Zwei Ministerien im Clinch um Visum für Ex-Kindersoldatin

20. Februar 2012, 21:27
21 Postings

Es wird befürchtet, dass die Frau "in Österreich bleiben wolle"

Wien -  Zwischen dem Verteidigungs- und dem Außenministerium ist der Hausfrieden etwas aus der Horizontalen geraten. Der Grund: Ein verweigertes Visum für Janet Arach, eine ehemalige Kindersoldatin, die für eine Aktionswoche zu diesem Thema im Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) aus ihrer Heimat Uganda nach Wien kommen sollte.

Seit drei Jahren erzählen Betroffene Schülern von ihrer Geschichte. "Das Interesse steigt jedes Jahr, heuer waren es 1800 Kinder und Jugendliche" , sagt Georg Rütgen, der Projektleiter. "Heuer sind wir mit der Österreichisch-Ugandischen Gesellschaft in Kontakt getreten und in weiterer Folge mit Frau Arach."

Die aus zweierlei Gründen besonders interessant ist. Einerseits kann sie das Schicksal einer Kindersoldatin aus weiblicher Sicht schildern. Und andererseits war sie die Frau von Joseph Kony, dem Anführer der "Lords Resistance Army", der in Uganda einen christlich fundamentalistischen Staat einführen will.

Der Plan, seine Ex-Frau nach Österreich zu bringen, scheiterte allerdings an der Bürokratie. "Der österreichische Honorarkonsul war noch sehr kooperativ und hat mit der deutschen Botschaft vor Ort, die für Schengen-Visa zuständig ist, verhandelt", erzählt Rütgen. Man habe Frau Arach auch Geld überwiesen, da sie einen Reisepass benötigte und die Fahrten in die Hauptstadt Kampala teuer sind. "Dann hieß es plötzlich, die Botschaft in Addis Abeba sei zuständig." Die ist über 1200 Kilometer entfernt.

Organisiert hatte das HGM bereits alles - die Flüge und Hotel waren reserviert, die vorgeschriebenen Versicherungen abgeschlossen. "Ihr wurde schließlich aber gesagt, dass das Datum ihrer Einreise in den Schengenraum nicht mit dem in der Einladung übereinstimme", sagt Rütgen.

"Im Brief stand der 12. Februar, ihr Flug wäre am 11. Februar kurz vor Mitternacht in Brüssel gelandet", schildert er. Inoffiziell sei zu hören, man habe Angst gehabt, dass die Frau in Österreich bleiben wolle. " Dabei hat sie zwei Kinder in Uganda."

Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal, beurteilt die Angelegenheit als unglücklich. Denn tatsächlich habe die deutsche Botschaft den Visums-Antrag abgelehnt und dann die österreichische in Äthiopien verständigt. Die habe sich der deutschen Meinung angeschlossen und möglicherweise nicht erkannt, dass es sich um die Einladung eines Museums handelt. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 21.2.2012)

Share if you care.