Großeinsatz nach Chemieunfall in Kühlhaus

22. Februar 2012, 07:54
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  • Die Wiener Rettung rückte mit dem gesamten Katastrophenzug aus.
    apa-foto: philipp schalber

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Ammoniak war aus Kühlhaus in der Baumgasse ausgetreten - Gefahr gebannt, U3 in Betrieb

Wien - In einer Großkühlanlage eines Kühlhauses in der Baumgasse 80 neben dem Veranstaltungsgelände Arena sind am Dienstagnachmittag offenbar erhebliche Mengen Ammoniak ausgetreten, teilte die Feuerwehr mit. Ursprünglich war von Ammonium die Rede gewesen. Gegen 21.00 Uhr konnte die Feuerwehr Entwarnung geben, unmittelbare Gefahr bestand keine mehr. Anrainer wurden aufgefordert, ihre Fenster auch in der Nacht geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben.

Insgesamt 80 Feuerwehrleute und Chemiker standen im Einsatz. Der Grund für den Austritt war noch Gegenstand der Erhebungen. Mehr als 39 Personen wurden nach Angaben der Wiener Rettung leicht verletzt, 29 mussten zur Überwachung die Nacht in Spitälern verbringen. Die Zahl könnte noch steigen. Anrainer hatten über Augenschmerzen und Atemprobleme geklagt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Leck konnte geschlossen werden

Das Leck in der Großkühlanlage wurde von Experten der Feuerwehr geschlossen, sodass kein Gas mehr ausströmen konnte. Ein Chemiker der Feuerwehr hatte zuvor an Ort und Stelle die Gefahr eingeschätzt.

Der mögliche Gefahrenbereich war am Dienstagabend großräumig abgesperrt worden. Der Sperrradius betrug über einen Kilometer. Größere Staus blieben laut ÖAMTC aber aus. Jener Bereich, in dem es gefährlich hätte werden können, war vorsichtshalber evakuiert worden.

U3 wieder in Betrieb

Der Betrieb der U-Bahn-Linie U3, die am Abend zwischen Simmering und Kardinal-Nagl-Platz teilgesperrt war, wurde gegen 22.00 Uhr nach dem Ende eines Konzerts im Gasometer und der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx wieder aufgenommen.

Geruch statt Gefahr

"Außerhalb des Einsatzortes ist keine Gefährdung gegeben, jedoch muss mit Geruchsbelästigung gerechnet werden", teilte die Feuerwehr in den späten Abendstunden mit. "Das Gas ist viel geruchsintensiver als gefährlich, man riecht es weit, bevor Gefahr im Verzug ist", informierte Branddirektor Gerald Hillinger auf Radio Wien. Größere Unternehmen wurden gebeten, ihre Lüftungsanlagen auszuschalten. 

Die Bevölkerung wurde während des Einsatzes im und um den gesperrten Bereich per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, sich von der Straße in geschlossene Räume zu begeben. An den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel hatten sich Menschentrauben gebildet, Taxis waren äußerst schwierig zu bekommen. Unter den Passanten befanden sich auch viele, die das Konzert der Band Eisbrecher in der Arena besuchen wollten, das wegen des Unfalls abgesagt werden musste.

Straßen- und U-Bahn-Sperren

Rund um den Einsatzort waren die Straßen im Umkreis von einem Kilometer gesperrt. Ebenso waren die Baumgasse ab der Schlachthausgasse, die Erdbergstraße ab Schlachthausgasse, die Auf- und Abfahrt St. Marx von der Tangente sowie die Litfaßstraße ab Rennweg/Simmeringer Hauptstraße und der Franzosengraben ab Erdbergstraße für den Verkehr geschlossen. (APA/isa)

Wissen: Ammoniak

Bei Ammoniak handelt es sich um ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Wenn Menschen NH3 einatmen, kommt es zu Reizungen der Atemwegen, in höherer Konzentration kann es zu Verätzungen, Erstickungsanfällen und Lungenödemen kommen. In der Natur entsteht das Gas laut ammoniak.org nur in kleineren Mengen durch Zerfallsprozesse in Laub oder Tierkot. Ammoniak ist allerdings eine der meistproduzierten Chemikalien der Welt.

Der große Vorteil von Ammoniak liege darin, dass man es als fckw-freies Kühlmittel einsetzen kann. Es wird etwa in Kühltheken großer Supermarktketten und Eislaufhallen und -plätzen verwendet und ist aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften herkömmlichen Kühlmitteln überlegen. Gewonnen wird es, indem Stickstoff und Wasserstoff unter hohem Druck und bei einer Temperatur von 600 Grad Celsius zu NH3 umgesetzt werden. Das Gas verflüssigt sich bei einem Druck von etwa acht bis neun Bar bei 20 Grad Celsius.

Beim Umgang mit der Chemikalie sind die Benutzung von Atemschutz und Schutzbrille äußerst wichtig. Wird sie eingeatmet, reagiert sie aufgrund der Feuchtigkeit ätzend auf die Schleimhäute und die Augen. Im schlimmsten Fall kann das bis zum Atemstillstand führen. (APA)

Link

www.ammoniak.org

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also hat das konzert im gasometer doch stattgefunden. leiwand! 80 euro für nichts.

80€ fürs Gasometer? Schwer zu glauben ... wer hat dort gespielt bitte?

80 euro für 3 tickets.

für alle, die nicht wissen wie ammoniak riecht:

ein 10 Tage altes Katzenklo (mit entsprechender Benutzung von einer Katze) kommt am ehesten hin.

Überreifer Weichkäse, ...

... etwa Camembert, Brie o.ä. tuts auch.

Schlierbacher: hammermäßig.

ui ja, das is auch brutal... generell gilt dann auch Rauchverbot..

und ich dachte..

..schon es gilt die unschuldsvermutung.

sehr guter vergleich, denn in so einem katzenklo stinkts genau wegen dem ammoniak so furchtbar.

Ähm... okay, sorry wenns jetzt direkt wird - das Ammoniak ist im Urin, das Gaxi stinkt nach Schwefel, wenn mich mein partielles Wissen und meine Nase nicht täuschen.

Stimmt?

Genau genommen enthält der Urin Harnstoff, der dann von Bakterien langsam zu NH3 angebaut wird

Deswegen ist für die volle Geruchsentfaltung auch die "Reifezeit" nötig. In den Feststoffen sind auch noch organische Verbindungen wie Skatol und Indol. Das sind selbst Amine (aus der Aminosäure Tryptophan) also von NH3 abgeleitete Verbindungen.

jo, das stimmt. aber wo ist jetzt das problem?

Nirgends, ich wollt nur wissen ob ich das richtig in evaluiert hab.

hammse, hammse!

"Wissen Ammoniak"

Man hätte hier auf das Haber-Bosch Verfahren hinweisen können (müssen, wenn schon eine Erklärung geschrieben wird), das die Ernährungsgrundlage unserer heutigen Welt bedeutet. Das Fixieren von Stickstoff (so der Fachterminus, also das Überführen des chemisch trägen Gases in reaktive(re) Verbindungen) ist mitunter eine der schwierigsten und zugleich wichtigsten Techniken, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Von Düngemitteln bis hin zu Sprengstoffen ist Haber-Bosch elementar.

Übrigens ist der Nobelpreis an Fritz Haber, wenn auch fachlich gerechtfertigt, besonders umstritten, da er ein Verfechter des Einsatzes von Giftgas war und damit wesentlich zum Leid und Elend im 1. WK beigetragen hat.

Das Haber Bosch Verfahren

ist elementar zur Herstellung von Ammoniak ... und sonst nix.
Ammoniak selbst ist nicht sehr reaktionsfreudig, sondern geht nur sehr leicht vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand. Ich denke mal Sie kennen das Putzmittel CIF (mit Ammoniak) ?
Ammoniak wird in der Industrie als Kühlmittel eingesetzt, daher auch (oh Wunder) in einer Kühlhalle... und warum ? Genau: Weil eben nicht so reaktionsfreudig und umweltgefährlich wie z.B. FCKWs. Leider ist Ammoniak halt leider nicht das Beste für die Schleimhäute (speziell in der Nase). Sonst keine Riesen Sache ... Das bringt mich darauf zurück: Was wollen Sie mit Ihrem Post aussagen ???

Es wird unter dem Artikel darauf eingegangen, wie Ammoniak hergestellt wird. Explizit, es werden sogar Reaktionsbedingungen genannt!

Das Verfahren heißt nun mal Haber-Bosch-Verfahren, man hätte es nennen müssen. Das wollte ich aussagen. Noch dazu ist es einer wichtigsten Prozesse in der chemischen Industrie.

Und dass, entgegen Ihrer Behauptungen (die allesamt jenseitig und unrichtig sind), eben jener Stickstoff elementar für die Ernährung der Weltbevölkerung ist. Lediglich als Zusatzinformation, weil ich noch Zeichen freihatte, quasi.

ammoniak ist ein beliebtes kältemittel

nicht wegen seiner höheren reaktionsträgheit als f(c)kw, sondern wegen seiner höheren verdampfungswärme und geringeren umweltschädigung

FCKW sind überhaupt nicht reaktionsfreudig!

Noch viel weniger als NH3, darum wurden Sie ja so gerne benutzt. Das mit dem UV und dem Ozon hat man ja damals noch nicht gewußt.

na reaktionsfreudig

bedeutet allerdings auch, dass diese bei UV Strahlung zerfallen ... und daher doch auch eine gewisse Reaktionsfreudigkeit haben ...

Na ja.

Deshalb sind sie ja noch lange nicht per se reaktionsfreudig. Ohne UV würden ja erst gar nicht die Radikale entstehen, die mit dem Ozon reagieren. Wegen ihrer Trägheit können sie ja so lange in der Atmosphäre verweilen und in höher Schichten aufsteigen.

Was haben alle gegen den Hinweis auf Haber-Bosch?

Unter dem Artikel wird explizit die Herstellung ("Gewinnung") von Ammoniak beschrieben, und da gehört es sich, auf einen der bedeutendsten Herstellungsprozesse der industrialisierten Welt zu verweisen.

wird es doch,

wenn die synthese erklärt wird

gehts ihnen ums namedropping?

Kühlmittel in Großkühltheken

Ich tippe mal auf die Firma Linde Gas.

vollkommen falsch. die ist ein paar kilometer weiter südlich. dort, wo das passiert sind, sind viele fleischverarbeitende betriebe.

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