Babys können früher gezielt handeln als bisher gedacht

25. Februar 2012, 22:40
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Experimente zeigten: Sechs bis acht Monate alte Säuglinge lernen schnell, mit Blicken ein bestimmtes Ereignis auszulösen

Babys sind offenbar früher zu gezielter Handlung fähig als die Entwicklungspsychologie dies bisher angenommen hat: Experimente mit sechs bis acht Monate alten Kindern haben gezeigt, dass deren Gehirne bereits weit genug entwickelt ist, um schnell zu lernen, dass man mit zielgerichteten Blickbewegungen ein bestimmtes Ereignis auslösen kann.

Wissenschafter verfolgten mittels Eye-Trackern die Augenbewegungen von Säuglingen, mit denen diese einen Computer steuern konnten. Nach dem gezielten Betrachten eines roten Punktes auf dem Bildschirm wurde ihnen 0,6 Sekunden später ein Ton und ein wechselndes Tierbild präsentiert. Die Babys lernten überraschend schnell, mit ihrem Blick auf den roten "Knopf" das Tierbild abzurufen.

Und sie bekamen davon nicht genug: Innerhalb einer Minute holten die sechs Monate alten Säuglinge das Bild mit ihrem Blick rund 15 mal. Das ergaben Untersuchungen eines Forscherteams des Bernstein Fokus Neurotechnologie (BFNT) Frankfurt, des Frankfurt Institut for Advanced Studies (FIAS) und der Goethe-Universität Frankfurt.

Feinmotorik kommt erst später

Die Arbeiten geben neue Einblicke in die frühkindliche Entwicklung des Gehirns. Bisher wurden gezielte Handlungen von Säuglingen durch andere Bewegungen registriert, etwa durch Zeigen oder durch Drücken eines Schalters. Die Feinmotorik der Arme und Beine entwickelt sich aber erst im Alter von acht bis zehn Monaten soweit, dass die Kinder solche Bewegungen können. Daher waren Untersuchungen in früherem Lebensalter nicht möglich.

Das Forscherteam um den Kognitionsforscher Jochen Triesch (BFNT Frankfurt, FIAS, Goethe-Universität) und die Entwicklungspsychologin Monika Knopf (Goethe-Universität) nutzte Geräte zur Messung von Blickbewegungen (Eye-Tracker) bei den Säuglingen, da Kinder ihre Augenbewegungen schon mit etwa vier Monaten präzise kontrollieren. In den Experimenten zeigte sich, dass die Kinder diese Möglichkeiten auch gezielt nutzen: Schon nach wenigen Durchgängen blickten die Kinder auf die Stelle des Bildschirms, wo das neue Tierbild erscheinen sollte, noch bevor es tatsächlich da war.

Schneller als Erwachsene

Selbst auf einem Bildschirm mit zwei identisch aussehenden roten Knöpfen fanden sie schnell heraus, bei welchem das Tierbild erscheint und schauten gezielt dorthin - den Zusammenhang scheinen sie sogar schneller und präziser erfasst zu haben als eine Kontrollgruppe von erwachsenen Versuchspersonen, die den gleichen Test machten. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Online-Fachzeitschrift "PLoS One" veröffentlicht.

Das Eye-Tracking ermöglicht den Forschern, zielgerichtete Handlungen von Säuglingen noch vor der Entwicklung von Feinmotorik und Sprache zu untersuchen. "Damit kann die kindliche Entwicklung früher als bisher untersucht werden", erklärt Triesch und erwartet daraus Perspektiven für weitere Arbeiten zur Gehirnentwicklung: "Unter anderem wollen wir wissen, ob sich diese Methode auch für noch jüngere Säuglinge eignet." (red)

  • Gezielte Auswahl: Schon Säuglinge mit sechs Monaten lernen schnell, den 
richtigen virtuellen "Knopf" für ein Tierbild zu bedienen.
    foto: fias

    Gezielte Auswahl: Schon Säuglinge mit sechs Monaten lernen schnell, den richtigen virtuellen "Knopf" für ein Tierbild zu bedienen.

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