Budgetloch

AKH warnt vor Leistungsreduktion

Marie-Theres Egyed, 21. Februar 2012, 14:28
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    foto: apa/hochmuth

    Im Wiener AKH drohen Leistungskürzungen.

Betriebsrat zeigt sich "kampfbereit" - Zwölf Millionen Euro müssen eingespart werden - Nachtdienste werden gekürzt

Das Wiener AKH muss sparen. Trotz einer "Überbrückungshilfe" in der Höhe von neun Millionen Euro durch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle Ende 2011 sieht sich die Meduni Wien mit einem Budgetloch von zwölf Millionen Euro für 2012 konfrontiert. Rektor Wolfgang Schütz muss Maßnahmen setzen, er will im personellen Bereich einsparen, kündigte er nach der Uniratssitzung an. Der Betriebsrat hat für Dienstagnachmittag eine Betriebsversammlung angekündigt, auf der die Mitarbeiter über die Einsparungspläne informiert werden sollen. Schon in der Aussendung bezeichnet sich der Betriebsrat "kampfbereit". 

Das Sanierungsprogramm erinnert stark an die Sparpläne des Vorjahres, "die Maßnahmen sind undurchführbar", sagt Betriebsrat Thomas Szekeres im Gespräch mit derStandard.at: Stellen würden nicht nachbesetzt, bei Nachtdiensten soll gespart werden. Bis dato seien 100 Stellen nicht nachbesetzt worden, Szekeres rechnet damit, dass 80 weitere bis 2013 eingespart werden. Außerdem sollen ab 2013 die Nachtdienste um 14,3 Prozent reduziert und damit sechs Millionen Euro eingespart werden.

Wie die Nachtdienstmodelle konkret aussehen sollen, ist laut Szekeres noch nicht bekannt. Im Raum stehen "verschobene Dienste", wo "die Kollegen später anfangen und später gehen", Schichtdienste "etwa von acht Uhr früh bis am nächsten Tag um acht Uhr" und eine "Rufbereitschaft für Oberärzte". Bei der Rufbereitschaft muss der Oberarzt bei Nachtdiensten nicht im AKH anwesend sein, er wird nur im Ernstfall angerufen. "Das ist in einer Großstadt wie Wien unrealistisch", sagt Szekeres. Für ihn steht auch fest, dass die im Raum stehenden Modelle nicht von der Belegschaft akzeptiert werden.

Szekeres: "Keine personellen Reserven"

Daher gebe es nur zwei Möglichkeiten: Leistungsreduktionen, wenn etwa Stationen gesperrt werden, oder das Wissenschaftsministerium stellt Mittel zur Verfügung. Szekeres bevorzugt die zweite Möglichkeit.

Ein Arzt am AKH arbeite 60 Stunden pro Woche, 60 Prozent der Belegschaft seien Burn-out-gefährdet. "Es gibt keine personellen Reserven, die die Kürzungen auffangen können." Szekeres kann nicht nachvollziehen, warum beim Personal gespart werden soll. "Die Medizin kann immer mehr und ist dementsprechend teuer."

Wissenschaftsministerium verweist auf Runden Tisch

Einer Leistungsreduktion, um das Budgetloch zu stopfen, kann der Betriebsrat nichts abgewinnen. Das sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die Betriebskosten gleich blieben. Ein Haus wie das AKH sollte zu 100 Prozent ausgelastet sein. Szekeres versteht nicht, warum Wissenschaftsminister Töchterle das Budget nicht aufstocke. Das Ministerium habe eben erst für das ISTA (Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg) eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt und verfüge laut parlamentarischer Anfrage über Rücklagen.

Der Betriebsrat sieht wenig Spielraum für Kompromisse, die Sparmaßnahmen müssten abgewendet werden, "auch im Interesse der Patienten".

In einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at verweist ein Sprecher von Wissenschaftsminister Töchterle auf die im Vorjahr beschlossene "Überbrückungshilfe", die die Finanzierung der Journaldienste bis 2013 sichergestellt habe. Außerdem sei ein Runder Tisch einberufen worden, Ziel sei die Erarbeitung von mittel- bis langfristigen strukturellen Maßnahmen. "Finanzierungslücken wie sie zuletzt entstanden sind, dürfen keinesfalls wieder entstehen", heißt es in dem Statement. 

Schütz: Zeitpunkt nicht nachvollziehbar

Ein Sprecher von Wolfgang Schütz erklärt im Gespräch mit derStandard.at, dass der Zeitpunkt der Kritik für Schütz "nicht nachvollziehbar" sei. Der Rektor habe Verständnis, dass die Situation der Ärzte "nicht zufriedenstellend" sei, aber er verwies auf die laufenden Verhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium und der Stadt Wien. "Ich bin zuversichtlich, dass unsere aktuellen Gespräche über eine gemeinsame Betriebsführung gemeinsam mit der Stadt Wien, dem AKH und dem Wissenschaftsministerium rasch zu klaren Leistungsdefinitionen führen", so der Schütz in einem Statement. Noch im Februar findet eine neue Verhandlungsrunde statt.

Aus Sicht des Rektorats stehen keine Nachtdienstkürzungen bevor, sondern lediglich eine Reform der ärztlichen Nacht- und Wochenenddienste, um diese "kostensparender zu gestalten". (derStandard.at, 21.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
.........1
01
22.2.2012, 15:52
so haben wir wenigstens ein zusätzliches Argument für das Spital Nord

Ain't got no how watchamacallit
17
22.2.2012, 11:18

und weil weiter unten über die Ärztekammer gesprochen wird: die gehört noch heute abgeschafft!

Ain't got no how watchamacallit
03
22.2.2012, 11:14

überbleiben wird ein mit halber kraft gefahrenes akh mit reduziertem Personalstand, dem budget der MUW entsprechend. dieses personal wird dann entweder mittelmässig Klinik betreiben, oder für einen Hungerlohn "forschen"… mit den Mitteln die derzeit zur Verfügung gestellt werden gute international konkurrenzfähige Wissenschaft machen: unmöglich!! so ist auch hier recht eindeutig zu sehen dass Österreich keine wesentliche Fähigkeit zur Schaffung von Visionen, Konsens, aufrechter Menschlichkeit und Ehrlichkeit hat… was überbleibt: die Forderung nach Exzellenz, bei inexistenter Bereitschaft (Fähigkeit?) diese zu ermöglichen.

hot doc
04
23.2.2012, 11:02

also, abgesehen von einzelnen brillanten forschungsgruppen und einzelnen klinisch guten abteilungen bietet das akh sowohl in forschung, als auch in der medizin nur mittelmaß. und einige abteilungen nichtmal das. da gibts so manche "experten", deren kenntnisse so inferior sind, dass es beschämend für eine medizinuniversität, und bedrohlich für menschen, die glauben, dass sie dort die beste betreuung bekommen, ist.
wenn hier die gemeinde wien abrückt, ist das verständlich. wenn aber das wissenschaftsministerium nicht in die pflicht genommen wird, werden sich diese strukturen nie verbessern.

hot doc
07
23.2.2012, 10:49
wer hat angefangen?

im akh haben sich mafiöse strukturen entwickelt, wo bestimmte seilschaften dank universitärer "demokratie" die ganze macht in der hand haben - bzw. untereinander aufteilen. wer da nicht dabei ist, wird von ressourcen und geldern abgeschnitten. die lehrkanzelinhaber sind allzuoft weder brilliante forscher, noch gute führungspersönlichkeiten - und häufig auch mittelmäßige ärzte. der mittelbau beisst sich gegenseitig ob der kanppen ressourcen und der überbordenden routine - wer schreibt, der bleibt. wer sich um kranke kümmert, und studenten ausbildet, der wird geschaßt. dass diese strukturen von ominösen sektionschefs, welche ihre minister nach eigenen interessen manipulierten, ermöglicht wurden, muss auch gesagt werden.

aflen
01
Danke für die klaren Worte!

Schläft eigentlich das Wissenschaftsministerium?

hot doc
00

das war schon immer "partof the game". ich habe bisher namedropping vermieden, und werde es weiterhin tun, aber googelns mal unter sektionschef - bildungsministerium - universitäten.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
24.2.2012, 05:17
....du meine güte!....

Ain't got no how watchamacallit
01
22.2.2012, 11:08

was sich immer deutlicher herauskristallisiert hat: hier geht es nicht um geld, hier geht es vor allem um Befindlichkeiten von klientelorientierten Machtpolitikern und Bürokraten, und wir akh-ärztInnen (und da vor allem der junge untere Mittelbau ohne stimme, ohne rechte, ohne perspektive und mit voller arbeitslast) stehen in der Mitte des Gefechtes… die Stadt Wien möchte das akh das sich Großteils ihrer Kontrolle entzieht nicht zahlen; daher ein neues SMZ Nord bauen, das wird dann spitzenmedizin leisten und politisch geführt. das akh wird ausgehungert, denn Forschung sieht die Stadt Wien nicht als notwendig an um Wähler zu rekrutieren, aber wenn der mensch im SMZ Nord gesund gemacht wurde wählt er rot. was überbleiben wird:

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
21
22.2.2012, 17:29

- ärzte ohne ein sehr ausgeprägtes geldinteresse (inkl. geltungssucht) sind so häufig wie ozeane ohne wasser...

Franzi Petek
 
00
22.2.2012, 21:01
da reden sie wohl von etwas von dem sie nicht verstehen

wer unter den heutigen arbeitsbedingungen noch an die uni geht ist eine idealist aber alles andere als monetär fokusiert
ich lade sie herzlich ein mal mit den jungen ärzten am akh zu plaudern

Dr.Eisenbart
00
25.2.2012, 16:01
Idealist?

Das sind arrogante Primatoblasten...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
22.2.2012, 21:21

- das "vergnügen" mit ihren "jungen idealisten" hatte ich des öfteren!
Es sind nur wenige konstruktive ausnahmen darunter u. bemerkbar!

Franzi Petek
 
00
22.2.2012, 21:31
dann sind sie ihrer meinung nach nicht gut behandelt worden

in so einer situation ist es immer am besten sich mit den behandelten ärzten und ev dem patientenanwalt zusammenzusetzen und alles zu klären

is auch konstruktiver als im forum unsachlich rumzuschimpfen

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
22.2.2012, 22:46
Nur eine erfahrung als beispiel:

Mir wurde nach einem unfall in einem ö. krankenh. eine objektiv dringend benötigte ärztliche behandlung anscheinend vom arzt vorenthalten(!) (wohl um vorbeugend dem spitalserhalter geld zu ersparen - was natürlich unnachvollziehbar u. falsch war!)!

Nach dem wochenende schickte mich der von mir aufgesuchte, niedergelassener facharzt zurück ins selbe krankenhaus - worauf ich die benötigte behandlung zwar sehr spät aber doch noch erhielt...

Glauben sie ernsthaft, dass ein üblicherweise abwimmelnder patienten-"anwalt" u. ein weiteres gespräch mit dem patientenfeindlichen "arzt" irgendwem geholfen hätte?
Erfahrungsgemäss werden mündige patientInnen prinzipiell abgewimmelt, gefrozzelt, schikaniert o. ignoriert!
Das gilt es zu ändern!

stumpft der mensch vom gaffen ab?
00
23.2.2012, 18:49

und was war das fuer eine behandlung?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
23.2.2012, 20:45

- unterschenkelgips.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
23.2.2012, 20:50

- u. dieser vorfall fand nicht im akh statt.

Franzi Petek
 
00
23.2.2012, 13:32
und genau deshalb wehren wir uns gegen einsparungen

weil dadurch in zukunft noch weniger aerzte fuer sie im akh da sind

und die die da sind noch ueberarbeiteter sind

dh ihre versorgung wird schlechter

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
23.2.2012, 20:47
Systemfrage.

Werden noch mehr milliarden ins akh gesteckt wird der patient davon nichts bemerken - wie gehabt!!

Franzi Petek
 
00
23.2.2012, 21:08
darf ich fragen woher sich ihr wissen bezieht?

arbeiten sie in der verwaltung des akh oder der muw?

haben sie diesbezueglich fakten?

wenn ja wär ich an solchen effizienzrechenmodellen sehr interessiert

Franzi Petek
 
00
23.2.2012, 22:11
na wenn sie sich so für das thema interessieren

und fachlich kompetent sind, sollten sie ihr wissen dazu verwenden konstruktive verbesserungsvorschläge zu bringen

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
23.2.2012, 22:35
Ins salzamt?!

- sie wissen aber schon was "bei uns" anscheinend oft mit sozial engagierten fachleuten bzw. ombudsleuten (ich bin damit nicht gemeint!) gemacht wird...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
23.2.2012, 21:45

Quellen sind seriöse medien, auch patientenberichte, (mitfühlende) beobachtungen von mir als kritischer bürger über jahrzehnte, fallweise gespräche mit ärzten, studenten, persönliche eindrücke, erfahrungen als patient...

NoName100
12
22.2.2012, 10:26

wenn man bedenkt wieviele millionen und millarden für unnötige dinge verschwendet werden, ist es so unglaublich lächerlich und traurig, dass man bei der gesundheit sparen muss, weil 12 mio.! fehlen...das ist doch für ein land wie österreich beschämend...

eigentlich sollte man bei so einem betrag für so ein riesen krankenhaus garnicht darüber nachdenken müssen und das geld sofort auszahlen...

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