Bad Bank hofft auf viele gute Athen-Gläubiger

21. Februar 2012, 17:53
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Viele Banken haben den Schuldenschnitt schon in Bilanzen vorweggenommen - die Bad Bank der Kommunalkredit versucht die Sache auszusitzen

In Österreich kommt es oft zur Vermischung von privat und Staat. So auch beim Schuldenschnitt für Griechenland. Das Griechenland-Risiko des Bankensektors liegt hierzulande nämlich zu einem beträchtlichen Teil auf den Schultern des Steuerzahlers.

Mit Abstand am stärksten in Griechenland engagiert ist nämlich die 2008 zwangsverstaatlichte Bad Bank der Kommunalkredit, die KA Finanz. Sie sitzt auf Papieren im Volumen von 980 Millionen Euro. 311,5 Millionen davon sind echte Griechen-Anleihen, 164 Millionen sind staatsgarantierte Anleihen und beim Rest handelt es sich um Risiken aus Swap-Geschäften.

Bei dem Institut wartet man nun gespannt darauf, wie viele internationale Gläubiger "freiwillig" am Schuldenerlass mitmachen, für die Bad Bank kann das nämlich einen großen Unterschied ausmachen, wie Vorstandschef Alois Steinbichler erklärt. Selbst will man nämlich nicht freiwillig auf einen Teil der Forderungen verzichten, sagt Steinbichler im Gespräch mit dem Standard.

Sein Kalkül: Sollten genug Banken freiwillig auf die nun verlangten 53,5 Prozent (inklusive künftiger Zinserträge sind es über 70 Prozent) verzichten und somit die Schuldenlast Griechenlands um 107 Milliarden Euro gesenkt werden, blieben jene Institute, die sich nicht beteiligen, ungeschoren. Die Bad Bank könnte dann hoffen, dass ihre Anleihen in voller Höhe zurückbezahlt werden. Auch einige Hedgefonds spekulieren darauf, die Causa einfach auszusitzen und drohen mit langwierigen Klagen, falls sie nicht voll bedient werden.

Fragezeichen

Dabei gibt es aber mehr als nur ein Fragezeichen. Werden die 107 Milliarden nämlich nicht erreicht, will Athen die Gläubiger per Gesetz zwingen, auf ihrer Forderung zu verzichten. Dann müsste die KA Finanz die 53,5 Prozent zumindest für die unmittelbaren Griechen-Bonds abschreiben. Bei einem Engagement von 311,5 Millionen Euro wären das rund 167 Millionen. Ob auch die staatsgarantierten Anleihen betroffen wären, ist noch unklar.

Kommt es aber zu einem per Gesetz erzwungenen Verzicht, könnte der Schuldenschnitt kaum mehr als "freiwillig" gewertet werden. Entschieden wird diese Frage letztlich vom Internationalen Derivateverband ISDA. Stuft er die Umschuldung aber als Kreditausfall ein, drohen der Bad Bank weitere Abschreibungen von 263 Millionen. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, weiß man auch, wie viel Geld der Staat neuerlich in die Bank einschießen muss. Die Rede ist von bis zu 600 Millionen Euro, auch weitere Garantien sind möglich.

Bei der von der Bad Bank abgetrennte Restbank, der Kommunalkredit Austria, wird laut Steinbichler eine andere Strategie gefahren. Sie soll sehr wohl am freiwilligen Schuldenschnitt mitmachen. Ein kleinerer Teil des Griechen-Portfolios von 220 Millionen Euro wurde schon abgeschrieben, nun drohen weitere 80 bis 85 Millionen. Für die auf Gemeindefinanzierung spezialisierte Bank gehe man aber davon aus, ohne neuerliche Staatshilfe auszukommen. Aktuell wird gerade ein Käufer für die Bank gesucht.

Die tatsächlich privaten Banken Österreichs haben ihr Griechenland-Problem schon weitgehend gelöst. Die Bank Austria hat bereits Ende 2011 80 Prozent bzw. 400 Millionen Euro der Griechen-Anleihen abgeschrieben. Erste Group und Raiffeisen haben laut eigener Auskunft gar keine Griechen-Papiere mehr.

Milliarden abgeschrieben

Auch in den großen Gläubigerländern wurde im letzten halben Jahr schon viel vom Schuldenschnitt vorweggenommen. Die französischen Banken BNP Paribas und Société Générale haben schon 75 Prozent des Griechen-Risikos abgeschrieben - für beide Institute zusammen sind das über vier Milliarden Euro. Auch die deutsche Commerzbank hat in der Bilanz bereits für 1,5 Milliarden vorgesorgt. Daher geht man beim deutschen Bankenverband davon aus, "dass sich die privaten Gläubiger insgesamt zahlreich an dem Kompromiss beteiligen werden". (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

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