Höhere Strafen helfen nicht weiter

Kommentar21. Februar 2012, 18:35
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Schulschwänzer gehören gefördert und nicht bestraft

Die Forderung nach höheren Strafen fürs Schuleschwänzen ist sinnlos. Sie geht am Problem vorbei. 75.000 junge Menschen in Österreich sind nicht ohne Job und Ausbildung, weil sie gegen die Schulpflicht verstoßen haben, sondern weil sie die schlechte Bildung ihrer Eltern geerbt haben. Ob sie 220 Euro oder 1.500 Euro zahlen müssen, wenn sie nicht in die Schule gehen, wird daran nichts ändern.

Die Autoren der Studie über Jugendliche ohne Job und Ausbildung sagen, dass das Defizit, das diese Schüler mitbringen, vor allem durch eine verschränkte Ganztagsschule ausgeglichen werden kann. In Österreich hängt die Schul- und Berufskarriere immer noch davon ab, ob Mama und Papa am Nachmittag die Zeit und das Wissen dafür haben, ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Das ist nicht nur unfair, sondern auch wirtschaftlich gesehen dumm. Das Potenzial vieler junger Menschen geht verloren. 

Im Abseits

Die Argumentation der ÖVP für höhere Strafen ist, dass Schulverweigerung dann als "verpönt" gilt, wenn sie sanktioniert wird. Eine weitere Konsequenz ist, dass Jugendliche, die bereits jetzt das Etikett der Verlierer und Versager tragen, noch weiter ins Abseits der Gesellschaft gedrängt werden. Das wird sie nicht zu besseren Leistungen in der Schule motivieren.

Jugendliche scheiden aus dem Schulsystem auch deshalb vorzeitig aus, weil die Politik das Schulsystem nicht ändert. Wer bestraft die Regierung dafür, dass sie ihre Aufgaben nicht erledigt? Es ist traurig, dass sich diese Koalition eher auf höhere Strafen für Eltern von Jugendlichen mit Bildungsdefiziten einigen kann als auf Unterricht am Nachmittag. (derStandard.at, 21.2.2012)

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