Gewalt in Kinderheimen: Keine Besserung bis in die 1990er Jahre

22. Februar 2012, 10:35

Kinderpsychiater Berger: "Formen eines fast systematischen Sadismus"

Wiener Heimkinder waren bis in die 1990er Jahre massiver Gewalt ausgesetzt. Während in den vergangenen Monaten Fälle aus den 1960ern und 1970ern bekannt wurden, habe sich an der Situation und den Formen der Gewaltausübungen auch in den Jahrzehnten danach nichts geändert, berichtet das Ö1-Morgenjournal.

Laut dem Kinderpsychiater Ernst Berger waren Heimkinder zwischen 1975 und 1990 "in ganz ähnlichem Prozentsatz von körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt" betroffen wie in den Jahren zuvor. Eine Heimreform Anfang der 1970er Jahre habe daran nichts geändert, so Berger.

Systematischer Sadismus und Entwürdigung

Der Kinderpsychiater hat 100 Gespräche mit Betroffenen ausgewertet, 25 davon lebten zwischen 1975 und 1990 in Heimen. 63 der ehemaligen Heimkinder berichteten von massiver körperlicher und psychischer Gewalt, 40 wurden Opfer von sexueller Gewalt. Zwar haben sich von den rund 50.000 ehemaligen Heimkindern bisher nur 900 gemeldet, Rückschlüsse auf das Gesamtsystem könnten dennoch gezogen werden, sagt Berger. 

Besonders stark seien Traumatisierungen durch psychische Gewalt. Berger berichtet von "Formen eines fast systematischen Sadismus, wo Kinder entwürdigt und Situationen ausgesetzt worden sind, die man als öffentliche Beschämung bezeichnen muss, dass die Betroffenen noch heute, 40 Jahre danach, bei der Schilderung solcher Situationen im Gespräch in Tränen ausbrechen". 

Massive soziale Auswirkungen auf die Betroffenen

"Es zeigt sich, dass nur etwa ein Drittel der Gesprächspartner von relativ stabilen späteren Partnerschaften berichtet haben und dass mehr als ein Viertel kriminell wurden, wobei bei etwa fünf Prozent die kriminelle Laufbahn lebensbestimmend wurde", so Berger. 46 Prozent der Betroffenen gaben an, noch heute an psychischen Folgen wie Angst- und Panikzuständen oder Depressionen zu leiden. (red, derStandard.at, 22.2.2012)

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Hmm, bis in die späten 1990er?

Dann hat der Fiaker doch noch die Verantwortung.
Na ja, eher nicht, der hat schon damals nichts mehr mitbekommen...

Klar hat er die Verantwortung dafür, seid 1994!

wenn doch da hier

schon so viel von psycholgie geredet wird - es gäb' da eine sache die sofort erledigt gehört: nämlich alle heim/fürsorgekinder ihre vorhandenen akten übergeben - denn das ist die geiselhaft ihrer seelen, die da weitergeführt wird. nie wird es eine innere beruhigung der beteiligten geben, wenn das wissen der möglichen weiterführung da ist - und dafür gibt es schon beweise !

Tja.

Da hat der Herr Doktor leider recht.

Allerdings soll er mal vor der eigenen Tür kehren, und zwar in der Kinderstation im Neulogischen KH Rosenhügel.
Die hat der Mann immerhin geleitet, bis 2007.

und warum sagt der mann das erst jetzt????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????

weils jetzt mode ist !

und vor jahren, jahrzehnten ignoriert wurde ! alles nur absicht - und sicher nicht zu gunsten der heimkinder - denn ausser bla-bla passiert jetzt auch nichts - also maximal werden ein paar zeitungen mehr verkauft. wenige - viel zu wenige - wollen die zustände ändern - auch in den altersheimen wirds so zugehen - werden aber durch die böswilligen ignoranten wieder an den start zurückgeschickt und als geldabzocker verleumdet. die bösen haben noch immer die überhand.

aber über "mail an vive"

stellen sich ein paar akteure zusammen :-)

Tja, eigenartig, noch dazu wo Ernst Berger seit Jahrzehnten in die Heim-Problematiken selbst als Experte und Ratgeber involviert war, eine sehr späte Eingebung ?

und all seine kollegInnen - nix gehört, nix geseh'n, nix gewusst???

In Wien gilt das Hierachie-Gesetz und Ernst Berger stand neben Max Friedrich, vorher Walter Spiel an der Spitze und alle "Unterlinge" haben zu kuschen.

und die nachfolgerInnen - alle anders jetzt oder geeicht im zorne des chefs?

Das müssten sie die PsychiaterInnen selber fragen, meine Wahrnehmung dazu ist, dass in den 90er Jahren noch tiefenpsychlogisch psychiatrisch gearbeitet wurde, heute gibts nur mehr Verhaltenstherapie und dadurch fast zur Gänze nur mehr eine medikamentöse Behandlung, aus meiner Sicht ein Rückschritt. Argumentiert wird mit personeller Unterbesetzung.

Wann warst du denn zuletzt dort?

Noch voriges Jahr waren die haarstäubendsten Dummheiten des medizinischen Personals beobachtbar...

Denen gehört endlich das Handwerk gelegt. Leider gibt es nur das Wort "psychisch auffälliger PatientInnen" als Nachweis. :-(

welche "haarsträubenden Dummheiten" sind ihnen denn aufgefallen? Bitte um genauere Erläuterungen...

Ich war letztes Jahr als Begleitperson vor Ort, natürlich habe ich keine innere Sicht der Dinge. Als Sozialpädagoge, der mit Jugendlichen schon jahrzehntelang arbeitet habe ich jedoch viele Erlebnisse, wo Jugendliche, die psychiatrische Hilfe gebraucht hätten, durch die nicht adequaten Rahmenbedingungen keine psychiatrische Hilfestellung erhalten haben, vor allem nach Aggressionschüben mit verstärkter Polizeihilfe wurden postwendend diese Jugendlichen oft genug bei der psychiatrischen Begutachtung (= keine Selbst- und Fremdgefährdung) zurück in die sozialpädagogische Einrichtung gebracht, dort wiederholte sich durch die Aggressionen der Polizeieinsatz, all das gab es auch schon unter Bergers Leitung, trotz Kritik daran, passierte NICHTS !

Das verstehe ich jetzt leider nicht - was hätten sie sich denn als Begleitperson so gewunschen? Eine "tiefenpsychologische Behandlung" des "Aggressionsschubes"? Welche Kritik haben sie geübt, was soll sich verändern? Wieso ist plötzlich die Psychiatrie zuständig, wenn sie im Heim, der WG oder wo sie sonst arbeiten nicht mit ihren KlientenInnen zurecht kommen? Sind dann plötzlich doch wieder Medikamente notwendig?

Ihre Frage zu beantworten übersteigt die postings-Kapatzität. Antworten könnten sie in meinem Buch von vdm-Verlag ISBN-Nr. 978-3-639-14963-0 finden: "Qualität in der stationären Fremdunterbringung (Heimerziehung) Unter Bezugnahme auf welche Aspekte kann Qualität in der Arbeit mit traumatisierten jugendlichen in der Heimerziehung gewährleistet werden?"

100 Seiten für 49 Euro? Ist das jetzt Werbung für ein überteuertes Büchlein? Laut Titel gehts um Heimunterbringung - was hat das mit der Psychiatrie zu tun?

Der Preis ist vom Wissenschaftsverlag vdm vorgegeben, tut mir leid.

Natürlich ist die Jugendwohlfahrt schon längst im Psychiatriebereich, eigentlich leisten wir schon lange keine traditionelle sozialpädagogische Arbeit mehr, sondern sozialpsychiatrische Arbeit. Von uns wird gefordert, dass wir allein im Dienst mit mehreren kinderpsychiatrischen Fällen arbeiten, nicht umsonst lehnen Kinder- und Jugendpsychiatrie unsere Klientinnen immer wieder ab, weil sie zu schwierig für sie sind, aber wir sollen allein im Dienst mit mehreren dieser Fälle arbeiten, schon PARADOX, dass uns zugemutet wird kompetenter als die Kinder- und Jugendpsychiatrie zu sein !!!!!

Ich verstehe sie immer noch nicht: Die Grundkritik, die nicht nur in diesem Artikel sondern generell in der dzt. Heim-Diskussion statt findet, ist doch, dass Kinder aus den Jugendwohlfahrtseinrichtungen wegen Fehlverhaltens zwangspsychiatriert wurden. Wie sie schreiben, lehnt es die aktuelle Kinderpsychiatrie ab Erfüllungsgehilfe für diese Praktiken zu sein und schickt die KlientInnen zurück. Was ist daran denn jetzt wieder falsch? Eine Störung des Sozialverhaltens ist nunmal keine Erkrankung für die Akutpsychiatrie- hier müssen pädagogische Maßnahmen im Wohnumfeldgesetzt werden. Personalnot in der WG ist keine Aufnahmeindikation. Im übrigen können sie auf einer Akutpsychiatrie mMn gar nicht seriös "tiefenpsychologisch" arbeiten.

Irrtum, die Problematik ist eben vielfältig, natürlich gibts genug Fälle, die zuerst familiär, später Psychiatrie und danach in der Jugendwohlfahrt landen, es gibt hier keine einfachen input und output Gegebenheiten, wie ich sie verstehe, oft landen zuerst die Kinder im Krisenzentrum, wenn keine Rückführung passiert bzw. aus kinderpsychiatrischen Gründen eine stationäre Fremdunterbringung notwendig ist, kommen diese Kinder in WGs, etc. Es kann aber auch sein, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie stationäre Fremdunterbringung verlangt ohne vorherige Jugendwohlfahrtsmaßnahme. Sie können davon ausgehen, dass 50% derer, die in stationärer Fremdunterbringung untergebracht sind, schwerst traumatisiert sind.

Als Ergänzung zum Verstehen, es gibt Situationen in den sozialpädagogischen Einrichtungen z.B. Aggressionsschübe, 'WG-Einrichtungszertrümmerung, Gewalteskalitionen, etc. wo sehr wohl eine kurzfristige psychiatrische Unterbringung notwendig ist, meist gibt es hier keine Hilfe und die SozialpädagogInnen müssen mit diesen Problemen allein fertig werden, die Psychiatrie putzt sich ab, dass ist meine Hauptkritik und Berger & Co haben NICHTS unternommen, diese Probelmatiken gibts ja schon lange, nur jetzt immer mehr und nicht mehr unter dem Teppich kehrend. Viele KollegInnen gehen durch die Dauerbelastung ins burnout, etc. Das PING-Pong-Spiel geht zu Lasten der KlientInnen und SozialpädagogInnen, die Politik schweigt.

Verstehen sie jetzt ?

Also so wie ich das verstehe gibt es Fälle wo die Pädagogik nicht mehr weiter weiß, diese Klienten dann zu "psychiatrischen Fällen" definiert und dann erwartet, dass die Psychiatrie einspringt um diese KlientInnen zur Ruhe zu bringen. Einem ihrer Vorposts zu entnehmen vorzugsweise "tiefenpsychologisch" und ohne Medikamente. Das ist mMn keine primäre Aufgabe der Psychiatrie. Wenn es um Sachbeschädigungen oder Gewalt ggü Personal geht sollte das eine Aufgabe der Justiz/Exekutive sein. Ein Erwachsener der seine Frau verprügelt kommt ja auch nicht auf die Psychiatrie

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