AK setzt auf Graustromnachweis

21. Februar 2012, 12:33
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Die Arbeiterkammer verlangt Herkunftszertifikate für Graustrom, Kernenergie soll nicht als Quelle anerkannt werden, die Kosten je Haushalt lägen bei 1,50 Euro

Wien - In Österreich wird seit längerem darüber diskutiert, wie man Atomstrom aus den Netzen verbannen kann, im Bundeskanzleramt wurden dazu bereits zwei "Energiegipfel" abgehalten. Ein gesetzliches Importverbot, wie dies Umweltschützer verlangen, stößt beim Wirtschaftsministerium auf Skepsis. Eine Alternative wäre, den sogenannten Graustrom mit Herkunftszertifikaten zu hinterlegen. Dafür spricht sich jetzt auch die Arbeiterkammer aus: Einen Haushalt würde dies nur 1,50 Euro im Jahr kosten.

"In Österreich müssen alle Stromlieferanten nachweisen, wann, wo und mit welchen Primärenergieträgern ihre Strommengen erzeugt wurden", erläuterte AK-Energieexpertin Dorothea Herzele am Dienstag in einer Aussendung. Trotzdem stammen rein rechnerisch knapp fünf Prozent des Stroms aus heimischen Steckdosen aus einem AKW im Ausland. Der Atomstrom verbirgt sich hinter dem sogenannten Graustrom, also Strom unbekannter Herkunft, den die Energieversorger an Strombörsen zukaufen. Dessen Anteil betrug im Vorjahr gemessen an der Gesamtabgabemenge 14,7 Prozent - ein Drittel davon ist eben Atomstrom.

Die AK verlangt nun ebenfalls Herkunftszertifikate für Graustrom, wobei Kernenergie nicht als Quelle anerkannt werden solle. "De facto hätte das die Wirkung eines Importverbots für Atomstrom", argumentiert die Kammer und fordert eine "faire" Aufteilung der Zertifikatskosten - maximal 24 Mio. Euro im Jahr - zwischen Industrie und Haushalten. Zumal ja hauptsächlich die Industrie Graustrom beziehe. Einem durchschnittlichen Haushalt würde nach AK-Rechnung praktisch keine Mehrbelastung entstehen - lediglich 1,50 Euro im Jahr wären zusätzlich zu berappen. "Eine Regelung braucht jedenfalls ausreichende Übergangsfristen", mit vermehrter Nachfrage stiegen auch die Zertifikatspreise, so Herzele.

Im für Energie zuständigen Wirtschaftsministerium will man von einer Kennzeichnungspflicht derweil nichts wissen. "Solange Atomstrom in Deutschland - Österreichs Haupthandelspartner bei Strom, Anm. - nicht gekennzeichnet ist, macht ein Alleingang keinen Sinn", sagte eine Sprecherin am Dienstag auf APA-Anfrage. Und eine gesetzliche Verankerung eines Importverbots von Nuklearenergie hielte man für unionsrechtswidrig. "Wir haben eine rechtliche Stellungnahme der EU-Kommission, wonach das gegen EU-Recht verstoßen würde." Die Einschätzung aus Brüssel war von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) angefordert worden und liegt seit Jänner vor. Umwelt-NGOs vertreten eine andere Rechtsmeinung, sie halten ein Graustrom- bzw. Atomstromimportverbot für rechtlich möglich. (APA)

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