Höhere Strafen

Faymann und Spindelegger wollen beim Schulschwänzen handeln

21. Februar 2012, 13:13
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    foto: apa/fohringer

    1.500 Euro sind ihr zu viel, eine Anpassung der Strafen kann sie sich Unterrichtsministerin Schmied durchaus vorstellen.

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    Umfrage zum Thema Schulpflichtverletzungen.

ÖVP für höhere Strafen - SPÖ will Motive erforschen - Unterrichtsministerin Schmied gegen "existenzgefährdende" Maßnahmen, aber für "Anpassung" der Strafen

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) sehen Handlungsbedarf, um Schulpflichtverletzungen entgegenzuwirken. Dem Vorstoß von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), die Strafen für Schulschwänzer auf 1.500 Euro zu erhöhen, will Faymann keinen Vorrang geben. Spindelegger verteidigte die Strafen, allerdings nicht als einzige Maßnahme.

Faymann erklärte, es dürfe über höhere Strafen geredet werden, wichtig sei aber, die Motive zu erforschen und sich mit dem Vollzug zu beschäftigen. Schon die jetzige Höchststrafe von 220 Euro werde nur zu zwei Prozent ausgeschöpft. SPÖ und ÖVP wollen mit drei Maßnahmen Schulschwänzen einschränken: verpflichtende Elterngespräche, Motivforschung und Vollzug der Strafen.

1.500 Euro "noch nicht Maximum"

Für Spindelegger sind Strafen Ausdruck dessen, dass Schulabbrechen ein verpöntes Verhalten sei. Der Vizekanzler kann sich offenbar auch noch höhere Strafen als die von Kurz genannten 1.500 Euro vorstellen: Dies sei "auch noch nicht das Maximum, an das man denken kann", sagte Spindelegger. Er wolle nicht, dass 10.000 Jugendliche pro Jahr keinen Schulabschluss haben. Es bestehe Einigkeit, dass es mehr Anstrengung brauche, um alle in Richtung Schulabschluss zu lenken.

Studie zu Schulpflicht-Verletzungen

Faymann betonte, man brauche ein Gesamtpaket von der Kinderbetreuung bis zum Jugendcoaching. Das Bildungsministerium werde eine Studie zu Schulpflichtverletzungen in Auftrag geben, um die Motive zu erforschen. Spindelegger kündigte Gespräche mit Kurz, Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und dem Wirtschafts- und dem Sozialminister an, "um sehr bald ein gemeinsames Paket vorlegen zu können".

Auch Schmied gesprächsbereit

Auch Unterrichtsministerin Schmied will über höhere Strafen für Schulschwänzer reden. Schmied sei "gesprächsbereit, ein sinnvolles Maßnahmenpaket zu schnüren, um die Zahl der Fälle von Schulpflichtverletzungen weiter zu reduzieren", sagt ihr Sprecher zu derStandard.at. Die Unterrichtsministerin spricht sich aber gegen "existenzgefährdende Strafen" aus. Die 1.500 Euro, die Integrationsstaatssekretär Kurz gefordert hat, sind für Schmied zu hoch. Sie kann sich aber vorstellen, die Höchststrafe von 220 Euro, die seit 1985 nicht angehoben wurde, "anzupassen".

Schmied befürchtet Teufelskreis

Zu hohe Strafen würden das Kind "noch tiefer in einen Teufelskreis aus Armut und Ausstieg aus der Gesellschaft und dem Bildungssystem hineintreiben". Das Unterrichtsministerium verweist auch darauf, dass die Landeshauptleute und nicht der Bund für die Einhaltung der Schulpflicht zuständig seien. "Warum bisher nur in zwei Prozent der Fälle die derzeitige Höchststrafe von 220 Euro zur Anwendung kam, wird mit den Landesbehörden noch zu diskutieren sein", heißt es.

Eltern sind nach dem Schulpflichtgesetz aus dem Jahr 1985 dazu verpflichtet, "für die Erfüllung der Schulpflicht, insbesondere für den regelmäßigen Schulbesuch und die Einhaltung der Schulordnung durch das Kind, Sorge zu tragen". Erscheint ein Kind lange nicht in der Schule und können weder Schule noch in der Folge das Jugendamt zu den Eltern durchdringen, erstattet Letzteres Anzeige bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde. Als Folge kann eine Verwaltungsstrafe von bis zu 220 Euro verhängt werden.

1.500 Verfahren wegen Schulpflicht-Verletzungen

Wie die APA berichtet, geht das Unterrichtsministerium derzeit von 1.500 Verfahren wegen Schulpflichtverletzungen aus. Falls die von Kurz hochgerechneten 1.800 Anzeigen von Schulpflichtverletzungen pro Jahr stimmten, würde das nur ein Promille der Schüler betreffen, sagt der Sprecher von Schmied. Eine parlamentarische Anfrage hat ergeben, dass im Jahr 2011 in Wien, Tirol, Vorarlberg, der Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland insgesamt 1.392 Verfahren liefen. In 729 Fällen kam es zu Strafbescheiden. Zahlen aus den übrigen Bundesländern sind nicht bekannt.

Fördermaßnahmen

Im Unterrichtsministerium betont man zudem, dass bei der Bekämpfung von Schulpflichtverletzungen das "Zusammenspiel der Institutionen, Behörden und Jugendwohlfahrt" wichtiger sei als Bestrafung. Zudem würde mit Eltern-Schüler-Lehrer-Gesprächen, Jugendcoaching, dem Ausbau der Schulpsychologie und der Ganztagsschulen sowie durch mehr Fördermaßnahmen für das Nachholen von Bildungsabschlüssen potenziellen Schulabbrechern geholfen.

Kurz verteidigt Forderung

Staatssekretär Kurz hat seine Forderung nach höheren Strafen in einer Aussendung am Dienstag bekräftigt. "Wenn Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken, dann muss das verpönt sein. Härtere Strafen sind ein Ausdruck des Unrechtsbewusstseins in unserer Gesellschaft und sollten auch zur Anwendung kommen", sagt Kurz. Zusätzlich sei aber ein "Bündel an Maßnahmen" nötig. Als Beispiele nannte der Staatssekretär verpflichtende Elterngespräche, Motivforschung, um eine bessere Prävention zu ermöglichen, und eine statistische Erhebung von Schulpflichtverletzungen.

Kurz verweist auf eine Umfrage des Gallup-Instituts vom November 2011 bei der 69 Prozent der Befragten angaben, dass es für die Förderung der Integration "eher zielführend" ist, wenn Schulpflichtverletzungen "härter bestraft" werden. Für die Umfrage wurden 500 Personen befragt, die Schwankungsbreite liegt bei 4,4 Prozent.

Die Diskussion über höhere Strafen für Schulschwänzer hatte Kurz aufgebracht, nachdem eine Studie der Universität Linz und der Arbeiterkammer Oberösterreich ergeben hatte, dass 75.000 Jugendliche ohne Job und Ausbildung sind. Studienautor Johann Bacher hat im Gespräch mit derStandard.at bereits betont, dass höhere Strafen für Schulschwänzer nicht dazu führen würden, dass diese Jugendlichen motivierter sind. Er fordert verschränkte Ganztagsschulen (also auch Unterricht am Nachmittag), um Defizite von sozial benachteiligten Jugendlichen auszugleichen, sowie eigene Programme für jene Jugendlichen, die bereits vorzeitig aus dem Schulsystem ausgeschieden sind. (lis/APA, derStandard.at, 21.2.2012)

Kommentar posten
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f.j.neffe
 
00
11.4.2012, 17:27
Strafe zeigt, dass man NICHT KANN.

Als Ich-kann-Schule-Lehrer akzeptiere ich Maßnahmen, wenn sie in der Hierarchie ZUERST nach oben angewandt werden. Wenn ein Kollege seinen Schulleiter erfolgreich nachsitzen ließ, würde ich mir den Versuch evtl. einmal beim Schüler ansehen.
Ansonsten weiß in der Ich-kann-Schule jedes kleine Kind, dass ErZIEHung mit DRUCK ErDRÜCKung ist. Lege ich eine Steinplatte aufs Gras, geht es darunter ein. Unter DRUCK wächst nichts. Wachstumsverhinderung kann doch wohl nicht ernsthaft als Ziel und Zeichen der Intelligenz der Pädagogik angesehen werden.
Jedes kleine Kind weiß in der Ich-kann-Schule, dass man nicht mit Druck, wohl aber mit SOG die Kräfte punktgenau lenken kann. Da heißt es für die Nichtkönner: LERNEN. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

Freigeistin1
10
27.2.2012, 08:02

Es müssen sehr wohl AUCH die Eltern in die Pflicht genommen werden!
Es kann doch nicht sein, dass man sich von einem 12, 13 jähr. schulpflichtigem Kind auf der Nase rumtanzen lässt!

Ausserdem besteht dieses Schwänzen-Problem wohl eher in der Grossstadt - dieses Problem ist also grösstenteils importiert.

Aso?Echt!
01
24.2.2012, 13:30
strafe für politiker

die bei
gemeinderats-
kommunalrats-
nationalsrats-
parlaments-
europarats-
stadtrats-
-sitzungen fehlen

Aso?Echt!
10
24.2.2012, 13:29
sinn - bessere bildung

wird kaum duch bestrafen von "bildungsunwilligen" bewirkt werden.
anderer ansatzpunkt, wenn schon övp-tyisch gestraft werden soll:
streichen/vermindern der schulzulage
streichen/vermindernder kinderbeihilfe
streichen/vermindernder familienbeihilfe
streichen/vermindern der arbeitslosenunterstützung
streichen von ORF abgabenfreistellung
streichen von kreditbeihilfen / förderungen
streichen/vermindern von allen weiteren vergünstigungen

ABER - das gefällt wahrscheinlich der övp, auch weil es "so kompliziert" durchzusetzen scheint, doch BESSERE BILDUNG BRINGTS AUCH NICHT
(es kann kurzfristig helfen, einbußen aus mangelnder volksbildung einzudämmen)

Aso?Echt!
10
24.2.2012, 13:23
övp ideologisch bedenklich

schulschwänzen mit geldstrafe ahnden ist DUMM
der "sinn" dadurch bildung zu fördern wird nicht erreicht
strafe trifft nicht-mündige kinder resp. deren eltern
sinn: övp-typisch rasch geld in ihre kasse zu bringen + der möglichkeit der staatlichen (legalen) exekutiion

Freigeistin1
00
27.2.2012, 08:03

Wieso? Wer keine Leistung bringt, soll auch nichts erhalten.
Die Eltern sind sehr wohl auch in die Pflicht zu nehmen sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Wer lässt sich bitte von einem minderjährigen Pflichtschüler auf der Nase rumtanzen? Den bring ich persönlich jeden Tag in die Schule wenns sein muss!

Simplicius Simplicissimus
00
23.2.2012, 13:10
Wann werden endlich ...

... die Nationalratsschwänzer belangt? Da würde die Strafe von 1500.- ungefähr angemessen sein.

Je m'appelle Mirabelle L.
 
00
22.2.2012, 22:52
das erinnert mich daran, dass

in der 7./8. immer wieder (tageweise) geschwänzt habe. so what? es wäre deswegen keine bessere schülerin aus mir geworden, hätte ich es nicht getan. meine eltern haben es gewusst. sie waren tolerant und unaufgeregt, gottlob. meinen weg bin ich trotzdem (stur) gegangen.
mein schwänzen war retrospektiv harmlos, aber entsprach einem bedürfnis. den stoff musste ich natürlich nachholen bzw. mir organisieren. selbst schuld.

ingeniosus
00
22.2.2012, 14:27
leider wird die ÖVP eine Strafpartei

Für eine staatstragende Partei ist es ein uwürdiges Armutszeugnis, wen sie Schulschwänzer bestrafen will. Das sind ja Methoden, wie wir sie vor 50 Jahren angewendet haben. Heute weiss man mehr.

Dabei haben Faymann und Schmied nun wirklich Recht, wenn sie modernere Methoden, wie Motivforschung, Situationsanalyse und gemeinsame Aktionen mit dem vermeintlichen Bösewicht vorschlagen.

Die ÖVP kriminalisiert und füllt die Gefängnisse, die bekanntlich mehr kosten als Schulen!

Eule9
00
22.2.2012, 10:42
Faymann und Spindelegger wollen beim Schulschwänzen handeln

Wann?
Nach der nächsten Wahl?

D/E
16
21.2.2012, 20:28
1. Es gibt in Ö. keine Schul-, sondern nur eine Unterrichtspflicht.

2. Strafhöhen sind ziemlich gleichgültig. Die Frage ist, ob die Schule rasch und konsequent reagieren kann. Schulschwänzen beginnt nicht am ersten Schultag.
3. Die Zahl der Problemfälle dürfte ziemlich konstant sein. Der Zeitaufwand, den sie verursachen, steigt jedoch exponentiell. So lange die Schule immer Erklärungsbedarf hat und jeden Schmarren dreimal dokumentieren muss, wird sich das nicht ändern.
4. Die SPÖ-nahen Bildungsschwätzer werden niemals Erziehungsmaßnahmen zulassen, die ÖVP-nahen werden nie zugeben, dass schulische "Leistung" oft genug zugekauft wird -- und dass die Problemfälle durchaus auch aus "Wohlstandsfamilien" stammen können.

sound and vision
20
25.2.2012, 13:25
vollkommen richtig:

"schulschwänzen beginnt nicht am ersten schultag", sondern erst, nachdem die schüler ein paar besonders üble exemplare von "lehrern" kennengelernt haben.

D/E
00
27.2.2012, 15:55
Ja, so einfach könnte die Welt sein.

Man muss sich nur in ein Vorurteil ganz fest verbohren.

vincent preis
00
22.2.2012, 17:00
es gäbe schon fachleute für ministerposten

man nimmt aber lieber ideologen oder gar banker.

G. Lavant
14
21.2.2012, 17:19
Und wieder einmal

machen wir eine neue Baustelle auf.
Jetzt haben wir wieder ein Thema, an dem sich unsere Bildungsexperten abarbeiten können und brauchen sich nicht mehr bemühen, die alten Baustellen zuzuschütten.
Was ist jetzt mit den überforderten und zu wenig ausgebildeten Kindergartenpädagoginnen.
Was ist mit den Volksschullehrerinnen, die Kinder mit Retrokonzepten unterrichten, der NMS, die an den A und B-Zug vor fünfzig Jahren anschließt.
Was ist mit der Testitis, die Multiple-Choice als Unterrichtsmethode betrachtet und einer Zentralmatura, die bestenfalls dahinhoppelt. Was ist mit den den Unis, die zu Produktionsstätten für normierte geistige Schrauben verkommen?
Alles bestens, denn morgen wird alles gut!

Eric der coole
03
21.2.2012, 18:55
jo

jede woche wird eine "andere sau" zum gaudium des publikums durchs dorf getrieben - zum schaden an unseren kindern

Bergdolm
02
21.2.2012, 16:58
Jetzt beschäftigt man sich mit "Nebenthemen"

weil man für die großen - gesellschaftlich bedeutenden - Dinge wie Verteilungsgerechtigkeit von "Vermögen - Einkommen - Arbeit" zu blöd und / oder zu feig ist.

"Schulschwänzen bestrafen" ist auf ähnlichem Niveau wie das Zigarettenautomaten-Thema der Nebenthemenprinzessin Glawischnig.

Nun sind Faymann und Spindelegger Nebenthemen-Kaiser bzw. -König. Strache hat ohnehin das Image des Hofnarrens, dem - leider - viele zujubeln.

Einzig der Gift-Pilz bringt die Sachen auf den Punkt, die wirklich sehr viele Österreicher extrem ärgern. Wenn er erfolgreich ist, spart er den Österreichern viel Geld, wenn die Korruption eingedämmt wird.

Phil Stein
00
21.2.2012, 21:09
Re

Der Gift-Pilz bringt vor allem seinen Geltungstrieb ein. Ich finde die Initiative von Herrn Kurz richtig, der Staat kann es schlicht ned tolerieren, dass Eltern ihre Kinder vom Schulunterricht abhalten!

keywords
00
22.2.2012, 10:02

ja.
aber wie viele fälle gibt es tatsächlich, die angezeigt werden?
und wenn, kann ich ihnen versichern, wird einfach die schule gewechselt.

strafen bringen genau null.

werthers leiden
10
21.2.2012, 16:53

Prügel wir endlich wieder Bildung ins Volk...

denkreal
24
21.2.2012, 16:48
Offene Wunde

Symptombekämpfung löst die Ursache nicht, scheuert die offene Wunde noch mehr auf. Es muss schon die Frage gestellt werden, warum Fernbleiben als die bessere Alternative gegenüber Drinbleiben im Unterricht wahrgenommen wird.

tennisplatzis
02
21.2.2012, 17:20

Z. B. weil es bequemer ist ?

denkreal
02
21.2.2012, 19:12
Schon auch

Hab ich auch gemacht. Ich hatte aber immer meine Perspektiven mit dabei. Die Jugendlichen aber, um die es hier geht, haben keine Aussicht auf irgendetwas. Mit Intelligenz hat das nicht zwangsläufig was zu tun, sondern eher mit „ins System falsch eingefädelt“. Also warum sollten sie dieses "noprospects-feeling" mit langweiligem Schulpflichtabsitzen kombinieren. Die Chancen auf Sinnerfüllung auf der Straße wird einfach höher eingeschätzt – ist doch bedenklich, oder?

keywords
00
22.2.2012, 10:03

es geht nicht nur um jugendliche. es geht nicht um jene, die ihre schulpflicht schon hinter sich haben.

auch volksschulkinder sind betroffen.

ra bau
10
21.2.2012, 16:46
kunden ?

schüler sind kunden, lehrer verkaufen bildung, intelligenz ist käuflich und die erde ist eine scheibe.
und alles im kapitalismus ist ein geschäft ?
wer kann es sich leisten, so ungebildet zu sein ?

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