Es wird befürchtet, dass die Frau "in Österreich bleiben wolle"
Wien - Zwischen dem Verteidigungs- und dem Außenministerium ist der
Hausfrieden etwas aus der Horizontalen geraten. Der Grund: Ein
verweigertes Visum für Janet Arach, eine ehemalige Kindersoldatin, die
für eine Aktionswoche zu diesem Thema im Heeresgeschichtlichen Museum
(HGM) aus ihrer Heimat Uganda nach Wien kommen sollte.
Seit drei Jahren erzählen Betroffene Schülern von ihrer Geschichte. "Das
Interesse steigt jedes Jahr, heuer waren es 1800 Kinder und Jugendliche"
, sagt Georg Rütgen, der Projektleiter. "Heuer sind wir mit der
Österreichisch-Ugandischen Gesellschaft in Kontakt getreten und in
weiterer Folge mit Frau Arach."
Die aus zweierlei Gründen besonders interessant ist. Einerseits kann sie
das Schicksal einer Kindersoldatin aus weiblicher Sicht schildern. Und
andererseits war sie die Frau von Joseph Kony, dem Anführer der "Lords
Resistance Army", der in Uganda einen christlich fundamentalistischen
Staat einführen will.
Der Plan, seine Ex-Frau nach Österreich zu bringen, scheiterte
allerdings an der Bürokratie. "Der österreichische Honorarkonsul war
noch sehr kooperativ und hat mit der deutschen Botschaft vor Ort, die
für Schengen-Visa zuständig ist, verhandelt", erzählt Rütgen. Man habe
Frau Arach auch Geld überwiesen, da sie einen Reisepass benötigte und
die Fahrten in die Hauptstadt Kampala teuer sind. "Dann hieß es
plötzlich, die Botschaft in Addis Abeba sei zuständig." Die ist über
1200 Kilometer entfernt.
Organisiert hatte das HGM bereits alles - die Flüge und Hotel waren
reserviert, die vorgeschriebenen Versicherungen abgeschlossen. "Ihr
wurde schließlich aber gesagt, dass das Datum ihrer Einreise in den
Schengenraum nicht mit dem in der Einladung übereinstimme", sagt Rütgen.
"Im Brief stand der 12. Februar, ihr Flug wäre am 11. Februar kurz vor
Mitternacht in Brüssel gelandet", schildert er. Inoffiziell sei zu
hören, man habe Angst gehabt, dass die Frau in Österreich bleiben wolle. "
Dabei hat sie zwei Kinder in Uganda."
Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal, beurteilt die
Angelegenheit als unglücklich. Denn tatsächlich habe die deutsche
Botschaft den Visums-Antrag abgelehnt und dann die österreichische in
Äthiopien verständigt. Die habe sich der deutschen Meinung angeschlossen
und möglicherweise nicht erkannt, dass es sich um die Einladung eines
Museums handelt. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 21.2.2012)