Italien

Tagelanges Warten und Gewalt in Italiens Spitälern

22. Februar 2012, 06:15

Mit versteckter Kamera gefilmte Reportage und unangekündigte Kontrolle zeigen Zustände in Notaufnahme

Ein neuer Krankenhausskandal erregt Italien. Ausgelöst haben ihn schockierende Bilder des TV-Senders La7, die mit versteckter Kamera in römischen Krankenhäusern aufgenommen wurden. Sie zeigen überfüllte Erste-Hilfe-Abteilungen, in denen dutzende Patienten sich selbst überlassen sind. Im Krankenhaus San Camillo wird bei einem am Boden liegenden Mann eine Herzmassage durchgeführt, während auf Bahren und Stühlen dutzende Patienten dicht gedrängt auf ihre Behandlung oder Einlieferung warten. "Ich bin seit zwei Tagen hier, aber niemand hat mich untersucht", klagt ein älterer auf einer Bahre liegender Mann. Verwandte versorgen ihn mit Mineralwasser und Essen.

Von Mäusen und Patienten

Die Reportage war nicht der einzige Spitalsaufreger der Woche: Zwei im Senat vertretene Ärzte statteten der Erste-Hilfe-Abteilung des Polyklinikums Umberto I einen unangemeldeten Besuch ab. Dabei stießen sie auf "haarsträubende Zustände": Eine 53-jährige Patientin mit Schädeltrauma sei im Koma auf einer Bahre gelegen, auf der man sie mit Leintüchern festgebunden habe. Sie habe sich seit vier Tagen dort befunden, erklärte der bekannte Chirurg Ignazio Marino, Präsident des parlamentarischen Gesundheitsausschusses. Der Aufnahmeraum sei hoffnungslos überfüllt, die Wartezeiten häufig länger als einen Tag. Gesundheitsminister Renato Balduzzi hat nun Inspektoren in die größte Universitätsklinik Europas entsandt. Das Polyklinikum hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrmals wegen mangelhafter hygienischer Bedingungen für Schlagzeilen gesorgt. In einem Operationssaal war eine tote Maus entdeckt worden.

Personalmangel verantwortlich

Der Corriere della Sera beschreibt die Megaklinik als "Ort, an dem sich exzellente Mediziner und byzantinische Zustände ein Stelldichein geben". Der Leiter der Ersten Hilfe bestreitet, dass sich die erwähnte Patientin im Koma befunden habe. Man habe sie versorgt, aber es sei über mehrere Tage kein Bett verfügbar gewesen. Die Ärzte machen akuten Personalmangel und den Bettenabbau für sie Zustände verantwortlich. Allein in der Region Latium wurden in den vergangenen zehn Jahren 6000 Betten wegrationalisiert und zahlreiche kleinere Krankenhäuser geschlossen. Italienweit wurden aus Kostengründen 45.000 Betten abgebaut. In Rom und zahlreichen Städten Süditaliens müssen Ambulanzen vor Spitälern oft viele Stunden auf die Rückerstattung ihrer Bahre warten, weil dort keine Liegen verfügbar sind. (Gerhard Murmelter aus Rom, Der Standard Print-Ausgabe, 22.02.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
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andreas lamers
 
00
22.2.2012, 16:58
gute frage

ist die maus vor, nach oder bei der operation gestorben?
war es ein aerztefehler oder hoehere gewalt? und wieviele verwandte hatte sie mitgebracht?

Trollscore
00
22.2.2012, 16:56

Betten endlich abbauen!!!
Ärztestellen endlich abbauen!!!
Jungärzte endlich noch weniger ausbilden!!!

Österreich muss Italien werden!!!

Flaschenpost
00
22.2.2012, 14:12
Wir müssen sparen!

werauchimmer1
 
01
22.2.2012, 13:55
irgendwie scheint

die währungsunion nach einer boomphase die alten klischeebehafteten zustände in den europäischen ländern wiederzubringen.
mangelnde konkurrenzfähigkeit und produktivität, schlendrian und chaotische zustände im süden, wirtschaftswachstum und zumindest genug geld ums herborgen zu können im norden bei fast vollbeschäftigung...
kann es sein, dass die währungsunion anstatt wie gewünscht ungleichheiten auszubügeln sie stattdessen verschärft?

evidenzbasierer
00
22.2.2012, 22:55
na das war

in Italien immer schon so, es ist nicht an allem die EU schuld. Im Gegenteil gibt die wenigstens Mindeststandards vor, ohne EU-Mitgliedschaft wär´s noch schlimmer...

In vielen Bereichen ist Italien immer noch ein Dritteweltland...

werauchimmer1
 
00
23.2.2012, 10:35
hm

haben sie sicher recht.
mein posting war - diesmal - gar nicht eu-kritisch gemeint. nur als gedankengang zu möglichen auswirkungen der währungsunion.

Poldi Fesch
00
22.2.2012, 14:46
in den

it. Spitaelern hat sich nichts geaendert. Die haben 2 - 3 Spitzenkliniken, vor dem Rest muszt du dich fuerchten

Herr und Frau Österreicher
 
00
22.2.2012, 13:33

Was sind "byzantinische Zustände"?

Rosa Stahl
00
22.2.2012, 17:46

bakschisch.

Pyrrhon von Elis
01
22.2.2012, 13:47

Da dürfte wohl Korruption bei gleichzeitiger Überbürokratisierung gemeint sein.

Poldi Fesch
00
22.2.2012, 14:46
:) ja

ist in Italien ein gelaeufiger Begriff

Whateverman
01
22.2.2012, 12:42

das ist ja alles schlimm aber wo war da die gewalt?

Pyrrhon von Elis
00
22.2.2012, 13:03

Ich mutmaße, dass es sich hierbei um die festgebundene Komapatientin handelt.

Alles was die Welt nie wissen wollte
23
22.2.2012, 11:43
AKH 2020

WilWil
317
22.2.2012, 10:06
solche berichte bringen uns schmerzhaft in erinnerung, wie gut es noch um unser sozialwesen bestellt ist.

wir regen uns ganz gerne über die hiesigen zustände auf, ich inklusive, erst gestern hab ich die zwei klassen medizin angeprangert, übersehen dabei aber gerne, dass wir eigentlich auf einer insel der seligen leben.

wir wurden in ein tolles land in einer verdammt guten zeit geboren. ich behaupte mal, es gab kaum eine generation, seit sich der mensch aus dem staub erhoben hat, der es so gut ging wie es uns geht.

wer hier in österreich geboren wird, hat mir dem ersten atemzug seinen ersten lotto gewinn eingefahren.

Totaler Durchblicksstrudel
01
22.2.2012, 13:43

Siehs besser so: wenn es investigative Fernsehsender auch in Österreich gäbe, wäre vieles hierzulande aufzudecken - besonders auf den psychiatrischen und geriatristischen Stationen!

So hat man den ORF fest in politischer Hand - und die Zeitungen über Presseförderungen gekauft - und kann damit den Bürger das Bild geben, auf einer Insel der Seeligen zu leben.

Fehlende Öffentlichkeit hat den Österreichern auch immer das Bild einer Nation mit großartigem Schulsystem gegeben: bis dann die Ergebnisse der ersten PISA-Studie bekannt wurden. Wir Österreich lügen uns halt gerne in die eigenen Tasche.

Poldi Fesch
01
22.2.2012, 14:49
naja

beides probiert, kein Vergleich. Die Leopoldine wurde im AKH operiert, ihre Erzaehlungen hat ihr hier, im NORDEN, schon keiner geglaubt. Was, die Nachtschwester kommt, ohne Schmattes ? Zur verdeutlichung, hier ist es ueblich, dasz du dir eine Privatschwester ins oeffentl. Spital mitbringst

Er staunt
00
22.2.2012, 13:15

Nein, man lebt in Österreich nicht auf einer Insel der Seligen, die Servicelevels sind nur meist besser, weil man dort halt auch deutlich mehr dafür ausgibt als anderswo. In Österreich zahlt man z.B. sehr hohe SV-Beiträge, die zur Finanzierungs des Gesundheitswesens verwendet werden (und wer nicht versichert ist hat halt Pech gehabt), während das Gesundheitssystem in Italien rein steuerfinanziert ist, aber allen Bürgern ohne Ausnahme offensteht. Wenn man wie in Österreich fast das doppelte pro Person fürs Gesundheitssystem ausgibt, ist es naheliegend, daß dann auch das Ergebnis besser aussieht. Man kann vieles berechtigt kritisieren (und manches ist tatsächlich skandalös), aber die Basisversorgung ist hier in Italien durchaus in Ordnung.

Poldi Fesch
01
22.2.2012, 14:50
??????????

bitte wo lebst du ?
San Remo, eine "depperte" Darmspiegelung, entwder in 3 monaten o. heute nachmittag mit bustarella. Gleiches Zimmer, gleicher Arzt

Er staunt
00
22.2.2012, 22:56

Rom, Zentrum. Zumindest praktische Ärzte gibts hier anscheinend wie Sand in Ostia, die freuen sich auch durchaus noch über Kundschaft und die Wartezeiten sind um einiges kürzer als in Wien. Wenn mir was weh tut, müßte ich noch nicht mal das Haus verlassen, die nächste Ordination ist im Erdgeschoß, noch bevor ich überhaupt zur Haustür komm, und mehr als eine Viertelstunde wartet da normalerweise auch keiner. Und ja, daß die Krankenhäuser hier weniger Komfort bieten als anderswo ist bekannt, aber zum Spaß geht man dort ohnehin nicht rein, und in wirklichen Notfällen erfüllen sie ihren Zweck meist ganz gut. Klar gibts auch hier etliche Probleme, aber angesichts der ziemlich schwachen Finanzierung ist das System trotzdem erstaunlich effektiv.

Poldi Fesch
00
22.2.2012, 23:22
ja, i medici di base

funktionieren. Eine neapolitanische Exleopodine macht das, die macht sogar Hausbesuche am Nachmittag. Bei den Spitaelern waere ich vorsichtiger. ein Routinegyneingriff, den die Leopoldine con forza im AKH wollte, San remo, 3 Eingriffe, 2 Tote

Mann40
00
22.2.2012, 12:37

@wil...

was Spitäler betrifft ja

dennoch leben mittlerweile 1 Million Österreicher unter der Armutsgrenze...

AlBundyFan
 
03
22.2.2012, 11:14
genau so ist es

aber fast niemand mehr weiß das zu würdigen wie man auch hier in den posting immer wieder erfährt.....da wird so getan, als ob österreich die schande der welt wäre und es kein schlimmeres land geben würde als unseres um zu leben.

Mathias Steinlaus
 
05
22.2.2012, 10:33
stimmt...

.. aber die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat es gezeigt, daß sowas in kürzester Zeit wieder ganz anders sein kann ...

Johannes Benn
00
22.2.2012, 15:39
.

demographisch ist der zustand leider auch nicht stabil. einmalig aber wahrscheinlich nicht langlebig

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