Apples und Microsofts Kampf mit ungeliebten Journalisten

21. Februar 2012, 11:36
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US-IT-Giganten zeigen Medien nach kritischen Berichten die kalte Schulter - Ein zweischneidiges Schwert

Hat man das Glück, als Journalist eines unabhängigen Mediums tätig sein zu dürfen, muss man sich mit der Rolle anfreunden, nicht von jedem geliebt zu werden. Und sollte man eines Wochenendes die Worte "Du bist der meistgehasste Journalist bei uns" von einer Unternehmensmanagerin vernehmen, bleibt einem nichts anderes, als die Wahrheit zu antworten: "Es ist auch nicht meine Aufgabe, euch zu gefallen." Und wenngleich dieser Zwist auf lokaler Ebene zwischen einem gewissen WebStandard-Journalisten und einem US-IT-Giganten nicht eskalierte, sorgt die Verhaltensweise von IT-Konzernen gegenüber kritischen Medien auf internationaler Ebene zunehmend für Aufregung.

Ein Wurm zu viel im Apfel

In den USA stieß beispielsweise Apple jüngst ein "New York Times"-Bericht über die miserablen Arbeitsbedingungen in den Fabriken des Zulieferers Foxconn so sauer auf, dass man dem altehrwürdigen Blatt postwendend die kalte Schulter zeigte. Im Vorfeld zur Enthüllung des neuen Betriebssystems OS X 10.8 Mountain Lion wurde dem einstigen Nachrichtenliebling ein Interview mit Apple-Chef Tim Cook verwehrt. (Vorangegangene Berichte, wonach sogar der Zugang zum Presse-Briefing verweigert wurde, stellten sich hingegen als falsch heraus.) Die "NYT" wurde dadurch dennoch gezwungen, Stellungnahmen aus zweiter Hand heranzuziehen. Eine Maßnahme, die Apple bereits zwei Jahre zuvor beim Blog Gizmodo ergriff. Nach der Enthüllung eines iPhone-4-Prototyps schloss Apple Gawkers IT-Blog fortan von sämtlichen Pressekonferenzen aus.

Nicht weich geworden

In Deutschland stoßen sich Medien aktuell hingegen an Microsoft die Stirn. Ende Februar plant der Konzern eine Großveranstaltung zur Präsentation des Betriebssystems Windows 8 in Barcelona. Journalisten aus aller Welt werden eingeladen, die Neuerungen zu begutachten. Nicht mit dabei sein dürfen kurioserweise deutschsprachige IT-Medien - inklusive des im deutschsprachigen Raum wohl renommiertesten IT-Magazins "c't". In einem Beitrag monieren die Redakteure, Microsoft wolle "keine Fachjournalisten" vor Ort haben. Die Online-Schwester heise.de sieht darin eine Antwort auf kritische "c't"-Beiträge, in denen die Informationspolitik des Konzerns bezüglich Windows 8 in Frage gestellt wird. In Entwickler-Blogs würden "relativ wenige Neuigkeiten" vorgestellt, "die künstlich aufgeblasen werden, um durch schiere Textmenge den Eindruck umfassender Information zu erwecken", so "c't". Auch, vermutet heise, könnte Microsoft Angst vor Fach-Kritik am neuen Touch-Interface haben.

Spiel mit der Macht

Dass bei alledem menschliche Faktoren einfließen, kann wohl weder auf lokaler noch auf internationaler Ebene von der Hand gewiesen werden. Doch abseits persönlicher Vorlieben und Abneigungen von Journalisten und PR-Kräften stellt sich im immer größer werdenden Medienzirkus der IT-Welt die Frage, welchen Mehrwert die absichtliche Ausgrenzung führender Zeitungen bringt. Der Versuch, jene Stimmen verstummen zu lassen, denen die Leser aufgrund ihrer Unabhängigkeit Vertrauen schenken, kann sehr schnell nach hinten losgehen. Nach enthüllenden Berichten des Brachenblogs Kotaku im Jahr 2007 über Sonys Pläne, mit PlayStation Home eine virtuelle Welt für die PlayStation 3 zu starten, schloss der Elektronikkonzern den Blog von Interviews und Demos zum neuen Angebot aus. Mit der Folge, dass Sony für einige Wochen den Gram der Community auf sich zog. Es ist ein Machtspiel, das beide Seiten zu spielen wissen. (derStandard.at, 21.2.2012)

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    US-IT-Giganten zeigen Medien nach kritischen Berichten die kalte Schulter.

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