Steuerbehörde wurde bei Rafael Nadal fündig

21. Februar 2012, 17:49
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Spanier genoss jahrelang Steuervorteile über Unternehmen im Baskenland und verglich sich nun millionenschwer mit dem Fiskus

Es war Rafael Nadals wohl längstes Match. Aber gegen Spaniens Steuerbehörde (Agencia Tributaria) hat es das 25-jährige Tennisausnahmetalent abseits der TV-Kameras in Anwaltskanzleien nach über zwei Jahren verloren.

Der Langzeit-Weltranglisten-Erste Nadal hatte zwischen 2005 und 2011 rund 56 Mio. Euro über Unternehmen mit Sitz in San Sebastián im nordspanischen Baskenland verwaltet. Ohne dass diese dort ihre Aktivitäten gehabt hätten, genoss er deutliche Steuervorteile. Drei Ein-Personen-Firmen Nadals, Debamina,Goramendi Siglo XXI und Aspemir (Unternehmensberatung, Investments) machten sich das zunutze.

Aspemir, das Nadals Vater Sebastián im Alleingang leitet, während der Tennisstar 99,35 Prozent des Kapitals von 56 Mio. Euro hält, bezahlte zuletzt bei Jahreseinnahmen von knapp 20 Mio. Euro nur 10.319 Euro an die Staatskasse. Pikant am Geflecht von Nadals Firmennetz: Debamina hält 100 Prozent an Aspemir, und das kontrolliert Goramendi Siglo XXI.

Der Mallorquiner Nadal musste nun seine Firmensitze an seinen Hauptwohnsitz und Geburtsort Manacor auf Mallorca verlegen, wie die Steuerbehörde am 23. Dezember des Vorjahres forderte. Nadal willigte ein und soll rückwirkend mehrere Millionen Euro an Steuern nachbezahlt haben. Denn im Baskenland versteuerte er bei einem Satz von etwa einem Prozentpunkt, während in Spanien bei vergleichbaren Gesellschaften 30 Prozent fällig werden.

Nadals Pressesprecher weigert sich aber beharrlich, eine exakte Summe zu nennen. "Jegliche Steuerschuld Nadals ist bereits beglichen", hieß es aus informierten Kreisen der Steuerbehörde, die über die vergangenen fünf Jahre verstärkt Firmen mit Sitz im Baskenland und Navarra unter die Lupe genommen hat.

Denn Nadal war nicht der Einzige, aber der Bekannteste, der die lukrative, aber in seinem Fall illegale Lücke nutzte. Hunderte Unternehmen wollten sich den Niedrigststeuersatz im Baskenland über die per Gesetz kreierten sogenannten "Gesellschaften zur Unternehmensförderung" (SPE, "sociedades de promoción empresarial") zugutekommen lassen.

Gorka Maneiro, Steuerberater und Parlamentarier der liberalen Kleinpartei Union für Fortschritt und Demokratie (UpyD), fordert das Ende der Minimalsteuer, die dem Baskenland den Ruf eines Off-Shore-Steuerparadieses einbrachte und dem Fiskus jährlich knapp 600 Millionen Euro kostet.

Nadal, der zurzeit einen Einsatz im Davis-Cup-Viertelfinale gegen Österreich erwägt, scheint dabei ein Kenner internationaler Steuersätze zu sein. So will er nicht mehr beim Wimbledon-Vorbereitungsturnier Queen' s Club in England spielen, da Preisgelder zu hoch besteuert würden.

Alter Sport Steuerflucht

Und doch ist er einer der wenigen spanischen Spitzensportler, die in ihrer Heimat Steuern zahlen: Ex-Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso soll in der Schweiz versteuern, die Motorrad-Rennfahrer Daniel Pedrosa und Jorge Lorenzo in London, während sich etwa Ex-Rallyeweltmeister Carlos Sainz und Tennis-Legende Arantxa Sánchez Vicario im Pyrenäenfürstentum Andorra niederließen. Bei Einkommen ausländischer Spitzensportler langt Spanien hingegen seit 2010 und der Abschaffung der im Volksmund als "Beckham"-Gesetz bekannten Legislatur zu.

Unter Real-Madrid-Fan und Ex-Ministerpräsident José María Aznar beschlossen, wurde Profifußballern ein Steuersatz von lediglich 23 Prozent abverlangt. Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Co müssen mittlerweile den Spitzensteuersatz von 43 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 600. 000 Euro berappen. Spaniens Regierung will zudem ihren Kampf gegen die Steuerhinterziehung generell forcieren. Wie Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaria vom konservativen Partido Popular sagte, gelte es rund 8,5 Milliarden Euro jährlich dem Staat vorenthaltene Steuern diesem wieder zuzuführen. (DER STANDARD, Printausgabe 22.2. 2012)

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    Auf dem Tennisplatz ist Rafael Nadal das Siegen gewohnt. Mit den Steuerbehörden seines Landes hat er einen Vergleich abgeschlossen und mehrere Millionen Euro Steuern nachbezahlt.

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