Magersucht und Doping gefährden Sportler-Gesundheit

21. Februar 2012, 18:11
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Für den Körper habe die mangelnde Kalorienzufuhr schwerwiegende Folgen

Mannheim - Die positive Wirkung regelmäßiger, sportlicher Aktivität für Körper und Geist ist belegt. Auch auf die hormonelle Regulation wirkt sich Bewegung normalerweise günstig aus: So profitieren beispielsweise Typ-2-Diabetiker von regelmäßigem Sport, da die Skelettmuskulatur dann empfindlicher auf Insulin reagiert. Übermäßiger sportlicher Leistungsdruck - sei es von außen oder durch den Sportler selbst - kann jedoch das Gegenteil bewirken. Darauf macht die deutsche Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in einer Aussendung aufmerksam.

"Gerade bei Sportarten, in denen es vorteilhaft ist, ein niedriges Körpergewicht zu haben, ist das Risiko für Essstörungen deutlich erhöht", erklärt Birgit Friedmann-Bette, Oberärztin am Universitätsklinikum Heidelberg. Sportlerinnen und Sportler, die beim Geräteturnen, bei Gymnastik, Tanz oder Skispringen besonders gut abschneiden wollen, liefen mitunter Gefahr, sich durch eine vermeintlich "gewinnbringende" Hungerkur in eine gefährliche Magersucht hineinzumanövrieren. "Im Spitzensport hat die Anorexia nervosa schon Todesopfer gefordert", so Friedmann-Bette.

Für den Körper habe die mangelnde Kalorienzufuhr schwerwiegende Folgen: "Bei einer "Anorexia athletica" kommt es in einem Teil des Zwischenhirns, dem sogenannten Hypothalamus, zu Störungen der hormonellen Regulation", erklärt die die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Eine Folge hiervon seien bei Sportlerinnen massiv erniedrigte Östrogenspiegel, die Zyklusstörungen bis hin zu einem Ausbleiben der Menstruationsblutung verursachten. Außerdem käme es häufig zu einer Abnahme der Knochendichte, die Knochenbrüche ohne erkennbare Ursache, sogenannte Stressfrakturen, zur Folge haben können. Neuere Forschungen wiesen auf ein viertes Symptom hin: eine beeinträchtigte Gefäßfunktion.

Unterschätzte Auswirkungen

Unterschätzt würden - insbesondere von Leistungssportlern - auch die fatalen Auswirkungen von Hormonpräparaten, die die körperliche Leistungsfähigkeit steigern sollen. "Doping-Substanzen wie die "anabol-androgenen Steroide" bewirkten nicht nur eine Zunahme der Muskelmasse. Sie könnten auch Gefäß- und Herzerkrankungen, Lebertumore und psychische Veränderungen zur Folge haben", warnt die Medizinerin. Zudem liefen Frauen Gefahr, dass ihr Körper mehr und mehr "vermännlicht".

Bei Männern könne es durch Einnahme von Hormonpräparaten zur vermehrten Ausbildung des Brustdrüsengewebes kommen. Neben den klassischen "Anabolika", Abkömmlingen des männlichen Sexualhormons Testosteron ist auch Wachstumshormon ein beliebtes Doping-Mittel. Verschiedene neuere Substanzen verändern die Hormonregulation, indem sie direkt auf Hormonrezeptoren einwirken. "Das Problem ist, dass alle diese Substanzen heute über einen nicht zu unterschätzenden Schwarzhandel im Internet praktisch für jeden zugänglich sind", warnt Friedmann-Bette. Gerade im Kraftsportbereich griffen auch Freizeitsportler regelmäßig zu Dopingpräparaten. "Wir müssen alles tun, um auf die Gefahren dieser Mittel aufmerksam zu machen", betont die Expertin. (red, derStandard.at)

Symposium

Welche Auswirkungen Essstörungen bei Sportlern haben und wie das Hormondoping deren Gesundheit gefährdet, sind Themen auf dem 55. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 7. bis 10 März 2012 in Mannheim.

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