Beamte in Wien

Zahl der Frühpensionierungen umstritten

21. Februar 2012, 14:51

Kritik der Opposition an jüngster Entwicklung - Rathaus setzt auf Programme für körperliche und seelische Gesundheit

Wien  - In der Bundeshauptstadt Wien gibt es deutlich mehr Frühpensionierungen bei Beamten - im Vergleich zum Bund oder zu anderen Ländern. Laut jüngsten Zahlen ist der Trend ungebremst. Im Rathaus warnt man zwar davor, "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen, Initiativen zur Gesundheitsvorsorge sollen die Entwicklung aber doch eindämmen. Für heuer könnte es laut einer Hochrechnung der Opposition trotzdem Rekordwerte setzen.

Laut ÖVP-Gemeinderatsmandatar Wolfgang Ulm gab es im vergangenen Jänner 53 Frühpensionierungen, im Februar waren es bisher 64 - mit einem Durchschnittsalter von 51,76 Jahren. 2012 drohe somit ein Rekordjahr an Frühpensionierungen in Wien zu werden, mutmaßte Ulm, der Mitglied der gemeinderätlichen Personalkommission ist. Hochgerechnet auf das ganze Jahr könnten 700 vorzeitige Versetzungen in den Ruhestand ins Haus stehen.

Dieses System würde der Stadt jährlich 200 Millionen Euro kosten, warnte Ulm. Die FPÖ kritisierte, dass "Kleinst-Pensionisten" ein Belastungspaket serviert werde, während sich in Wien Beamte auf Kosten der Steuerzahler in den vorzeitigen Ruhestand verabschieden würden. Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen würden derzeit in Wien "zur Gänze" fehlen, wurde beklagt.

Dem widerspricht nun die Stadtregierung. Laut dem Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) werden Programme für die Erhaltung der körperlichen und seelischen Gesundheit angeboten - etwa für die Herzgesundheit, den gesunden Rücken, Burnout-Präventionsprogramme sowie Initiativen zur Suchtprävention am Arbeitsplatz. Auch Ernährungsberatung oder Entspannungstraining seien Teil des Angebots.

"Bund hat keine Kanalräumer"

Dieses richte sich an Mitarbeiter genauso wie an Führungskräfte. Auch eine eigene psychologische Beratungsstelle und betriebliche Sozialarbeit gehören zum Angebot der zuständigen Magistratsabteilung 3, wurde betont. Darüber hinaus gebe es unter dem Titel "productive ageing" eine umfangreiche Palette an gesundheitsfördernden Maßnahmen für ältere Mitarbeiter.

Zudem wird auf die Situation Wiens verwiesen, das nicht nur Bundesland, sondern auch Gemeinde sei. Anders als im Bund oder in anderen Ländern gebe es in Wien Bedienstete, die schwere körperliche Arbeit verrichten würden. "Der Bund hat keine Kanalräumer", wurde betont. Man dürfe darum nicht alles über einen Kamm scheren.

Debattiert wird in Wien schon seit längerem auch über die Pensionsregelung an sich. Der Rechnungshof hat bereits wiederholt bemängelt, dass die Übergangsfristen deutlich länger sind als jene auf Bundesebene. Die Stadt denkt aber nicht an eine Änderung der 2004 beschlossenen Regelung: Man werde nicht die blau-schwarze Pensionsreform nachvollziehen, gegen die man demonstriert habe, wurde im Rathaus wiederholt bekräftigt. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 45
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desgibtsdonet
00
23.2.2012, 17:55
In der Gemeinde Wien - Hoheitsverwaltung werden Programme für die ...

... Erhaltung der körperlichen und seelischen Gesundheit - etwa für die Herzgesundheit, den gesunden Rücken, Burnout-Präventionsprogramme sowie Initiativen zur Suchtprävention am Arbeitsplatz angeboten?!??
Sie meinen nicht im ernst die "Programme" der MA3 - Bedienstetenschutz und berufliche Gesundheitsförderung?!?!?

Capricorn89
10
23.2.2012, 14:23
Tatsache ist halt einmal, dass die Wiener Stadtverwaltung

seit vielen Jahren laut sämtlichen internationalen Rankings zu den besten der Welt gehört. Und: Qualität hat nun einmal ihren Preis.
Oder wollen die geschätzten Mitposter lieber Zuständ haben wie Neapel?

DarwinsHammer
00
25.2.2012, 20:10

Und teuer ist es auch und keine Ausrede dafür, hier systematisch das Sozialsystem auszubeuten.

)so(
12
23.2.2012, 13:01
Mit 51,76 Jahren in Pension - diese "griechischen Verhältnisse" machen fassungslos

Umso mehr, wenn solche Privilegien von jenen Politikern und Parteien betrieben werden, die sich vorgeblich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen.

soso....
01
22.2.2012, 14:46
das arbeitermodell

mit 15 jahren: lehre
55 (in zahlen: fünfundfünfzig) jahre lang karriere-mit-lehre im kanal, bei der feuerwehr, im spital, am müllwagen, zwischen den bahngleisen, hinterm buslenkrad
im 60. lebensjahr in "früh"pension???? ...
lösungsansatz: entpragmatisieren, weitere vorgehensweise der privatwirtschaft enlehnen: mit 55 kündigen, das ams macht dann die nächsten jahre aus dem müllmann einen bilanzbuchhalter - so schönt man die statistik und alle sind froh!

Alexander75
00
22.2.2012, 10:54

Es handelt sich v.a. um krankheitsbedingte Übertritte in die Pension - also wohl Invaliditätspensionen.
Insgesamt gehen österreichweit ein Drittel (30.000 Personen) aller in den Ruhestand eintretenden Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen in Pension.

Frühpensionen sind was anderes (frühzeitiger Übertritt aufgrund langer Versicherungsdauer).

Nestor1979
00
22.2.2012, 10:15
Dem Wiener Landtagsabgeordneten Wolfgang U l m gebührt Dank und Anerkennung für die Aufdeckung dieses Frühpensionierungsskandals im Reich der Stadträtin Frauenberger !

Interessant: er ist von der ÖVP !

politisch verfolgt
09
21.2.2012, 23:08
bravo

was schwarzblau beschlossen hat, muß boykottiert und das gegenteil gemacht werden. wenn schwarzblau beschlossen hätte, daß am klo die hose zu öffnen sei, dann würden sich die wiener spö-mandatare justament in die hose machen. extra. zu fleiss. damit schüssel sich ärgert, selbst heute noch.
das nenne ich konsequent, zukunftsweisend, intelligent.
bravo.

Management Quatscher
111
21.2.2012, 21:47

Menschenverachtend und zynisch die Wiener Burn Out Beamten nicht mit 53 in wohlverdiente Frühpension (Frühruhegenuss) zu entlassen.

Diese Menschen können nicht mehr. Sie sind durch 20 Jahre Verwaltungsdienst derart ausgebrannt, dass nur mehr durch mehrmonatige Fernreisen eine Linderung des Burn Outs möglich ist.

Thomas Reitter
01
21.2.2012, 18:57
Wien ist anders

Dies zeigt sich hier wieder einmal ganz deutlich!
Und was sagt der Langzeitbürgermeister dazu? "Werma schon richten."

ooo44
14
21.2.2012, 18:51

Da sieht man wieder, daß jahrelange Unterforderung kann ebenfalls krank machen kann;-)

Lilo1
02
21.2.2012, 18:14
Beamter ist nicht gleich Beamter

Bin Jahrgang 1956 und in der Steiermark als BHS-Lehrerin tätig. Ich darf bis 65 arbeiten und komme mir angesichts dieser Meldungen ziemlich "verarscht" vor!

jeff5
03
21.2.2012, 18:28
meines wissens nach ist ab dem jahrgang 1955 auch b ei den wiener beamten 65 regelpensionsalter.

jetzt richten es sich alle und schleichen sich bei gutem wind....

Nestor1979
12
22.2.2012, 10:16
Einer der vielen Skandale im roten Reich des Häupl !

Hugo Wiesinger
05
21.2.2012, 18:12
Eines der vielen

Paralleluniversen. Der Steuerschafe zahlen es ja.

Selbstbedienungsladen Österreich
00
21.2.2012, 17:31
Burnout-Präventionsprogramme

sinnvoller wäre wohl ein boredout-präventationsprogramm.

samron
010
21.2.2012, 17:15
Bund hat keine Kanalräumer

Die Kanalräumer oder andere Arbeiter werden wohl kaum den Durchschnitt so nach unten ziehen.
Hier wird wohl wie üblich der kleine Mann vorgeschoben um ein Pensionsprivileg zu schützen.

Bei der Erbschaftssteuer oder der Pauschalierung der Bauerneinkünfte muß ja auch der kleine Häuslbauer und der Bergbauer herhalten um die Vorteile für Bessergestellte weiterhin zu sichern.

Nestor1979
10
22.2.2012, 10:18
Die Stadträtin Frauenberger ist sowas von schwach und gehört zurückgetreten !

Vera Rschung
 
14
21.2.2012, 17:54
griechische Verhältnisse

Genau, und an diesem Pensionsprivileg werden die lächerlichen Gesundheitsprogramme der Frau Frauenberger nicht kratzen. Diese Frühpensionisten haben nämlich nicht unbedingt ein besonders anstrengendes Berufsleben hinter sich und sind deswegen auch nicht verbraucht. Im roten Gewerkschaftsparadies sind halt griechische Verhältnisse nicht ganz unüblich. Im Unterschied zu Griechenland bezahlt es hier halt der brave Steuerzahler.

Schnick
00
23.2.2012, 11:05
Der Unterschied ist halt,

dass es in Griechenland keine braven Steuerzahler gibt ...

Nestor1979
10
22.2.2012, 10:19
Es bezahlt der brave Steuerzahler .........und wählt den Häupl immer wieder !

maus 14
10
21.2.2012, 17:01

könnts aussuchen
wer lässt arbeitnehmer mit geringem alter mit allem abschlägen gehen
ists das arbeitsklima
ists die grosse rente
ists frustriertheit
ists burn out
ists noch 20 jahre leben wollen
ists für enkelkinder dasein wollen
ists für ,dass sollen einmal die jungen leisten
baba

ExRate
02
21.2.2012, 16:09
Pfoa, mit 51,75 im Schnitt.

Arbeiten kann auch was schönes sein. Das hat man in Wien offensichtlich nie gelernt, oder in den Siebzigern vergessen.

Man kann den Menschen auch Einreden, dass wenig arbeiten gesünder ist. Trifft möglicherweise für Politiker zu, nicht aber für den normalen Bürger oder die Bürgerin.

Alles mit Maß, aber dafür länger, unabhängig und selbstbestimmt. Davon will aber ofensichtlich keiner was hören.

Ergo: Versklavt wird wer sich versklaven läßt. Zumindest hätte man bei uns einigermaßen die Wahl.

Gerhard Hofegger
106
21.2.2012, 16:53

Das tatsächliche Pensionsantritsalter bei der Gemeinde Wien ab Geburtsjahr 1953 liegt bei 62,5 Jahren. Und zwar für Männer und Frauen gleich. Das sollen die anderen ASVG-Vers. unsw. erst einmal bringen. Ich finde es aber auch nicht in Ordnung Menschen nach Transplantationen, Infarkten oder diversen psychischen Auffälligkeiten wieder in die normale Arbeitswelt zu entlassen egal in welchem Alter. Das tatsächliche Problem liegt doch an den Umverteilungen der Pensionsgelder. Pensionsanspruch hat nun einmal nur der, der einbezahlt hat und zwar mindestens - heute 40 Jahre(vor 1953 geborene 35Jahre).

akit
08
21.2.2012, 17:42
...

1953+62,5=2015,5 und jetzt schreiben sie bitte noch einmal dass das tatsächliche Pensionsantrittsalter bei der Gemeinde Wien ab den Geburtsjahr 1953 erst bei 62 Jahren liegt. Nur zur Erinnerung wir haben das Jahr 2012!!!

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