Steuerzahler Athens wichtigste Gläubiger, Zinsnachlass kostet Wien eine Million Euro
Eigentlich ist es bizarr: Die Euroländer werden Griechenland noch einmal 130
Milliarden Euro bereitstellen, damit Athen einen Großteil dieses Geldes nimmt
und postwendend an sie zurückzahlt. Denn die 130 Milliarden fließen nicht in die
griechische Wirtschaft. Nur ein Betrag zwischen 30 und 50 Milliarden wird zur
Rekapitalisierung der Landesbanken genutzt. Ein Teil dient zur Absicherung der
Banken.
Der Rest fließt aber in die Auszahlung der Gläubiger Griechenlands. Mit der
Einigung vom Dienstag wird sich die Zusammensetzung dieser Kreditgeber
grundlegend ändern. Insgesamt hat Griechenland derzeit Schulden von etwa 350
Milliarden Euro. Bisher entfielen 200 Milliarden davon auf Banken,
Versicherungen und andere Privatinvestoren. Denn Rest hielten öffentliche
Geldgeber, darunter die Euroländer, die Europäische Zentralbank (EZB) und der
Währungsfonds. Durch die Entschuldung sinkt der Anteil der privaten Geldgeber
auf 100 Milliarden, der öffentlichen hingegen dürfte bis 2020 auf weit über 200
Milliarden Euro steigen.
Neben der zusätzlichen Risikobereitschaft sind die Euroländer und die
Zentralbanken Griechenland bei den Zahlungsverpflichtungen entgegen gekommen:
Zunächst wird der Zinssatz, den Hellas für die Kredite seiner Partnerländer
zahlen muss rückwirkend gesenkt. Bisher verrechneten Österreich und die anderen
Länder Athen als Basiszinssatz den Drei-Monats-Euribor. Das ist jener Satz, zu
dem sich Banken gegenseitig Geld borgen - er liegt derzeit bei knapp über einem
Prozent. Dazu wurde ein Aufschlag zwischen zwei und drei Prozent verrechnet.
Dieser muss nun auf 1,5 Prozent gesenkt werden. Nach Angaben des
Finanzministeriums in Wien sinken dadurch die Zinszahlungen aus Athen insgesamt
um rund eine Million Euro. Österreich zahlte bisher rund 1,56 Milliarden Euro an
Athen und erhielt dafür 66 Millionen an Zinsen. Insgesamt wird die Zinssenkung
die Euroländer 1,4 Milliarden kosten.
Neben den Staaten haben sich auch die nationalen Notenbanken - nicht aber die
Europäische Zentralbank zu einem Entgegenkommen bereit erklärt. Sie halten
derzeit selbst griechische Anleihen im Wert von etwa 19 Milliarden Euro.
Mögliche Gewinne aus diesen Papieren sollen sie bis 2020 an Griechenland
weiterreichen. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)