"Chisora bestrafen"

21. Februar 2012, 17:19
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Schwergewichts-Champ drängt es zu einem Rematch gegen den Bri­ten - Staatsanwaltschaft ermittelt nach inoffiziellem Fight Chisoara vs Haye wegen Körperverletzung

Hamburg/Köln - Dereck Chisora  lässt Witali Klitschko nicht in Ruhe kommen. Der emotional offenbar aufgewühlte Schwergewichts-Weltmeister würde den Briten am liebsten noch einmal vor die Fäuste bekommen. "Mein Verstand sagt mir, dass ich ein Rematch nicht benötige. Aber mein Ego, mein tiefes, inneres Ich sagt mir ganz deutlich, dieser Mann braucht von mir noch eine richtige Bestrafung. Ich möchte ihn im Ring k.o. schlagen. Diese Rechnung ist noch offen", sagte der 40-Jährige der Tageszeitung "Die Welt". Für David Haye (mittlerweile eigentlich zurück getreten) gelte im übrigen das Gleiche, ergänzte der ältere der beiden Weltmeister-Brüder.

Doch dieses Bedürfnis dürfte eher ungestillt bleiben. "Ein Rückkampf ist absolut undenkbar, den wird es nicht geben. Damit befassen wir uns nicht", konterkarierte nämlich Manager Bernd Bönte die Wünsche seines Schützlings. "Natürlich ist Witali emotional betroffen. Aber so ein Kampf ist kein Thema, wir werden Chisora keine weitere Plattform bieten. Außerdem fänden im März wegen der der skandalösen Vorfälle am Rande der erfolgreichen Titelverteidigung Klitschkos eine Anhörung statt, Bönte geht von einer Sperre Chisoras wegen der Prügelei mit Haye aus. Erste Priorität habe nun, die Ausheilung des Sehnenanrisses, den sich Klitschko in der vierten Runde des nach Punkten gewonnenen Kampfes am Samstag zugezogen hatte. Der bleibt aber hartnäckig: "Nach der Diagnose wäre sogar ein Kampf vor der Fußball-EM noch möglich. Aber das muss ich mit meinem Trainer Fritz Sdunek besprechen", sagte Champion der "Bild"-Zeitung.

Chisora und Ex-Weltmeister Haye, der bei dem WM-Kampf überraschend als TV-Experte in München war, hatten bei der Pressekonferenz nach de Fight für einen Skandal gesorgt. Die Beiden lieferten sich nach gegenseitigen Provokationen eine handfeste Schlägerei. Dass sich Haye überhaupt Zutritt in die Halle verschafft hatte, war so nicht geplant. "Sein Management hatte wegen eines Tickets angefragt, wir haben aber abgelehnt. Dann erfuhren wir plötzlich, dass er eine Journalisten-Akkreditierung bekommen hat", schilderte  Bönte die Situation und wies damit Spekulationen über eine angebliche Inszenierung der Vorfälle zurück.

Sdunek empfand die Prügelszenen, bei denen Haye auch mit einem Kamerastativ zuschlug, nicht brutaler als Zwischenfälle in anderen Sportarten. "Wenn man Leuten mit Fußballschuhen ins Gesicht tritt, ist das auch nicht gerade angenehm", sagte der 64-Jährige. Und er nahm Chisora in Schutz: "Ich kenne ihn anders, als ihn mal als Sparringspartner im Camp hatte, da hat er toll mitgearbeitet. Deshalb bin ich jetzt bitter enttäuscht, wie man sich so benehmen kann."

Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte indes mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet hat. Offen ist indes noch, gegen welchen der beiden Kontrahenten sich das Ermittlungsverfahren richten wird. "Wir versuchen, die Geschehensabläufe zu klären, und dann schauen wir, wer wofür verantwortlich ist", sagte ein Sprecher am Dienstag.

Wie lange Witali Klitschko überhaupt noch boxen wird, steht zudem in den Sternen. Der 40-Jährige tritt in diesem Jahr bei der Bürgermeisterwahl in Kiew an, er hat, angekündigt, bei seiner Wahl die Handschuhe sofort an den Nagel zu hängen. Dann bliebe nur noch die Möglichkeit, dass sich sein jüngerer Bruder Wladimir des Falles Chisora annehme. Der war von Chisora unmittelbar vor dem Kampf seines Bruders im Ring mit Wasser bespuckt worden. (sid/APA/red)

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    Man mag sich.

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