vorgeschlagen, die nicht nur rechtlich vorgesehen ist, sondern durchaus regelmäßig angewandt wird.

ich meinte ihren

netten kollegen kimberger. ich denke, sie sind in der lage die debatte eigenständig nachzulesen.

Mein "netter Kollege Kimberger" hat verlangt,

dass Erziehungsaufgaben nur dann an die Schule delegiert werden, wenn die auch Erziehungsmaßnahmen setzen darf.

Die Erhöhung der Geldstrafen für Verletzung der Schulpflicht hat er n i c h t angesprochen.

Ich fürchte, Sie haben die Debatte nicht nachgelesen.

Keine Ursache.

jaja,

das mit dem lesen, ich weiss:
"Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger von der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) will mehr Durchgriffsrechte für Lehrer: Eltern von Problemschülern, die nicht mit der Schule kooperieren, soll die Familienbeihilfe eingefroren werden, forderte er im ORF-Radio."

Ja,

genau das habe ich auch geschrieben:

1. Er forderte mehr Durchgriffsrechte.
2. Er hat die n i c h t die Anhebung der Strafen gefordert.

Es hätte Ihnen z. B. auffallen können, dass ein Einfrieren der Familienbeihilfe (schließt nach meinem Verständnis das "Auftauen" bei Erfüllung der Pflichten ein) eine konstruktive Maßnahme ist, während das aktuell gültige Strafsystem auf Abschreckung abzielt.

soso.

einstellung der rechtlich zustehenden familienbeihilfe ist also keine abschreckung? danke, wieder was gelernt.

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