Der Himmel am Boden

21. Februar 2012, 19:04
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Serie auf Sevus TV: Schwerpunkt des dieswöchigen Feuchttraums war das Chaos am Himmel

Am Untergang der Welt wird unermüdlich gearbeitet. Warum darüber nicht Dokumentationen drehen, die wirken, als hätten sensible Regisseure wie Roland Emmerich (Godzilla, The Day After Tomorrow ...) dahinter die Fäden gezogen? Die Ergebnisse eines derartigen Unterfangens lassen sich zurzeit auf Servus TV nachsehen. In der wöchentlichen Serie "Zukunft ohne Menschen" reihte diese am Montagabend wieder eine willkürliche Themenkette auf und strickte daraus eine reißerische postapokalyptische Fantasie.

Schwerpunkt des dieswöchigen Feuchttraums war das Chaos am Himmel, mit dem sich der Planet nach dem Ende der Menschheit angeblich herumzuschlagen hätte. Da fielen Sätze wie dieser: "14 Tage nach dem Menschen - die Flughäfen sind menschenleer." Welches Chaos genau gemeint war, blieb bis zum Ende im Dunkeln, aber wer will denn so kleinlich sein. Wenn die Latte so hoch liegt, beginnt der Himmel knapp über dem Boden. Also widmete man sich dem ergreifenden Schicksal der Air Force One, dem Düsinger des US-Präsidenten, ebenso wie einer weisgesagten Renaissance der Felsengebirgsschrecke, die bis ins 20. Jahrhundert hinein für diverse Heuschreckenplagen in den USA verantwortlich war.

Alle diese Beispiele wurden von einer martialischen Stimme aus dem OFF dramatisch aufgesext - als gelte es, ein Publikum zu erreichen, das man erst vom Blutbad an der XBox weglocken muss. Das Chaos am Himmel wird jedenfalls nicht einmal vor Kulturtempeln haltmachen. Charles Lindbergs Spirit of St. Louis soll 50 Jahre nach dem Menschen von der Decke eines Museums plumpsen. Welch schrecklicher Gedanke. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 22.2.2012)

  • "Zukunft ohne Menschen" auf Servus TV.
    foto: servus tv/aetn

    "Zukunft ohne Menschen" auf Servus TV.

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