Zwist unter Reitern

Der Prozess um die "Weiber" und die Hofreitschule

21. Februar 2012, 17:53

Ein suspendierter Oberbereiter prozessiert mit der spanischen Hofreitschule um entgangene Zulagen: Immerhin 127.000 Euro

Wien - Elisabeth Gürtler, Chefin des Hotels Sacher und Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule, ist eindeutig eine distinguierte, elegante Dame. Auch wenn sie "Was brauch ma die g'schissenen Weiber?" sagt. So geschehen am Dienstag im Saal T des Wiener Arbeitsgerichtes. Gut, genau genommen ist der Satz nicht von ihr, sondern ein Zitat, über das sich eine Teilnehmerin an einer Galaveranstaltung beschwert hat. Ein Zitat, das von dem Kläger in dem Arbeitsrechtsprozess stammen soll - einem derzeit vom Dienst freigestellten Oberbereiter der Hofreitschule.

Vordergründig geht es um 127.000 Euro, die Klaus Krzisch von der österreichischen Institution verlangt. Von der Hofreitschule, nicht Gürtler. Hintergründig geht es darum, was sich in den Ställen und Reithallen der Lipizzaner so abspielt. Vorgänge, die Richter Andreas Stöckl abwechselnd enervieren und belustigen. Objektiv geht es im Prozess um Zulagen, die der seit Herbst 2008 suspendierte Krzisch einfordert. Denn Gürtler hat nach ihrem Amtsantritt im Dezember 2007 das Gehaltsschema reformiert. "Auf Anregung des Rechnungshofes, der die Entlohnung als überhöht, nicht leistungsbezogen und intransparent kritisiert hat", wie sie bei ihrer teilweise sehr ausschweifenden Aussage betont.

Bis zu 170.000 Euro brutto habe ein Oberbereiter jährlich bekommen, zusammengesetzt aus dem Grundgehalt, der gesetzlichen Zulage und einer Individualzulage. Letztere seien "kommunizierende Gefäße" gewesen - ist die eine gesunken, gab es von der anderen mehr. "Die haben mehr als ein Minister verdient", merkt Gürtler kritisch an. " Vielleicht werden sie auch nach Können bezahlt", folgt die trockene Replik von Richter Stöckl. Der sich auch Gedanken über die Art der Zulagen macht. "Also Geld gab es, wenn er etwas Gefährliches macht. Sich zum Beispiel auf ein Pferd setzt."

Umstellung und Grabenkämpfe

Gürtler stellte das System um. Nun kommen die Oberbereiter auf maximal 114.000 Euro brutto. Diesen Vertrag habe auch Krzisch unterschrieben. Dessen Anwalt argumentiert allerdings, dass diese Gehaltsreduktion aus der Vereinbarung nicht hervorgehe. "Aber die Rechnungshofkritik ist ja durch alle Zeitungen gegangen. Ob es ihm der Controller bei der Vertragsunterzeichnung erklärt hat, weiß ich nicht", sagt Gürtler.

Dass das Geld nur eine sekundäre Rolle spielt, es in Wahrheit um die Grabenkämpfe innerhalb der Reiterelite geht, wird im weiteren Verlauf deutlich. Dass Krzisch suspendiert sei, hänge damit zusammen, dass sein Chef, Ernst Bachinger, ihr berichtet habe, Krzisch vergifte die Stimmung. Vor allem, da er gegen die Aufnahme von Reiterinnen agitiere. Als Beleg für seine Einstellung führt Gürtler auch den "Weiber-Satz" an, der bei einer Fundraising-Veranstaltung gefallen sein soll, was Krzisch bestreitet.

Laut wird es schließlich, als Gürtler auch mit einer Beschwerde über die Qualifikation des Oberbereiters, der seit Jahrzehnten für die Hofreitschule arbeitet, aufwartet. Eine Gruppe Schweizer Reiter habe ihr nach einer Vorstellung einen Brief geschrieben, in dem Krzischs Umgang mit einem Pferd kritisiert wird. Dieser braust auf und belehrt Gürtlers Anwalt: "Es ist aber so, dass sie keine Fachfrau ist!" "Waren Sie auch Vizestaatsmeister im Dressurreiten?" , verweist dieser auf Gürtlers Vergangenheit. "Ja, das war vor 30 Jahren" , schnaubt der Kläger. "Jetzt haben gezählte 44 Sekunden und gefühlte zehn Minuten Leute gesprochen, die nicht am Wort sind", grollt der Vorsitzende. Wohl auch, weil er weiß, was ihm noch bevorsteht: Der Prozess wird am 20. März fortgesetzt, ein Vergleich der Streitparteien ist nicht in Sicht. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 22.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 158
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Keine Ahnung
22
23.2.2012, 16:00
Zeugin für den "Weiber..."-Sager ist doch Fiona Swarovski, oder?

und wird der Frau eines Schwerverbrechers oder aber Tochter einer Steuerhinterzieherin und Lügnerin überhaupt vor Gericht geglaubt?
Unter Freundinnen lässt man sich da schon mal dazu hinreissen, Stimmen zu hören, wenn man schon nichts von den Machenschaften von Mann und/oder Mamma so weiß, oder?

Earl of Pembroke
01
22.2.2012, 18:40
Und Gürtlers Verdienst?

Nach eigenen Angaben verdient sie "nur" € 119.000 im Jahr und damit weniger als der kaufmännische Geschäftsführer (den es vor der Ausgliederung nicht gab).

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
22.2.2012, 17:03
Fördern -

extrem überhöhte reiterlöhne eigentlich tierquälerei?

Bekommen die offensichtlich häufig drangsalierten pferde hiebe statt artgerechtigkeit?

Freiheit auch für Lippizaner! Kopfstände von u. für "Bereiter"!

FatFaceRicky
45
22.2.2012, 17:00

Die Hofreitschule ist für mich ein Kandidat für eine Vollprivatisierung. Es kann doch nicht Aufgabe des Staates sein, einen überbezahlten Intrigantenstadl durchzufinanzieren. Wenn sich das selbst erhalten kann, wird sich ein Betreiber finden. Ansonsten hat dieses Relikt keine Daseinsberechtigung. Die Japaner kommen auch ohne die Pferdln.

centerum censeo
11
22.2.2012, 18:05
so ein schmarrn.

da gäbs in diesem land ganz anderes, was zu streichen wäre. ihro unbedarftheit ahnen offenkundig nicht, wieviele touristen GERADE deswegen nach wien kommen. btw: wir fördern andere kulturelle ergüsse, die das vielleicht bedeutend weniger verdienen.

Fontane
00
28.2.2012, 14:06

Und wo ist Ihre Begründung dafür, dass die Reiter solche Unsummen verdienen?

FatFaceRicky
03
22.2.2012, 18:20

Das ist keine Kultur, das ist hohler Kitsch. Das es im Kultursektor, oder besser gesagt dessen Förderung, einiges im Argen liegt, streite ich nicht ab.

Und wenn, wie sie sagen, wirklich so viele Leute deswegen kommen, steht einer Privatisierung nichts im Weg, und eine öff. Finanzieung ist daher sinnlos. Oder plädieren sie auch für eine Verstaatlichung des Musikantenstadls? Da kommen auch so viele Leute..

fuchstritt
11
22.2.2012, 17:57

schwachfug.die lipizzaner sind weltkulturerbe

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
22.2.2012, 23:00

Tierquälerei darf kein weltkulturerbe werden!

FatFaceRicky
00
22.2.2012, 18:13

Nein, gehört sie nicht. Es gibt den Vorschlag das Gebäude in der inneren Stadt (wobei die gesamte Innere Stadt schon WKE ist) und das Gestüt in Piber aufzunehmen. Ist es aber noch nicht. Der Status als WKE für die Gebäude wäre ja auch durch eine Privatisierung nicht betroffen.

Heutzutage ist diese Reiterei doch nur mehr hohle Tradition, wie der Sissi-Kult, und sie existiert ausschliesslich auf Grund touristischer Überlegungen.

sageiner
12
22.2.2012, 16:21
wie hoch ist denn Gürtlers gehalt?

was hier nicht steht: dieser oberbereiter und ein kollege gehen seit jahren auf staatskosten spazieren, obwohl sie gern arbeiten würden, aber sie sind unerwünscht, weil sie gegen Gürtlers "reform" sprich Kommerzialisierung sind. eine studie sieht das problem u.a. in den gehältern des managements. im gegensatz dazu sind die oberbereiter und ihr wissen für die schule essentiell. Siehe: http://www.falter.at/web/print... hp?id=1505
derzeit ist die hofreitschule unterm hund. fr Gürtler ist als beinharte chefin bekannt, weiß, wie man vor gericht und für die presse stimmung macht (mit neid-appellen und kolportierten frauenfeindlichen aussagen zB). die bereiter sind alle eingeschüchtert, haben Redeverbot. sie sollte ihren damenhut nehmen.

Earl of Pembroke
00
22.2.2012, 18:20
Danke für den link

Das ist wirklich ekelhaft, was dort abgeht. Ich wundere mich nur, wie viele hier nur auf die (falschen) Gehaltszahlen gaffen und nicht erkennen, dass hier eine einzigartige Institution auf dem Spiel steht, wenn die wichtigsten Mitarbeiter (derzeit gibt es nur mehr 13 aktive Bereiter) einfach aus dem Dienst entfernt werden.

Hage Butte
 
02
22.2.2012, 15:44
zeitgeist

es ist zeitgeistig vieles unter dem deckmantel sparen zu platzieren. dass hier in bestehendes arbeitsrecht eingegriffen wird, interessiert die damen und herren tierfreunde, politikerhasser etc. nicht. hauptsache man kann jemandem eine reinhauen. ob man den herrn mag oder nicht, ich finde es gut, dass er sich wehrt gegen die " frau privatwirtschaft und leistungsfrau" und IHRE Vorstellungen von recht.

duliawahimme
22
22.2.2012, 14:49
was soll man da noch sagen?

da ist ja jeder andere wohl ein Trottel?
der sich auch sein Wissen über viele Jahrzehnte erworben hat. In auch nicht ganz unkomplizierten Dingen. Von denen der offenbar total überqualifizierte Reiter nicht einmal eine entfernte Ahnung hat. Oder was?
Aber macht ja nix.
Hauptsache, wir erhalten unsere wohlerworbenen Rechte. Wenn man früh genug dabei war, hat man sich's ja verdient. Die anderen schauen halt blöderweis durch die Finger. So is das Lem.
"Rechtssicherheit" für die einen,
das Nachsehen für die anderen
so viel zum Thema Generationengerechtigkeit

BK W. Shoyssel
12
22.2.2012, 14:07
Umwegrentabilität

Also, wir können vielleicht herausrechnen, was die Hofreitschule jährlich kostet und an Einnahmen bringt plus die Umwegrentabilität im Fremdenverkehr usw.

Dann könnten wir herausrechnen, wie viele Touristen aus Begeisterung zu sagen wir z.B. Norbert Darabos nachÖsterreich reisen und was er so einbringt abzüglich seines Gehalts samt Pensi und Kosten, die er im Heer verursacht.

Möglicherweise kommt so eine vergleichende Rechnung zum Schluss, dass der Herr Oberbereiter gerechtfertigterweise das 10-fache eines Ministergehaltes bekommen sollte.

anna kinsky walker
06
22.2.2012, 16:04
dann müsste die putzfrau im belvedere

auch schon millionärin sein

Liebling der Nation
05
22.2.2012, 13:23
Ob hohe Gage oder nicht

ich glaube das Wesentliche ist ja: Der Herr ist karenziert und klagt seine Zulagen ein. Warum soll er eine Gefahrenzulage bekommen?

Ein Polizist verliert ja auch seine Zulagen, wenn er vom Außen- in den Innendienst wechselt und ich habe auch keine Ansprüche auf Zulagen wenn ich im Krankenstand bin.

D.h. worüber man diskutieren sollte, ist der Zustand, dass der Herr Oberbereiter schon seit 2008 suspendiert wurde und ob das rechtens ist. Wenn es rechtens ist, dann sollte er auch keinen Anspruch auf Zulagen haben, die im nur im Falle der Arbeit zustehen.

Ob der jetzt viel oder nicht viel verdient, ist völlig nebensächlich.

sauerkraut1
16
22.2.2012, 14:01
Verträge...

genau! Vertrag ist Vertrag. Wenn sich der Herr Oberbereiter was zu Schulden kommen hat lassen, dann muss er mit den Konsequenzen leben, ansonsten muss der aufrechte Vertrag erfüllt werden. Wenn ich mir auschau' welche Gehälter unser Politiker für weniger Leistung erhalten, wird mich gleich schlecht. Da sind mir 10 Oberbereiter lieber!

MarianneL
92
22.2.2012, 13:09
Pferde sind keine Sportgeräte!

Sowenig wie Schwarze für Weise oder Frauen für Männer geschaffen sind, sowenig sind Tiere für Menschen geschaffen. Müssen wir nun neben den Banken auch noch diese Tierquälerei subventionieren?

centerum censeo
12
22.2.2012, 18:02
wieso disqualifizieren Sie reiten als tierquälerei ?

pferde, die für diese arbeit nicht geeignet sind, werden allerschnellstens verkauft und einer für sie passenden funktion zugeführt. ich kenne genug lippizaner, die extrem brave und wunderbare freizeitpferde sind, die aber einfach für die (höhere) dressurarbeit nicht geeignet sind. pferde, die einer derartigen arbeit nachgehen, machen sie im regelfall auch mit begeisterung, sonst würde das niemals auf diesem niveau funktionieren. ihre herabwürdigende kritik ist nicht begründet. sie sollten vielmehr darüber nachdenken, wie interessant ( kulturell und intellektuell ) diese symbiose zwischen pferd und mensch in wahrheit ist.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
10
24.2.2012, 01:10

- ausbeutung u. quälereien sind keine symbiose.

Leonardo Basil
10
22.2.2012, 16:52

Genau! Besser wäre sie als Lipizzanerleberkäs beim Billa anzubieten!

Maria Lacina
00
22.2.2012, 15:03
Sportgeräte ..

.. sind sie wirklich nicht, das stimmt. Sie sind Arbeitstiere.

Rosa Stahl
00
22.2.2012, 17:13

eigentlich barocke Schlachtrösser :-))

Poldi Fesch
11
22.2.2012, 14:56
welche

Tierquaelerei ?

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