Strafen für Schulschwänzer: Danebengegriffen

Kommentar20. Februar 2012, 19:13
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Am eigentlichen Problem, dass hier eine "No Future"-Generation heranwächst, ändert Kurz' Vorschlag gar nichts

Sebastian Kurz ist fraglos eines der größten politischen Nachwuchstalente, das die ÖVP derzeit vorzuweisen hat. Besonders groß ist die Konkurrenz zwar nicht, aber es ist anzuerkennen, wie der junge Profi-Politiker bisher das Amt des Integrationsstaatssekretärs anlegte: Er arbeitete sich mit Fleiß ein, hörte zu und stellte die richtigen Fragen. Auf diese Weise erarbeitete sich Kurz langsam das Vertrauen der Migranten-Community, die seit Jahrzehnten jeden Anlass zu größtem Misstrauen gegenüber der österreichischen Politik und Politikern hat.

Mit seinem jüngsten Vorschlag hat sich Kurz aber gleich wieder einiges verdorben. Die flapsig und berechnend in der Kronen Zeitung lancierte Idee, notorische Schulverweigerer und deren Eltern mit saftigen Geldstrafen zu belegen, wird nicht nur vom Koalitionspartner, sondern auch von Experten als nicht zielführend kritisiert. Denn am eigentlichen Problem, dass hier eine "No Future"-Generation heranwächst, ändert das gar nichts. Das weiß Kurz genau, trotzdem konnte er der Versuchung nicht widerstehen, vorzeitig ein paar billige Wahlkampfpunkte zu machen. Entweder hat der Staatssekretär doch noch nicht durchschaut, wie groß und komplex die Probleme derer sind, die sich in der dritten Generation in diesem Land noch immer nicht erwünscht und angekommen fühlen. Oder ihm geht es nur um "Image" - dann hat er, im Lichte seiner bisherigen Profilschärfung, gründlich danebengegriffen.

 

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