Salzburg: Konsum versus Verantwortung

21. Februar 2012, 17:40
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Die Kulturhistorikerin Gabriele Sorgo fragt in ihrem Vortrag: "Warum wir nicht anders handeln, obwohl wir es besser wissen"

Der Mensch ist ein Homo consumericus geworden. Psychoanalytiker und Konsumkritiker Erich Fromm sprach bereits Anfang der 1970er-Jahre davon, dass "dieses Menschenbild schon fast den Charakter einer neuen religiösen Vision" habe. So entsteht laut Fromm ein Charakter, dem alles zum Konsum wird - nicht nur Waren, auch Liebe, Sexualität, Kultur oder Bildung. Als Grund für den Konsumzwang nennt er eine unbewusste Angst und Leere im Menschen; Letztere gilt es mit Äußerlichkeiten aufzufüllen. Wer ängstlich wird, konsumiert. Wer zum Konsum verführt wird, wird ängstlich, weil er ein passives Individuum bleibt, das immer nur aufnimmt, nichts mehr erlebt. Ein fataler Kreislauf. Die Wiener Kulturhistorikerin Gabriele Sorgo sieht Nachhaltigkeit als Kulturaufgabe, der umsichtige Umgang mit den Ressourcen sollte logisch verständlich gemacht werden und in die alltäglichen Lebenszusammenhänge integriert werden können. Für Sorgo sind diese Aspekte in der Nachhaltigkeitsforschung bislang vernachlässigt worden, sie hält neue zukunftsfähige Routinen für unbedingt notwendig. Freilich kann eine rationale Kritik wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zustände die Basis für emotionale Solidarität und Empathie bilden. "Warum wir nicht anders handeln, obwohl wir es besser wissen", heißt ihr Vortrag am Donnerstag. Dazu stellt sie das von ihr herausgegebene Buch Die unsichtbare Dimension. Bildung für nachhaltige Entwicklung im kulturellen Prozess zur Diskussion. Freier Eintritt, Anmeldung erbeten. (dog, DER STANDARD/Printausgabe 22.12.2012)

 

23. 2., Salzburg, Robert-Jungk-Bibliothek, 0662/87 32 06, 19.00

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