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Die Wiener Rettung rückte mit dem gesamten Katastrophenzug aus.
vergrößern 500x241Wien - In einer Großkühlanlage eines Kühlhauses in der Baumgasse 80 neben dem Veranstaltungsgelände Arena sind am Dienstagnachmittag offenbar erhebliche Mengen Ammoniak ausgetreten, teilte die Feuerwehr mit. Ursprünglich war von Ammonium die Rede gewesen. Gegen 21.00 Uhr konnte die Feuerwehr Entwarnung geben, unmittelbare Gefahr bestand keine mehr. Anrainer wurden aufgefordert, ihre Fenster auch in der Nacht geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben.
Insgesamt 80 Feuerwehrleute und Chemiker standen im Einsatz. Der Grund für den Austritt war noch Gegenstand der Erhebungen. Mehr als 39 Personen wurden nach Angaben der Wiener Rettung leicht verletzt, 29 mussten zur Überwachung die Nacht in Spitälern verbringen. Die Zahl könnte noch steigen. Anrainer hatten über Augenschmerzen und Atemprobleme geklagt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.
Leck konnte geschlossen werden
Das Leck in der Großkühlanlage wurde von Experten der Feuerwehr geschlossen, sodass kein Gas mehr ausströmen konnte. Ein Chemiker der Feuerwehr hatte zuvor an Ort und Stelle die Gefahr eingeschätzt.
Der mögliche Gefahrenbereich war am Dienstagabend großräumig abgesperrt worden. Der Sperrradius betrug über einen Kilometer. Größere Staus blieben laut ÖAMTC aber aus. Jener Bereich, in dem es gefährlich hätte werden können, war vorsichtshalber evakuiert worden.
U3 wieder in Betrieb
Der Betrieb der U-Bahn-Linie U3, die am Abend zwischen Simmering und Kardinal-Nagl-Platz teilgesperrt war, wurde gegen 22.00 Uhr nach dem Ende eines Konzerts im Gasometer und der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx wieder aufgenommen.
Geruch statt Gefahr
"Außerhalb des Einsatzortes ist keine Gefährdung gegeben, jedoch muss mit Geruchsbelästigung gerechnet werden", teilte die Feuerwehr in den späten Abendstunden mit. "Das Gas ist viel geruchsintensiver als gefährlich, man riecht es weit, bevor Gefahr im Verzug ist", informierte Branddirektor Gerald Hillinger auf Radio Wien. Größere Unternehmen wurden gebeten, ihre Lüftungsanlagen auszuschalten.
Die Bevölkerung wurde während des Einsatzes im und um den gesperrten Bereich per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, sich von der Straße in geschlossene Räume zu begeben. An den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel hatten sich Menschentrauben gebildet, Taxis waren äußerst schwierig zu bekommen. Unter den Passanten befanden sich auch viele, die das Konzert der Band Eisbrecher in der Arena besuchen wollten, das wegen des Unfalls abgesagt werden musste.
Straßen- und U-Bahn-Sperren
Rund um den Einsatzort waren die Straßen im Umkreis von einem Kilometer gesperrt. Ebenso waren die Baumgasse ab der Schlachthausgasse, die Erdbergstraße ab Schlachthausgasse, die Auf- und Abfahrt St. Marx von der Tangente sowie die Litfaßstraße ab Rennweg/Simmeringer Hauptstraße und der Franzosengraben ab Erdbergstraße für den Verkehr geschlossen. (APA/isa)
Wissen: Ammoniak
Bei Ammoniak handelt es sich um ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Wenn Menschen NH3 einatmen, kommt es zu Reizungen der Atemwegen, in höherer Konzentration kann es zu Verätzungen, Erstickungsanfällen und Lungenödemen kommen. In der Natur entsteht das Gas laut ammoniak.org nur in kleineren Mengen durch Zerfallsprozesse in Laub oder Tierkot. Ammoniak ist allerdings eine der meistproduzierten Chemikalien der Welt.
Der große Vorteil von Ammoniak liege darin, dass man es als fckw-freies Kühlmittel einsetzen kann. Es wird etwa in Kühltheken großer Supermarktketten und Eislaufhallen und -plätzen verwendet und ist aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften herkömmlichen Kühlmitteln überlegen. Gewonnen wird es, indem Stickstoff und Wasserstoff unter hohem Druck und bei einer Temperatur von 600 Grad Celsius zu NH3 umgesetzt werden. Das Gas verflüssigt sich bei einem Druck von etwa acht bis neun Bar bei 20 Grad Celsius.
Beim Umgang mit der Chemikalie sind die Benutzung von Atemschutz und Schutzbrille äußerst wichtig. Wird sie eingeatmet, reagiert sie aufgrund der Feuchtigkeit ätzend auf die Schleimhäute und die Augen. Im schlimmsten Fall kann das bis zum Atemstillstand führen. (APA)
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