"Kleine Zeitung" lugt nach Wien

21. Februar 2012, 18:34
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Styria-Chef schließt eigene Ausgabe aus, aber nur für 2012 - Mehr als 100.000 "Exil"-Steirer und -Kärntner in der Hauptstadt

Graz/Wien - Die "Kleine Zeitung" ist schon als Regionalzeitung für Steiermark und Kärnten Österreichs Nummer drei der meistgelesenen Tageszeitungen. Nun kursieren in der Zentrale ihres Grazer Mutterkonzerns Styria Media Group Überlegungen für einen dritten Markt: den - mit Zeitungen eher dicht besetzten - Großraum Wien. Bei mehr als 100.000 "Exil"-Steirern und -Kärntnern in der Hauptstadt hofft man offenbar auf ein paar Tausend Abos mehr.

Als Hintergrund werden an der Mur erstmals seit Steirergedenken rückläufige Abonnements und Anzeigeneinnahmen des Kleinformats kolportiert, in der Steiermark wie in Kärnten. Insider sprechen vom "ziemlichen Schock" für den erfolgsgewohnten Verlag. Die Kleine ist immerhin der wirtschaftliche Motor der Styria und ihrer Expansion etwa nach Kroatien und Slowenien, andererseits nach Wien mit den Zukäufen von Presse, Wirtschaftsblatt und der Magazingruppe um Wienerin, Diva, Wiener und Sportmagazin.

Die "Kleine" schaffte etwa 2010 ein operatives Ergebnis von 21,3 Millionen Euro. Der Gesamtkonzern Styria wies in dem Jahr knapp 9,5 Millionen aus. 2011 soll auch das Konzernergebnis wieder mehr als 20 Millionen betragen.

Bretschko: Abozahl stabil

Wolfgang Bretschko, im Konzernvorstand für die "Kleine Zeitung" zuständig, verneint Abo- und Anzeigenrückgänge auf STANDARD- Anfrage - für das Jahr 2011. Bei den Anzeigen habe das Vorjahr ein "leichtes Plus" gebracht. Die Abozahlen blieben geplantermaßen auf einem wirtschaftlich "vernünftigen" Maß stabil, sagt er. So habe man das auch 2012 vor.

Bretschko wirkt auf die Frage nach einer Wien-Ausgabe nicht überrascht: "Kann ich für 2012 ausschließen." Und 2013? "Was weiß ich, was 2013, 2014, 2015 ist? In unserer aktuellen Planung für 2012 ist das nicht."

Die Übersiedelung von Vizechefredakteur Thomas Götz wird als weiteres Indiz für Wien-Pläne gehandelt. Die Außenpolitik leitet Stefan Winkler, dessen Brüssel-Korrespondenz übernimmt Innenpolitiker Johannes Kübeck. (Harald Fidler, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

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    Wolfgang Bretschko.

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