Schwergewichts-Champ drängt es zu einem Rematch gegen den Briten - Staatsanwaltschaft ermittelt nach inoffiziellem Fight Chisoara vs Haye wegen Körperverletzung
Hamburg/Köln - Dereck Chisora lässt Witali Klitschko
nicht in Ruhe kommen. Der emotional offenbar aufgewühlte Schwergewichts-Weltmeister
würde den Briten am liebsten noch einmal vor die Fäuste
bekommen. "Mein Verstand sagt mir, dass ich
ein Rematch nicht benötige. Aber mein Ego, mein tiefes, inneres Ich sagt
mir ganz deutlich, dieser Mann braucht von mir noch eine richtige
Bestrafung. Ich möchte ihn im Ring k.o. schlagen. Diese Rechnung ist
noch offen", sagte der 40-Jährige der Tageszeitung "Die Welt". Für David Haye (mittlerweile eigentlich zurück getreten) gelte im übrigen das Gleiche, ergänzte der ältere
der beiden Weltmeister-Brüder.
Doch dieses Bedürfnis dürfte eher ungestillt bleiben. "Ein Rückkampf ist absolut undenkbar, den wird es nicht geben.
Damit befassen wir uns nicht", konterkarierte nämlich Manager Bernd Bönte die Wünsche seines Schützlings. "Natürlich ist Witali emotional betroffen. Aber so ein
Kampf ist kein Thema, wir werden Chisora keine weitere Plattform
bieten. Außerdem fänden im März wegen der der skandalösen Vorfälle
am Rande der erfolgreichen Titelverteidigung Klitschkos eine Anhörung statt, Bönte geht von einer Sperre Chisoras wegen der Prügelei mit Haye aus. Erste Priorität habe nun, die Ausheilung des Sehnenanrisses, den sich Klitschko in der vierten Runde des nach Punkten gewonnenen Kampfes am Samstag zugezogen hatte. Der bleibt aber hartnäckig: "Nach der Diagnose wäre sogar ein Kampf vor der
Fußball-EM noch möglich. Aber das muss ich mit meinem Trainer Fritz
Sdunek besprechen", sagte Champion der
"Bild"-Zeitung.
Chisora und Ex-Weltmeister Haye, der bei dem WM-Kampf
überraschend als TV-Experte in München war, hatten bei der Pressekonferenz
nach de Fight für einen Skandal gesorgt. Die Beiden lieferten sich nach
gegenseitigen Provokationen eine handfeste Schlägerei. Dass sich Haye
überhaupt Zutritt in die Halle verschafft hatte, war so nicht geplant.
"Sein Management hatte wegen eines Tickets angefragt, wir haben aber
abgelehnt. Dann erfuhren wir plötzlich, dass er eine Journalisten-Akkreditierung bekommen hat", schilderte Bönte die Situation und wies damit Spekulationen über eine
angebliche Inszenierung der Vorfälle zurück.
Sdunek empfand die Prügelszenen, bei denen Haye auch mit einem Kamerastativ zuschlug, nicht brutaler als
Zwischenfälle in anderen Sportarten. "Wenn man Leuten mit Fußballschuhen
ins Gesicht tritt, ist das auch nicht gerade angenehm", sagte der 64-Jährige. Und er nahm Chisora in Schutz: "Ich kenne ihn anders, als ihn mal als Sparringspartner im Camp
hatte, da hat er toll mitgearbeitet. Deshalb bin ich jetzt bitter
enttäuscht, wie man sich so benehmen kann."
Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte indes mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen
Körperverletzung eingeleitet hat. Offen ist indes noch, gegen welchen
der beiden Kontrahenten sich das Ermittlungsverfahren richten wird. "Wir versuchen, die Geschehensabläufe zu klären, und dann schauen
wir, wer wofür verantwortlich ist", sagte ein Sprecher am Dienstag.
Wie lange Witali Klitschko überhaupt noch boxen wird, steht zudem in den
Sternen. Der 40-Jährige tritt in diesem Jahr bei der Bürgermeisterwahl in
Kiew an, er hat, angekündigt, bei seiner Wahl die Handschuhe sofort
an den Nagel zu hängen. Dann bliebe nur noch die Möglichkeit, dass sich
sein jüngerer Bruder Wladimir des Falles Chisora annehme. Der war von
Chisora unmittelbar vor dem Kampf seines Bruders im Ring mit Wasser
bespuckt worden. (sid/APA/red)