ISTA-Milliarde

"Das ist schon eine ziemliche Asymmetrie"

21. Februar 2012, 18:07
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    foto: apa/artinger

    Präsident des Wissenschaftsrates: Jürgen Mittelstraß.

Ista-Milliarde: Wissenschaftsratspräsident fordert angemessene Uni-Finanzierung

Wien - Wien-Brüssel-Wien ist derzeit die häufigste Reiseroute für Maria Fekter (ÖVP). Wien-Klosterneuburg-Wien scheint da eine nicht unwillkommene Abwechslung. Denn die Finanzministerin höchstselbst wird heute, Mittwoch, diese Route antreten, um am Campus des Institute of Science and Technology Austria (Ista) dem 2006 gegründeten Grundlagenforschungsinstitut, wie vom STANDARD berichtet, eine kolportierte Milliarde Euro für die Jahre 2017 bis 2026 zuzusichern.

Fekter, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) werden verkünden, wie viel Geld Bund und Land Niederösterreich dem Ista geben wollen.

Schon im Vorfeld hat die ungewöhnlich langfristige Förderzusage bei Unis und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) für Unmut gesorgt. Die ÖAW, die wie die Unis nur eine Leistungsvereinbarung über drei Jahre erhält, protestierte gegen eine "ungerechtfertigte Bevorzugung des Ista".

Dazu sagte Jürgen Mittelstraß, Präsident des Wissenschaftsrates und Direktor des Konstanzer Wissenschaftsforums, im Gespräch mit dem Standard: "In einer Situation, in der sonst alles - Unis und ÖAW, Lehre und Forschung - ausreichend finanziert wäre, gäbe es keinen Grund für Aufregung. Dann wäre das ertragbar." Aber eine "Bestandsgarantie auf höchstem Niveau" für das Ista "angesichts der Unterdotierung der Unis und erheblicher Sparzwänge der ÖAW samt Institutsschließungen sieht natürlich nicht gut aus. Wir finanzieren eine außeruniversitäre Forschungseinheit mit einer Milliarde für zehn Jahre, was mehr oder weniger dem Gesamtetat der Akademie der Wissenschaften oder einer mittelgroßen Uni entspricht, das ist schon eine ziemliche Asymmetrie", sagt Mittelstraß.

Der Wissenschaftsrat, "das zentrale Beratungsgremium" des Wissenschaftsministers, wurde übrigens mit der Ista-Milliarde nicht befasst. Mittelstraß urgiert erneut eine "angemessene Finanzierung der Unis und der ÖAW".

Das Argument der Planungssicherheit für ein im Aufbau befindliches Institut, das in die Exzellenz-Liga wolle, sei nachvollziehbar. Scharfe Kritik übt Mittelstraß aber an der ersten (alle vier Jahre verpflichtenden) Evaluierung des Ista. Da sei "nicht der normale Weg" gegangen worden, weil die Gutachter nicht unabhängig, sondern vom Ista-Kuratorium auf Vorschlag des wissenschaftlichen Rates des Ista selbst ausgesucht wurden. Mittelstraß: "Das darf so nicht noch mal passieren."
(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

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20 Postings
Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
24.2.2012, 22:15

Ich weiß schon, was dahinter steht, die Regierung findet, dass in der ÖAW und auf den Uni so manches im Argen liegt.

Ganz unrecht haben sie zwar nicht, aber statt das anzusprechen, und darüber zu reden, nur als späte Rache wegen des eigenen Studiums an den Budgets rumzudoktoren ist nicht gut. Das ist wie dem Kind, dass man das Taschengeld streicht, ohne zu sagen warum, pädagogisch absolut sinnlos ist.

Und es leiden ja nicht die Verbocker, sondern eben die Studies und die jungen MitarbeiterInnen, die eine wissenschaftliche Karriere andenken.

Informatiker
 
30
21.2.2012, 20:48
Das Geld kommt nach der Zusammenführung ALLEN Universitären Einrichtungen in Niederösterreich zugute.

Und sogar einen Namen gibt es schon : "Universität Niederösterreich". Und im Gegensatz zu Universitäten in Innenstädten gibt es am Land meist kein Platzproblem für Bauten.

Medicus58
02
22.2.2012, 11:57
und wer wird der zusammengeführten Uni vorstehen? DR H.C. STRACHE

oder doch noch der Pröll?

Informatiker
 
10
22.2.2012, 12:30
Die Leitungsorgane einer Universität sind der Beirat und das Rektorat.

Medicus58
01
22.2.2012, 17:44
na dann macht er halt beides

Sie haben natürlich Recht, mein Beitrag war eigentlich nicht so ernst gemeint ..., wie mir die ganze Sache nur mehr als paradox vorkommt

Informatiker
 
01
23.2.2012, 02:54
Erwin Pröll hat in etwa einem Jahr Landtagswahl

Als Vorbereitung für "Universitäten statt Donaubrücken" hat Pröll 2011 zum "Jahr der Bildung" ausgerufen, vergisst dies aber bei seinem Jahresrückblick auf seinem Haussender. Jetzt entsteht aber gerade das Wahlprogramm der NÖ-ÖVP für die Landtagswahl 2013 - voila !

pinky
03
22.2.2012, 10:18
Zusammenführung mit wem?

Mit der Donau-Uni Krems?

Ich würd ja jetzt herzhaft lachen, wenn ich nicht wüsste, dass das in Niederösterreich gar nicht so abwegig ist.

Informatiker
 
01
22.2.2012, 12:31
Die Universität Niederöstererreich wird das ERGEBNIS der Zusammenführung sein.

wizenstain
02
21.2.2012, 21:01

statt Uni Wien - Uni Nö?

handelt es sich hier um konkurrierungen und
verdrängungen?

Informatiker
 
30
21.2.2012, 21:07
NEIN - sowohl als auch !

Aber, wenn Sie wollen : Konkurrenz belebt das "Geschäft".

rr772
01
22.2.2012, 11:35
Oder auch:

In diesem Land geht nichts ohne Landesfürst Erwin dem Ersten.
Kombinierte Land+Gemeindenprokopfverschuldung: da ist NÖ den Kärntnern schon dich auf den Fersen.
Im konkreten Fall werden hier anscheinend Bundesgelder anderen weggenommen, also ideal für Erwin...

Informatiker
 
50
22.2.2012, 12:27
Was, bitte sehr, sind "Bundesgelder" ?

ALLE Gelder gehören doch weder Bundesbürgern, Landesbürgern, Bezirksbürgern oder Gemeindebürgern - sondern den Menschen des Staates !

rr772
01
23.2.2012, 18:15
Wenn es um Budgets, gibt

es eben diese Zuteilungen. Und für ein NÖ-getriebenes Projekt werden hier halt überproportional "allgemeine" Gelder verwendet und zugesagt in einer Grössenordnung, die anderen fehlen. Sehr bequem für Erwin...

Informatiker
 
00
23.2.2012, 19:24
Pardon, welche Kostenbeteiligung haben andere Bundesländer an Universitäten auf ihrem Territorium ?

Und was bedeutet "NÖ-getrieben" ?

rr772
01
25.2.2012, 13:05
Es geht nicht um Beteiligung

der Bundesländer, sondern WO WELCHE Projekte durch Bundesgelder ermöglicht werden, das ist ein ganz kleiner sprachlicher Unterschied.
Damals kam der drittgereihte Standort zum Zug und nun wird doch überproportional hier eine Zusage gemacht, die der Minister eigentlich gar nicht machen kann, er kann doch nicht seinen Nachfolgern hier das vorab festlegen.

Informatiker
 
01
26.2.2012, 03:50
Es wurde ja auch die IMMERWÄHRENDE Neutralität beschlossen

Gesetze gelten immer "bis auf Widerruf", Verträge jedoch bis Aufhebung wegen Sittenwidrigkeit oder bis zur einvernehmichen Auflösung durch ALLE Vetragspartner ("pacta sunt servanda").

Moralisch gesehen haben Sie recht, aber es handelt sich hier geradezu um das Gegenteil von Moral - um Politik.

na_bravo
03
21.2.2012, 19:26
Da bin ich

mal gespannt, ob das wirklich so kommt. Wenn ja, ist dieser Minister in meinen Augen rücktrittsreif. Ein finanzielle Verpflichtung so weit in die Zukunft hinein, da kann man das Wählen dann ja gleich bleiben lassen, wenn diese Vorgangsweise Schule macht.

rr772
01
22.2.2012, 11:37
Jetzt erst rücktrittsreif ?

Bei Darabos ist das Nichtkämpfen für das Militärbudget ja positiv, das sind Einsparungen.
Aber im Bildungsbereich nur mit den Schultern zucken, das ist ein bisserl wenig (und fahrlässig)

Trollblume
12
21.2.2012, 18:23

Na, ich bin mal gespannt - die Liste der Forschungsschwerpunkte liest sich abenteuerlich - http://ist.ac.at/research/

Informatiker
 
20
21.2.2012, 20:50
Forschen kann man nur auf Gebieten, wenn man kompetente Leute dafür findet.

Und das IST Austria ist so konstruiert, dass man Forschungsbereiche auch wieder zusperren kann, wenn nichts herauskommt.

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