Möglicherweise erhält keiner der Bewerber die erforderlichen 1144 Delegiertenstimmen
Rick Santorum ist der inzwischen fünfte "Anti-Romney", der in den
Umfragen zu den republikanischen Vorwahlen ganz oben auf der
Sympathiewelle reitet. Der erzkonservative Senator liegt nicht nur
bundesweit deutlich voran, sondern auch in Michigan, wo in genau einer
Woche die nächste Primary stattfindet. Für Mitt Romney ist vor allem
Letzteres peinlich, denn er ist in diesem Bundesstaat geboren und
aufgewachsen. Treffen die Umfragen zu, dann mögen ihn die Wähler nicht
einmal in seinem alten Heimatstaat leiden.
Die Frage für Santorum ist, wie schon bei Newt Gingrich, Herman Cain,
Rick Perry und Michele Bachmann, wie lange das Hoch denn anhalten wird.
Ergeht es ihm wie seinen Vorgängern als Frontrunner, könnte die
Popularität in einigen Wochen perdu und Romney wieder an der Spitze des
republikanischen Bewerberfeldes sein. Grund zur Aufgabe wird das für
Santorum dennoch nicht sein. Denn so wie Gingrich kann er umso mehr
Profil gewinnen, je länger er im Kandidatensuchspiel bleibt.
Ergebnis einer ewigen Vorwahl, spekulieren Beobachter, könnte ein
republikanischer Parteitag sein, bei dem keiner der Bewerber die
erforderlichen 1144 Delegiertenstimmen für die Nominierung hat (Romney
liegt derzeit bei gerade einmal 123). Dann sei es gut möglich, dass es
keiner der Vorwahlkämpfer wird, sondern eine Art "republikanisches
Kaninchen", das sich quasi selbst aus dem Hut zaubert. (DER STANDARD Printausgabe, 21.2.2012)