Athens Hilfspaket

Hauptrisiko wandert von Banken zu Staaten

21. Februar 2012, 17:54

Steuerzahler Athens wichtigste Gläubiger, Zinsnachlass kostet Wien eine Million Euro

Eigentlich ist es bizarr: Die Euroländer werden Griechenland noch einmal 130 Milliarden Euro bereitstellen, damit Athen einen Großteil dieses Geldes nimmt und postwendend an sie zurückzahlt. Denn die 130 Milliarden fließen nicht in die griechische Wirtschaft. Nur ein Betrag zwischen 30 und 50 Milliarden wird zur Rekapitalisierung der Landesbanken genutzt. Ein Teil dient zur Absicherung der Banken.

Der Rest fließt aber in die Auszahlung der Gläubiger Griechenlands. Mit der Einigung vom Dienstag wird sich die Zusammensetzung dieser Kreditgeber grundlegend ändern. Insgesamt hat Griechenland derzeit Schulden von etwa 350 Milliarden Euro. Bisher entfielen 200 Milliarden davon auf Banken, Versicherungen und andere Privatinvestoren. Denn Rest hielten öffentliche Geldgeber, darunter die Euroländer, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Währungsfonds. Durch die Entschuldung sinkt der Anteil der privaten Geldgeber auf 100 Milliarden, der öffentlichen hingegen dürfte bis 2020 auf weit über 200 Milliarden Euro steigen.

Neben der zusätzlichen Risikobereitschaft sind die Euroländer und die Zentralbanken Griechenland bei den Zahlungsverpflichtungen entgegen gekommen: Zunächst wird der Zinssatz, den Hellas für die Kredite seiner Partnerländer zahlen muss rückwirkend gesenkt. Bisher verrechneten Österreich und die anderen Länder Athen als Basiszinssatz den Drei-Monats-Euribor. Das ist jener Satz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld borgen - er liegt derzeit bei knapp über einem Prozent. Dazu wurde ein Aufschlag zwischen zwei und drei Prozent verrechnet. Dieser muss nun auf 1,5 Prozent gesenkt werden. Nach Angaben des Finanzministeriums in Wien sinken dadurch die Zinszahlungen aus Athen insgesamt um rund eine Million Euro. Österreich zahlte bisher rund 1,56 Milliarden Euro an Athen und erhielt dafür 66 Millionen an Zinsen. Insgesamt wird die Zinssenkung die Euroländer 1,4 Milliarden kosten.

Neben den Staaten haben sich auch die nationalen Notenbanken - nicht aber die Europäische Zentralbank zu einem Entgegenkommen bereit erklärt. Sie halten derzeit selbst griechische Anleihen im Wert von etwa 19 Milliarden Euro. Mögliche Gewinne aus diesen Papieren sollen sie bis 2020 an Griechenland weiterreichen. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

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12 Postings
Systemsklave
03
22.2.2012, 13:24
Und warum....

...ist dieser sehr informative Artikel - erst gestern Abend eingestellt - heute Mittag schon so gut wie nicht mehr über die Hauptseite auffindbar???

Totaler Durchblicksstrudel
00
22.2.2012, 15:29

Weil er polemisch ist und vermutlich in der Redaktion Kontroversen ausgelöst hat.

Punkt 1: "denn die 130 Mrd. fließen..." ist sinnbefreit, weil sich das Hilfpaket ja an den Staat richtet.

Punkt 2: "Nur ein Betrag zwischen 30 und 50 ...", also ein Drittel! Komische Verwendung des "Nur" am Anfang. Insbesondere auch, weil gerade viele griechischen Banken ihre Staatsanleihen an die EZB weiter gereicht haben.

Punkt 3: "Der Rest fließt aber in die Auszahlung der Gläubiger ..." Was bedeutet "Auszahlung" in diesem Kontext? Mit den Hilfgeldern soll Griechenland in die Lage versetzt werden, seine Anleihen ordentlich zu bedienen, damits nicht zum Default kommt.

Ist eben sehr subjektiv und von einer inneren Erwartungshaltung getrieben geschrieben.

cannery row
00
22.2.2012, 13:50
weil nicht sein kann..

was nicht sein darf. da enthält man den leuten schon gerne mal die wahrheit vor - ganz im sinne des selbstausgerufenen qualitätsjournalismus. ich poste gerne in hiesigen foren, aber diese meinungsmache, die hier betrieben wird, ist zum kotzen.

BetterWorld
 
00
22.2.2012, 14:41
nicht aufhören zu posten!

ich verstehe ihr posting nicht ganz. meinen sie die meinungsmache dieser zeitschrift? vielleicht ist dieser ohne böser abicht von der hauptseite verschwunden?
jedenfalls nicht aufhören zu posten!

cannery row
00
22.2.2012, 15:03
nein..

ich meine die meinungsmache vom maronibrater auf der rotenturmstrasse - was sonst?

BetterWorld
 
00
22.2.2012, 16:07
maronibrater

sorry kenn i net

Systemsklave
00
22.2.2012, 13:59

Nicht entmutigen lassen. Weiter posten. Aufklären!

Systemsklave
01
22.2.2012, 12:32
Die letzte Hoffnung...

...die noch bleibt, ist offenbar, dass sich diese sinnlose und menschenunwürdige Endphase des Geldsystems nicht mehr all zu lange hin zieht. Jedenfalls scheinen die politisch verantwortlichen von sich aus nichts gegen den ausufernden Finanzfaschismus unternehmen zu wollen. Warum auch - man beißt ja nicht die Hand die einen füttert.

Traurig ist außerdem, dass es zahlreiche Menschen gibt, dies das alles schon lange genau so kommen gesehen haben. Doch sie wurden ausgelacht, diffamiert, oder einfach nur ignoriert.

Vera Rschung
 
31
21.2.2012, 21:11
Korruption rechnet sich!

Und die Lehre aus der Geschichte: Korruption rechnet sich!

Griechenland hat verschwendet und betrogen; aber statt Strafe gibt es belohnende Nachsicht.

Goldfinger
00
21.2.2012, 21:28
wo hier eine Belohnung sein soll ?

- Griechenland hat nach diesem Tausch gleich viel Schulden wie vorher. Belohnung ??

- Die Banken verlieren gleich viel wie bei der Pleite von Argentinien. Bankenrettung ??

Totaler Durchblicksstrudel
00
22.2.2012, 15:22

Nö, die haben tatsächlich 100 Mrd. weniger Schulden!

Vera Rschung
 
14
22.2.2012, 08:36
aus dem Leben gegriffen

Wenn man Ihnen von einem Kredit über 300.000 € einen Teilbetrag von 100.000 € nachlässt, da Sie das geliehene Geld sorglos verprasst haben und jetzt blank sind, sind Sie dann vermögender geworden? Ich denke schon.

Und hatte das Verprassen eine Konsequenz für Sie? Oder fühlen Sie sich nicht vielmehr ermutigt, das nächste Mal wieder genauso zu handeln?

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