Laut aktueller OECD-Studie sind Diskriminierung und fehlende Transparenz am Arbeitsmarkt große Hürden - selbst für gut ausgebildete Migranten
Wien/Graz - Mangelnde Koordination auf Bundesebene, zu wenig Transparenz
der Systeme am Arbeitsmarkt, Diskriminierung und Hindernisse bei der
Anerkennung von Qualifikationen: das sind laut einer Studie der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
die dem Standard vorliegt, die größten Hürden für Menschen mit
Migrationshintergrund und deren Kinder auf Österreichs Arbeitsmarkt.
Thomas Liebig, OECD-Integrationsexperte, der die Studie mit seiner
Kollegin Karolin Krause im Auftrag der steirischen
Integrationslandesrätin Bettina Vollath (SP) und des Flüchtlingsvereins
Zebra erstellte, räumte bei der Präsentation vor Experten am Freitag in
Graz aber ein, dass die Installation eines Integrationsstaatssekretärs
ein erster Schritt in die richtige Richtung sei. Allerdings müsse man
auch Diskriminierung als Problem am Arbeitsmarkt bewusster wahrnehmen.
Integrationsrahmen in Österreich wenig entwickelt
In Österreich wurden 17 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in einem
anderen Land geboren, fasst Liebig in der Studie zusammen, "womit
Österreich innerhalb der OECD 2010 einen der höchsten Anteile von
Migranten im Erwerbsalter aufwies". Unter diesen 17 Prozent ist die
Arbeitslosigkeit aber auch besonders hoch. Und: Trotz des relativ großen
Anteils von Menschen, die selbst oder deren Eltern im Ausland geboren
wurden, "ist insgesamt der Integrationsrahmen in Österreich weniger
entwickelt als in den anderen bislang von der OECD überprüften Ländern".
Bei Männern im Alter zwischen 15 und 64 Jahren liegt die
Beschäftigungsquote bei in Österreich geborenen mit 78,5 Prozent
deutlich über jener von im Ausland Geborenen mit 73,6 Prozent. Im
Vergleich liegt Österreich damit im Mittelfeld der OECD-Länder, während
etwa in Kanada der Unterschied zwischen Zuwanderern und Kanadiern im
Promillebereich liegt und in den Niederlanden die Quote um zehn Prozent
auseinanderklafft.
In Wien, wo die meisten Migranten im erwerbsfähigen Alter leben, sind
die Arbeitsmarktbedingungen auch am schlechtesten. Für Frauen mit
Migrationshintergrund sind die Chancen am Arbeitsmarkt in allen
Bundesländern noch schlechter.
Kein strukturiertes Integrationsprogramm
Doch anders als andere OECD-Länder "hat Österreich auf Bundesebene kein
strukturiertes Integrationsprogramm für Neuzuwanderer. Der einzige
größere Budgetposten, der unmittelbar der Arbeitsmarkteingliederung von
Migranten zugeordnet werden kann, betrifft die Deutschkurse", führte
Liebig aus.
Zumindest drei der Empfehlungen, die Liebig und Krause aus ihrer Arbeit
ableiteten, waren in der Steiermark bereits vor der Präsentation der
Studie auf Schiene: Im April wird die erste Anti-Diskriminierungsstelle
des Landes eröffnet, das Projekt "Anerkannt" soll Migranten künftig bei
Nostrifizierungen ihrer im Ausland gemachten Bildungsabschlüsse helfen.
Die frühkindliche Sprachförderung soll - wie berichtet - bundesweit
ausgebaut werden. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2012)