Jobbörsen wollen nicht "Richter" spielen

  • Das monatliche Bruttogehalt nach dem jeweiligen Kollektivvertrag ist verpflichtend anzugeben, sonst können Verwaltungsstrafen verhängt werden.
    foto: derstandard.at

    Das monatliche Bruttogehalt nach dem jeweiligen Kollektivvertrag ist verpflichtend anzugeben, sonst können Verwaltungsstrafen verhängt werden.

Je nach Jobbörse setzen 50 bis 90 Prozent der Kunden die gesetzlichen Vorgaben zum Mindestgehalt um - Beratung statt Verweigerung ist die Devise

Je nach Studie läuft es mal gut und dann wieder weniger gut. Zahlen sind oft Interpretationssache. Im Gegensatz zu gesetzlichen Bestimmungen, die sollten keinen Spielraum lassen. Fakt ist, dass Stellenanzeigen seit dem 1. Jänner verpflichtend die Angabe des Mindestgehalts enthalten müssen. Nicht alle, denn ausgenommen sind etwa Jobs auf Vorstandsebene, Positionen auf Werkvertragsbasis und in Branchen, die über keinen eigenen Kollektivvertrag oder ein gesetzliches Gehaltsschema verfügen. Ignoranten Firmen drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 360 Euro.

Wirkt die Abschreckung? derStandard.at hat sich bei Personaldienstleistern und Jobbörsen umgehört, wie sie sich gegenüber ihren Kunden verhalten - ob sie auf mangelhafte Inserate hinweisen oder Unternehmen einfach gewähren lassen und wie die Regelung fast ein Jahr nach ihrem Inkrafttreten (1. März 2011) und knapp zwei Monate nach Etablierung der Möglichkeit, Geldstrafen zu verhängen (1. Jänner 2012), funktioniert.

Kleine Betriebe säumiger

Rund 70 Prozent der Kunden setzen das Gesetz um, meint Oliver Wilken von Job-Consult. Probleme ortet er bei kleineren Betrieben: "Nach unserem Eindruck sind es vor allem mittelständische und große Unternehmen sowie Personalvermittlungsunternehmen, denen die Bestimmungen bekannt sind." Eine Jobbörse könne zwar Aufklärungsarbeit leisten, letztendlich seien aber die Firmen für die korrekte Umsetzung verantwortlich. Bei monster.at ist die Informationsoffensive für die Kunden schon seit einigen Wochen im Gange, sagt Barbara Riedl-Wiesinger. Sie schätzt, dass derzeit etwa die Hälfte aller Anzeigen Gehaltsangaben enthalten. "Wir sehen, dass generell noch Unsicherheit herrscht - vor allem bei den KMUs." Sie vertraut auf den Faktor Zeit, "damit Lerneffekte entstehen können".

Strafe auf eigene Verantwortung

Von Informationsarbeit in puncto Transparenz ist auch bei karriere.at die Rede. "In Wellen" und seit einigen Monaten, wie Geschäftsführer Jürgen Smid berichtet. Das Resultat? "Rund 70 Prozent der seit Jahresbeginn veröffentlichten Stelleninserate sind mit den verpflichtenden KV-Mindestgehaltsangaben versehen." Bevor ein Inserat online geht, werde es nach gewissen Qualitätskriterien geprüft, so Smid. Kunden werden darauf aufmerksam gemacht, wenn sie auf die gesetzliche Verpflichtung "vergessen" haben. Sollte ihnen das egal sein, gehen sie "eigenverantwortlich das Risiko einer Verwaltungsstrafe ein".

"Halten uns an gesetzliche Vorgaben"

"Keine Alternative" haben die Kunden von Lindlpower Personalmanagement. Sie müssten sich bei ihren Inseraten an den Bestimmungen orientieren, so Manuela Lindlbauer. Und zwar "ausnahmslos", denn: "Wir halten uns an gesetzliche Vorgaben." Vorgaben, die vor allem von Konzernen und großen Unternehmen laut Lindlbauer bereits jetzt "zu 100 Prozent" umgesetzt werden.

Viele Formulierungsmöglichkeiten

Von ähnlichen Werten erzählt auch Florens Eblinger von Eblinger & Partner. Er schätzt, dass sich aktuell 80 Prozent der Firmen gesetzeskonform verhalten, im Human-Resources-Bereich wüssten sowieso alle Bescheid. Es sei Aufgabe seiner Personalberatungsagentur, die Klienten mit Empfehlungen hinsichtlich der richtigen Formulierung zu versorgen. "Da es keine Erfahrung mit der offenen Kommunikation von Gehältern gibt, versuchen allerdings viele Firmen zunächst sehr vorsichtig und defensiv zu agieren." Außerdem, so Eblinger, gebe es eine "Fülle an unterschiedlichen Formulierungsmöglichkeiten", die viel "Spielraum" gewährten. Als "Berater" sei man bemüht, eine "saubere Gehaltsbandbreite darzustellen".

Gegen freiwillige Selbstverpflichtung

"Der Informationsstand ist sehr hoch", sagt Markus Fallenböck vom Personaldienstleister Iventa: "Wir haben unsere Kunden flächendeckend informiert - das erste Mal im Februar 2011 und dann nochmals massiv im November 2011." Er glaubt, dass bereits jetzt 90 Prozent der Anzeigen die Gehaltsinfos enthalten. Von einer Art freiwilligen Selbstverpflichtung, die Annahme von nicht gesetzeskonformen Inseraten zu verweigern, hält er nichts: "Das steht uns als Agentur nicht zu. Wir sehen uns als Dienstleister und Berater unserer Kunden." Letztlich sei es die Entscheidung des Auftraggebers, ob er diese Klausel verwendet oder nicht.

Defizite auch noch bei Medien

Differenzierter fällt die Bilanz von Margareta Holz von Deloitte aus: "Fast alle sind darüber informiert, wollen jedoch ungern das Gehalt angeben", resümiert sie und sieht vor allem bei "eigentümergeführten Unternehmen" noch große Vorbehalte gegenüber der Regelung. Informationsdefizite identifiziert sie aber auch bei jenen, die es eigentlich wissen müssten: "Nicht alle Tageszeitungen kennen die detaillierten Bestimmungen." Als Agentur müsse man den Kunden die klare Botschaft kommunizieren, dass es keine Empfehlung, sondern eine gesetzliche Verpflichtung sei, rät Holz. Die Vorschläge würden dann zumeist auch angenommen.

Drehscheibe von Angebot und Nachfrage

"Nicht die Rolle des Richters" übernehmen möchte Sylvia Dellantonio von willhaben.at. Deswegen komme eine Ablehnung von lückenhaften Anzeigen auch nicht infrage: "Wir fungieren als Drehscheibe von Angebot und Nachfrage." Information statt Verweigerung laute die Devise: "Wir machen Kunden darauf aufmerksam, dass sie mit Konsequenzen zu rechnen haben." Die meisten würden sich daran halten, allgemein gilt: "Je größer das Unternehmen, desto genauer der Wissensstand."

Administration wäre Zusatzaufwand

"Wir schätzen, dass sich über 90 Prozent an die Vorgaben halten", bilanziert Manuela Fischer vom Jobportal careesma.at. "Dass es das Gesetz gibt, wissen fast alle Kunden." Das sei auch eine Folge der intensiven Aufklärungsarbeit der letzten Monate, und: "Auch alle neuen Kunden werden vor Freigabe der Inserate auf das Gesetz hingewiesen und um Angabe von Gehaltsinformationen gebeten." Die finale Entscheidung, die Angabe wegzulassen, solle jedoch im Verantwortungsbereich der Unternehmen - und nicht der Medien - bleiben. Sonst wären Stellenmärkte mit zusätzlichem "administrativen Aufwand" konfrontiert. (om, derStandard.at, 21.2.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 93
1 2 3
Bei BMW Austria wäre das auch kein Nachteil

1. Ersten Job „Mitarbeiter/in Service Prozesse, Technischer Support und Händlerentwicklung“ – aufklappen.
2. Runterscrollen.
3. Gehalt anschauen.

http://www.bmw.at/de/footer... riere.html

Premiumgehalt!

"In Abhängigkeit von beruflicher Qualifikation und Erfahrung ist eine marktkonforme Überzahlung vorgesehen." ist widerum eindeutig.

Ein Inserat mit BMW Gebrauchtwagen ab 1.388 Euro, mehrere Modelle lagernd ist ebenso nichtssagend wie diese Anzeige. Hoffe da bewirbt sich kein Mensch für diese Frotzelei.

So nebenbei, der KV für einen Kfz-Mechaniker/Mechatroniker mit LAP ist sogar im Gewerbe schon über 1.700 Euro, also ist diese Anzeige meiner Meinung nach schon rechtswidrig bzw. nicht regelkonform.

"Hoffe da bewirbt sich kein Mensch für diese Frotzelei."

Es ist zu erwarten, dass es viele tun. Die können wahrscheinlich besser mit dieser "Unsicherheit" umgehen als jene die es nicht tun.

Das KV-Thema erklärt sich vermutlich daraus, dass es bei Unternehmen dieser Grösse oft mehrere KV's nebeneinander gibt.

wie gesagt, die lebenserhaltungskosten in salzburg sind auch nicht gerade ohne.

ich gehe davon aus dass die bmw austria zentrale in salzburg (ausschreibende stelle) nur einen kollektivvertrag hat. alles fremde (kantine, reinigungspersonal) ist inzwischen ja in schlechtere kollektivverträge outgesourced.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Sie wirklich nicht wissen dass auf unterschiedliche Organisationseinheiten in ein und dem selben Unternehmen auch unterschiedliche KV's anwendbar sein können.

"ich gehe davon aus dass die bmw austria zentrale in salzburg (ausschreibende stelle) nur einen kollektivvertrag hat."

1) Warum gehen SIe davon aus?

2) Aufgrund welcher Fakten gehen Sie davon aus, dass der Metallindustrie sein sollte?

ich finde die Regelung...

... nicht so schlecht. Zumindest muss man im Inserat schon mal über Geld sprechen.

Unternehmen die wirklich gute Leute und interessante Kandidaten wollten, werden es sich nach und nach gut überlegen, ob Sie "Bezahlung nach Kollektivvertrag" - schreiben sollten.

Der Kandidat kann aus den Inseraten schon erahnen ob das Unternehmen vorrangig einen billigen Mitarbeiter sucht oder ob der Preis sekundär ist.

Man spricht über Geld - aber oft an der Realität vorbei.

So als ob der Autohändler sagt "Wir haben Autos ab 1000 EUR". Klar, die gibt's auch - aber alle wissen, dass Sie nicht ein Auto um 1000 EUR kaufen werden. ;-)

Ihr Vorposter hat schon recht: wenn ein Unternehmen für eine qualifizerte Stelle "ab 15.000 Euro, Bereitschaft zur Überzahlung besteht" hinschreibt, ist das für mich ein deutliches Zeichen, nichts mit dem Unternehmen zu tun haben zu wollen. Das ist einfach nicht seriös; wenn die geforderten Qualifikationen ein gewisses Mindestgehalt rechtfertigen, dann schreibt man das doch der Einfachkeit halber rein, fertig.

Naja - dann ist es ein zusätzlicher Vorselektionsprozess - es gibt ja für die meisten Jobs sowieso ausreichend qualifizierte Berwerber.

Ja, beidseitig. Manche schreiben direkt was Realistisches, also mind. das Doppelte rein und haben dadurch sicher besser selbstselektierte Bewerber.

Ich hab mich nie darum gekümmert, welche Gehälter angeboten waren. Und bin damit gut gefahren. Wichtig ist, ins Gespräch zu kommen.

Je nach...

... Je nach Studie läuft es mal gut und dann wieder weniger gut.

Made my day

mein neffe erzählte mir das in seinem...

arbeitsvertrag sein gehalt inkl. aller überstunden angeführt ist. wieviele unbezahlte überstunden müsste er machen ? hat jemand ahnung ?...
es wäre doch eine schöne arbeit für die gewerschaftsführer wenn alle arbeitsverträge vorher von ihnen begutachtet und genehmigt werden müssten. meine nachbarin ist auch ein working poor. ein paar cent über den kollektiv, teilzeit beschäftigte die stets bereit sein muß. alleine die fahrtkosten fressen ihr 1/3 vom kläglichen gehalt... hier liebe regierung ansetzen und nicht schutzverträge für das gesindel in euren reihen schaffen !!!

Wenn#s pauschal ist:

Nicht mehr, als dass sein Gehalt unter das KV-Mindestgehalt fällt, wenn er es auf den Stundensatz umrechnet.

Und wenn halt mal keine anfallen, auch keine - und er bekommt die Pauschale trotzdem.

----

Es sei denn es gibt irgendwo eine Betriebsvereinbarung oder so dazu, in der das festgelegt ist.

Gewerkschaft oder AK beraten dazu gerne - und ist in dem Fall zu empfehlen.

die angaben in den inseraten sind eine farce, und für nichts zu gebrauchen, da sie durchgehend nicht dem realen entsprechen, somit ist das eigentlich völlig in die hose gegangen. wiedermal hat sich gezeigt, dass österreich(er) eines so sehr scheuen wie der teufel das weihwasser, nämlich TRANSPARENZ. ein ganz ein schwieriges wort für verdruckte austrianer.

Warum sollten's in Inserate reinschreiben, was Sie zu zahlen bereit sind? So wirklich Sinn macht's ja nicht.

Ich finde die Angabe des Mindestgehalts für ...

...zumindest interessant.

Zuletzt hat mich eine "Jobzuweisung" des AMS amüsiert, wo ein Bruttogehalt angegeben war, das eh nur um ca. 700,- Euro brutto unter dem entsprechenden Kollektivvertrag war. ;-)

Macht gleich ein super Bild von dieser Firma, entsprechend kann man dann gleich beim Zwangsbewerbungsgespräch auftreten, nämlich sehr zwanglos. ;-)

Ich finde es auf jeden Fall nicht blöd, in einer Zeit wo alle eh nur mehr Kollektivvertrag zahlen möchten sehe ich gleich ob die Firma bereit ist ein bisserl was draufzulegen. (Steht dann meistens dabei) Oder ob dort wenigstens der Kollektivvertrag bekannt ist, was schon mal ein interessanter Indikator für die Personalführung im jeweiligen Betrieb ist....

Angaben zu Kollektivvertrag sind sinnlos

viel besser wäre die Angabe des tatsächlich bezahlten Gehaltes mit Bandbreite für individuelle Faktoren

Überzahlung möglich, das

bedeutet wiederum all inclusive. Die Arbeitnehmer freuen sich ganz besonders, wenn etwaige Überstunden bereits inkludiert sind und kollektivvertragliche Gehaltsanpassungen als Gehaltserhöhung für den nötigen Motivationsschub verkauft werden - danke! Wir lieben die Großzügigkeit unserer Arbeitgeber!

"Überzahlung möglich, das
bedeutet wiederum all inclusive"

Das stimmt nicht,. Gerade in schlechten KVs kommen's ohne Pauschale trotzdem oft auf hohe Überzahlungen.

Die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun.

Habe es nachrechnen lassen

Sie haben es in einem Fall nachrechnen lassen?

Daraus können's doch nicht generalisieren, dass das immer so wäre.

ja, einen konkreten Fall. Ich beobachte die Anwesenheit von Freunden und Kollegen, das kann sich nicht ausgehen, die sitzen mehr als 45 - 60 Std. in der Woche in der Firma. Am Wochenende und im Urlaub beantworten sie ihre E-Mails, dass ist auch Arbeitszeit.

Posting 1 bis 25 von 93
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.