Weiter Zittern um Athen

KrisenFrey, 21. Februar 2012, 22:10
  • Artikelbild
    foto: petros giannakouris/ap/dapd

    Eine riesige Flagge vor dem griechischen Parlament.

Erst am 1. März wissen wir, ob Griechenland gerettet ist – wahrscheinlich nicht

Die Nachricht von der Rettung Griechenlands am Dienstagmorgen war wieder einmal verfrüht. Die Euro-Finanzminister haben zwar das neue 130 Milliarden schwere Hilfspaket für Athen freigegeben – aber nur unter der Bedingung, dass die Regierung und das Parlament bis Ende Februar eine ganze Fülle von neuen Sparmaßnahmen umsetzt – und das alles in nur neun Tagen.

Dazu zählen zahllose neue Gesetze, die Liberalisierung ganzer Berufsstände, Vorbereitungen von Privatisierungen und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der Verwaltung wie etwa die Entlassung unfähiger Finanzbeamter.

Wer die mäßigen Erfolge der bisherigen griechischen Reformbemühungen verfolgt hat, weiß, dass sich das nicht ausgehen kann. In neun Tagen kann nicht alles umgesetzt werden, was in den letzten zwei Jahren nicht gelungen ist. Selbst wenn die Regierung es will, wird sie von Protesten auf der Straße und Widerstand mächtiger Interessensgruppen daran gehindert werden.

Vielleicht nimmt es die EU diesmal nicht so genau und gibt am 1. März die Mittel frei, selbst wenn Griechenland wieder einmal die Forderungen und Versprechungen nicht erfüllt. Aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. Dazu ist das Misstrauen zu groß, nicht nur in der Bevölkerung und in den Medien von Staaten wie Deutschland und den Niederlanden, sondern auch unter den Regierenden.

Wahrscheinlicher ist, dass in einer Woche wieder Feuer am Dach ist und das Hilfspaket erneut infrage gestellt wird. Und wenn es sich am 29. Februar abzeichnet, dass Griechenland die Auflagen wieder einmal nicht erfüllt, dann geht das große Zittern wieder los.

Dann könnte Griechenland am 1. März doch noch in den Staatsbankrott geschickt werden. Und dann ist der Austritt aus der Eurozone wohl nur eine Frage von Tagen.

    • 23.5.2012, 16:12
      Eric Frey

      Was wollen die Märkte? [25]

      TitelbildAnleger wissen genauso wenig wie Politiker, wie sich Sparprogramme auf die langfristige Staatsverschuldung auswirken

    • 19.5.2012, 09:47
      Eric Frey

      Ende eines Wunderknaben [246]

      TitelbildDer Facebook-Börsengang war der Höhepunkt eines Hypes, dessen Kollaps auch Mark Zuckerbergs Ruf bedroht

    • 16.5.2012, 08:10
      Eric Frey

      Showdown in Griechenland [19]

      TitelbildBei der Frage des Euro-Austritts stoßen Politik und Ökonomie aufeinander – und die Ökonomie wird siegen

    • 13.5.2012, 08:56
      Eric Frey

      Papandreou hatte recht [311]

      TitelbildDie abgesagte Volksabstimmung zur Sparpolitik hätte Griechenland das Chaos des Wahlergebnisses erspart

    • 8.5.2012, 19:38
      Eric Frey

      Israel - Iran: Komplexe Logik [57]

      TitelbildTeheran würde durch einen israelischen Militärschlag politisch nur gewinnen - solange es keinen Atomtest unternimmt

    • 6.5.2012, 07:30
      Eric Frey

      Die Narren von Kärnten [94]

      TitelbildDass eine Regierungspartei eine Autobahn blockiert, um gegen Weltmarktpreise zu protestieren, ist einzigartig

    • 28.4.2012, 14:23
      Eric Frey

      Nicht nur Nutella täuscht [105]

      TitelbildDie Werbung für ungesunde Lebensmittel gehört streng geregelt – und vielleicht überhaupt verboten

    • 25.4.2012, 15:54
      Eric Frey

      Hoffnung für Österreich [10]

      TitelbildDie friedliche AUA-Einigung zeigt die Stärke des Landes als teurer, aber wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort

LinksSchreiber
02
27.2.2012, 12:51
Reform = Neoliberalisierung, Ab- oder Rückbau aller Errungenschaften der aufgeklärten Moderne.

Mit Säcken Licht in Häuser ohne Fenster zu tragen, ist ein Schildbürger-Streich.

Betoniert alle Löcher und Nischen zu, in denen sich Reste der Vernunft aufzuhalten versuchten, um dann mit Geld-Säcken den Unfug der monetaristischen Erleuchtung in das europäische Haus zu tragen.

Es wäre eine göttliche Komödie, wenn dieses Theater nicht dem Untergang der westlichen Kultur darstellte, auf äußerst konkretistische Weise, die jedem Sinn für Kultur im eigentlichen Sinn entbehrt.

LinksSchreiber
01
27.2.2012, 12:46
Logischer Weise ist Griechenland verloren, nicht mehr zu retten. Das bedeutet aber nicht, dass wir aus deren Untergang den Schluss ziehen könnten, die Guten wären, was der grundlegenden Wert-Vergleichs-Operation in neo-liberalen Demokratien

entspricht. Freier Wettbewerb bedeutet, dass der Sieger besser war als die anderen. Als die anderen impliziert nicht, dass der Sieger gut ist. Der Komparativ besser ist in diesem Fall weniger als die Grundform des Guten. Der Größer-Kleiner-Vergleich gehört in das Register der Quantität. Qualität und qualitative Bewertung setzen im Gegensatz dazu dialektisch-logische Verknüpfungen zwischen Ideen oder Vernunft-Begriffen voraus.

Das Ab-Mobben der anderen führt unter bloß neoliberalen Bedingungen zu Erfolg. Ein Schüler bekommt ein sehr gut, wenn er besser ist als die anderen, egal wie schlecht diese sind.

In qualitativer Hinsicht ist ganz Europa nicht mehr zu retten, weil der dys-regulierte Liberalismus sämtliche Ideen der Vernunft ignoriert

LinksSchreiber
01
27.2.2012, 12:54
Unlesbar geschrieben: gemeint war: "wir" sind nicht wesentlich besser als die Griechen, unter rein neo-liberalen Bedingungen werden alle Staaten fallen.

der burli
00
21.2.2012, 23:45
"umsetzen" oder in gesetze giessen? - hörens auf mit dem blog. danke.

odrr
00
22.2.2012, 07:45

das umsetzen der sparmassnahmen beginnt evtl. mit den neuen gesetzen......

lola1234
00
21.2.2012, 22:36
Ich halte mich lieber an die FAZ

http://bit.ly/zUQAZx

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.