"Größte und älteste Meteoriten-Schausammlung der Welt" wird neugestaltet - Investitionen in Infrastruktur und Präsentation nur mit Hilfe von Rücklagen
Wien - Elf Ausstellungseröffnungen hatte das Naturhistorische Museum
Wien (NHM) im vergangenen Jahr - "ein so vielfältiges und furioses Programm
schaffen wir aus finanziellen Gründen heuer nicht", erklärte NHM-Direktor
Christian Köberl am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien angesichts der
stagnierenden Basisabgeltung des Bundes. Mit den vorhandenen Mitteln will sich
das Haus deshalb auf die Renovierung von Schausälen und Dauerausstellungen
konzentrieren. Den Auftakt soll die Neueröffnung des Meteoritensaals im Herbst
dieses Jahres machen.
Dieses Projekt ist dem seit 2010 amtierenden Direktor ein Anliegen, der auch
an der Uni Wien als Kosmochemiker und Meteoritenforscher tätig ist. Die "größte
und älteste Meteoriten-Schausammlung der Welt" sei inhaltlich seit mehr als 100
Jahren unverändert und soll ein neues und zeitgemäßes Erscheinungsbild erhalten.
Die Meteoriten selbst sollen weiterhin im Mittelpunkt stehen, sie seien das
Wertvollste der Sammlung, was Köberl mit dem Gramm-Preis von 1.000 Euro im
Meteoriten-Handel deutlich machte. Gleichzeitig sollen aber auch mit modernen
Medien und interaktiven Stationen Fragen wie "Wie erkennt man Meteoriten, woraus
bestehen sie, wo findet man sie, wo kommen sie her, was passiert bei einem
Einschlag?" beantwortet werden.
Dialog zwischen Naturwissenschaften und Kunst
Fortsetzen will Köberl den Dialog zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Ab
23. Mai ist das Ergebnis eines "unkonventionellen Dialogs" von Daniel Spoerri
mit den Sammlungsobjekten des Hauses zu sehen. Die Künstlergruppe Steinbrener
und Dempf beschäftigt sich in einer Schau ab Juni mit "Tieren in den
Megacities". Als Eigenproduktion des Hauses ist ab Mitte Oktober eine Schau zum
Thema "Das Geschäft mit dem Tod - Das 6. Artensterben" zu sehen. Weiter
gearbeitet wird an der Neueinrichtung der Anthropologie-Säle, die Anfang 2013
eröffnet werden sollen.
Nach einem starken Besucherplus 2010 konnte sich das NHM auch im vergangenen
Jahr über weiter steigende Besucherzahlen freuen, die nunmehr bei mehr als
550.000 liegen. Nicht zuletzt dadurch konnte das ursprünglich mit 1,2 Mio. Euro
kalkulierte, durch zahlreiche Investitionen in das Haus verursachte Defizit
deutlich niedriger gehalten werden, sagte der wirtschaftliche Geschäftsführer,
Herbert Kritscher. Wie im vergangenen Jahr ist auch für 2012 ein
Investitionsvolumen in Höhe von 3,5 bis 4 Mio. Euro geplant. Der Staat werde
sich aber bei der Nichtanpassung der Basisabgeltung (dzt. erhält das NHM 13,739
Mio. jährlich) etwas einfallen lassen müssen, so Kritscher.
"Nicht rosige" Finanzlage
Köberl bezeichnete die Finanzlage der Bundesmuseen als "nicht rosig". Die
Fixausgaben seines Hauses würden derzeit 97,5 Prozent seines Budgets ausmachen,
nur 2,5 Prozent stünden für Ankäufe, Sonderausstellungen und Werbung zur
Verfügung. Dieses und nächstes Jahr schaffe man es noch. "Wenn wir aber den
Besucherstrom aufrechterhalten wollen, müssen wir Neues bieten und in die
Infrastruktur und die Präsentation des Hauses investieren - und dafür verwenden
wir schon die Rücklagen", so Köberl. (APA)