Car 2.0

Megabyte statt Breitreifen - Vorfahrt für Autoelektronik

21. Februar 2012, 13:59
  • Artikelbild
    foto: reuters

Autoelektronik wird noch wichtiger für Branche - IT erkennt Fahrer-Gesäß und Kolonnenverkehr

Autoentwickler brauchen künftig kaum mehr Benzin im Blut: Bits und Bytes sind längst wichtiger als PS und Drehmoment. Und die Elektronik wird nach Ansicht von Experten künftig noch rasanter zunehmen, nicht nur bei battriebetriebenen Wagen. "Elektronik ist heute im Auto der dominierende Faktor", sagt Hans Adlkofer, Chef des Automotive-Systems-Geschäfts beim Halbleiterkonzern Infineon.

"Bei den Fahrerassistenzsystemen wird in den nächsten Jahren noch einiges passieren."

Navigationssystem, Freisprechanlage, Einparkhilfe - was noch vor ein paar Jahren teure Extras waren, zählt heute fast schon zur selbstverständlichen Ausrüstung im Auto. "Bei den Fahrerassistenzsystemen wird in den nächsten Jahren noch einiges passieren." Autofahren soll so einfacher, sicherer und komfortabler werden und auf absehbare Zeit auch ohne eigenes Zutun möglich.

Mit Hilfe der Elektronik lassen sich Pkw immer individueller gestalten und automatisch auf den Fahrer einstellen. Japanische Forscher tüfteln beispielsweise an einem Gesäß-Scanner, der den Besitzer am Hinterteil erkennt. Sitzt ein Unbekannter am Steuer, springt der Wagen erst gar nicht an. Der schwedische Oberklasse-Hersteller Volvo testet Systeme, die seine Fahrzeuge automatisch bis 90 Stundenkilometer in Kolonne in sicherem Abstand hinter einem Lastwagen herzuckeln lässt.

"Man will bislang den Fahrer nicht aus der Verantwortung nehmen, auch aus versicherungstechnischen Gründen"

"Man könnte ein Auto autark fahren lassen. Das ist heute technisch möglich", sagt Infineon-Experte Adlkofer. In der im Bau befindlichen Musterstadt Masdar in Abu Dhabi wird seit mehr als einem Jahr das autonome Fahren getestet, mit Hilfe mehrerer Taxis ohne Fahrer und Lenkrad, dafür mit Autopilot. Mehr als 230.000 Fahrgäste wurden in den weißen, futuristisch aussehenden Kabinenrollern bereits befördert, allerdings auf einer eigenen Ebene unterhalb der normalen Straßen. Auf deutschen Autobahnen und Landstraßen ist das noch ferne Zukunft. "Man will bislang den Fahrer nicht aus der Verantwortung nehmen, auch aus versicherungstechnischen Gründen," sagt Adlkofer.

Blech

"Wir alle sehen, wie das vernetzte Fahrzeug Realität wird - unter dem Blech und über das Blech hinaus", sagt Matthias Klauda, technischer Direktor beim weltgrößten Autozulieferer Bosch. Das Auto werde künftig "eines von zahlreichen smarten Endgeräten in einer vollständig vernetzten Welt", meint Autoexperte Matthias Bentenrieder von der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Laut Experten gibt es derzeit weltweit rund 45 Millionen sogenannte connected cars, also Autos, bei denen die bordeigenen Systeme miteinander und mit anderen Fahrzeugen oder der Umgebung kommunizieren und so etwa Informationen über Staus austauschen oder die Internetnutzung im Wagen ermöglichen. Im Jahr 2016 soll Schätzungen zufolge bereits die große Mehrheit der weltweit verkauften Neuwagen vernetzt sein; rund 210 Millionen "connected cars" werden dann auf den Straßen dieser Welt rollen. Der größte Markt für vernetzte Fahrzeuge wird in Nordamerika gesehen, gefolgt von Westeuropa.

Pkw- und IT-Branche wittern ein riesiges Geschäft. Bereits heute stecken für 300 Dollar (226 Euro) Mikrochips in einem Durchschnittswagen. Den Leistungsunterschied zwischen etwa einem BMW 520i und dem stärkeren 528i bewirkt allein die Software, die Motoren sind baugleich. Und für die um 61 PS stärkere Variante 528i werden laut Listenpreis gut 5.000 Euro mehr fällig. Mit mehr Elektronik im Auto können die Pkw-Hersteller nicht nur höhere Renditen erzielen, sondern auch neue Kunden locken - besonders wichtig in den Automärkten des Westens, die als gesättigt gelten.

"Wir werden uns auf Dauer nicht leisten können, eine abgekoppelte Automobilelektronik zu betreiben."

Um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, müssen sich die Fahrzeugbauer bei neuen Angeboten - üblicherweise ist ein Automodell fünf bis sieben Jahre auf dem Markt - nach den weit schnelleren Abläufen der IT- und Elektronikbranche richten. "Die Automobilelektronik profitiert von der Konsumerelektronik und läuft ihr hinterher", sagt Bosch-Experte Klauda. "Wir werden uns auf Dauer nicht leisten können, eine abgekoppelte Automobilelektronik zu betreiben."

Außerdem drängen neue Akteure mit ihren Produkten unter Armaturenbrett und Motorhaube. Ende Februar eröffnet der Chipriese Intel in Karlsruhe sein weltweit erstes Entwicklungszentrum für Automobilchips und steigt damit in den Konkurrenzkampf mit angestammten Autozulieferern wie Infineon, Renesas oder STMicro ein. Experten erwarten, dass die Intel-Technologie zunächst Radio, Navigation und Kommunikation im Auto erobert und auch das Internet in die Fahrzeuge bringt. Allerdings dürften die Amerikaner schon bald das lukrative Geschäft mit ABS- oder Motorsteuerung anpeilen.

Praktisch jede IT-Innovation wandert früher oder später ins Auto. Sei es die iPod-Schnittstelle oder jüngst die weiße LED. Bisher vor allem als Designelement eingesetzt, können die Leuchtdioden laut Adlkofer mehr: "Wenn ein Fahrer zu aggressiv unterwegs ist, wird auf bläuliches Licht umgestellt, das beruhigend wirken soll. Dreht jemand die Heizung wärmer, wird das Licht rötlicher, was sofort einen Wärmeeindruck vermittelt." (Reuters)

Kommentar posten
22 Postings
meinemeinungist
02
22.2.2012, 14:11
JUHU!

..und auf absehbare Zeit auch ohne eigenes Zutun möglich.. ENDLICH.. betrunken Auto fahren!

YoungManKlaus
06
21.2.2012, 19:20
mah, danke standard ...

wegen dem bild hab ich jetzt gerade ne stunde lang wikipedia über knight rider gelesen (ach, die kindheitserinnerungen :))

SFO-VIE: The Weana in California
04
21.2.2012, 18:02

Denkt sich das Auto bei der Gesäß erkennung "net der Oasch scho wieda" ?

Der Eierbär
01
23.2.2012, 16:48

dann darf der öamtc nach den Weihnachtsfeiertagen noch öfter ausrücken.....

Idariod
00
22.2.2012, 14:24

Die Frage ist eher, was passiert, wenn es den Besitzer-Arsch nicht mehr erkennt...startet es dann nicht?
Geldbörsl in der falschen Hosentasche - kein Systemstart? Muss ich dann aussteigen, umstecken, wieder einsteigen damit es geht?
Fragen über Fragen...

081547112
00
21.2.2012, 16:36

vertan, ist die antwort auf

@ do siagstas

Do siagstas!
00
21.2.2012, 15:47

was ich geil find bei meinem mercedes ist die plötzliche stimme: "sie sind zu müde zum fahren, sie sollten eine Pause einlegen" - kA wie genau der das gecheckt hat, aber er hatte recht..

DonatelloXX
00
21.2.2012, 19:58
AttentionAssist

Der hat bei mir noch nie funktioniert. Ich habe gelesen, daß der das anhand der Lenkbewegungen und der Handhabung der Pedale erkennt.

Allerdings fahre ich sehr viel mit der Distronic womit die Pedale als Sensoren wegfallen. Dann bleibt nur mehr das Lenkrad und der Spurhalte-Assistent übrig.

Wie gesagt - entweder ist der bei mir kaputt oder ich war seiner Meinung noch nie so müde beim Fahren :-)

Faeryl
00
21.2.2012, 16:00

solche sachen werden mit sensoren, die bei den augen liegen, gemessen. es wird aufgezeichnet, wie oft wird geblinzelt, wird gegähnt, usw.

Befreier von Butter und Eier
00
22.2.2012, 08:53

Da kann man nur hoffen, das man kein Blinzler ist.

goxx
01
21.2.2012, 17:09

Sensoren, die bei den Augen liegen. Aha.

SollIDaWosSogn
00
21.2.2012, 15:59

Der sagt nur auf freundlich, dass ein Wiener (sofern ein W am Auto hängt) keine Berechtigung haben sollte, ein Auto zu lenken, um das Wohl der anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.
Falls du kein Wiener bist, dann meint er es so wie er es sagt und ermittelt deine Müdigkeit über deine Augenlider und Pupillen.

Do siagstas!
00
21.2.2012, 19:47

bin kein wiener und wüsste auch nicht wo die sensoren sein sollten

Doctor
00
22.2.2012, 08:31
das heißt

sie haben etwas gegen Wiener?

Do siagstas!
00
22.2.2012, 11:11

nur die klassischen vorurteile ;)

IncontinentIceweasel
00
22.2.2012, 09:10
Nein!

Zumindest nichts wirksames... ;)

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
21.2.2012, 14:59
zuerst wären mal reine Elektrofahrzeuge interessant ...

würde gerne rein elektrisch fahren wenn ich es mir leissten könnte ... von den Fahrstrecken her würde es passen, rund 120km am Tag ...
Navi brauch ich nicht - ist am Handy ...
Fahrasstistenen brauch ich auch keinen ...
Keinen Tempomat ect. denn autofahren macht Spass! ESP/ABS/... sind allerdings willkommen, wenn deaktivierbar!

the JJ
02
21.2.2012, 15:43

Ich hab den Mitsubishi i-MiEV (schrecklicher Name) schon mal Probe gefahren.

Vom Prinzip her ist es eigentlich ganz lässig, vor allem die Tatsache, dass ganz von Anfang an immer das volle Drehmoment vorhanden ist. Bergauf überholen, kein Problem.

Das einzige Problem, welches das Auto hat, ist, dass es vom Ausstattungsniveau her in einer Liga mit vielleicht einem VW UP! oder einem Hyundai i10 spielt, preislich aber eher mit A4/3er/C-Klasse konkurrieren könnte...

Aber ich hoffe das wird noch besser...momentan macht der Akku mehr als ein Drittel der Kosten aus, wenn man erst mal mit der Massenproduktion beginnt, wird sich das noch drastisch reduzieren...

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
21.2.2012, 15:59
aus Wikipedia:

Um 1900 waren in den USA 40 % der Automobile Dampfwagen, 38 % Elektrowagen und 22 % Benzinwagen. In New York gab es 1901 sogar 50 % Elektroautos und 30 % Dampfwagen; die restlichen waren Naphta-, Acetylen- und Pressluftwagen. Der Höhepunkt der Elektroautowelle wurde 1912 erreicht: 20 Hersteller bauten 33.842 Elektroautos.

Was ist da nur passiert, dass die Entwicklung von E-Autos um 1940 so abgestürzt ist ... hat da wohl jemand viel Geld für den 2. WK abgegeben und sich dadurch Benzin/Diesel/Erdölfressenden Verkehr für die nächsten 80 Jahre gesichert?

Doctor
01
22.2.2012, 08:39
Das problem ist die Ölindustrie

was glauben sie wer da aller daran profitiert und wieviel interesse die daran haben darauf zu verzichten :-)

12345 ... weiter weiss ich nicht!
00
21.2.2012, 15:56
da müsste es staatlichen Willen dazu benötigen ...

Mehrwertsteuer und NOVA für "Emissionsfreie" Fahrzeuge einfach weglassen und dann kommen wir schon in einen leistbaren Bereich!
Wäre voll auf zufrieden mit einem simplen Elektroauto und ich würde auch 15-25.000€ dafür zahlen können/wollen!

Genau das Drehmoment macht nämlich Spass!
Ich brauch keine "Benzinheizung" vorne im Motor ... elektrisch würde es ohnehin auch schneller warm werden im Innenraum ...

Ich sag nur Lohner Porsche ...
(der war leider nicht wirtschaftlich für jene, die damals die Gelder für Forschung und Entwicklung verteilten ... ) -> ebenso Tesla, welcher nie seine Forschungen fertigstellen konnte weil man damit kein Geld mehr machen hätte können (Teslaspule, kabellose Energieversorgung, ... )

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.