Kündigungsabgabe ohne größeren Lenkungseffekt

20. Februar 2012, 18:43

Ausnahmen für Praktikanten, Lehrlinge, freie Mitarbeiter

Wien - Nur einen geringfügigen Lenkungseffekt erwartet sich die Regierung von der neuen Kündigungsabgabe in Höhe von 110 Euro pro Kopf. Das kurzfristige Parken von Mitarbeitern beim AMS, etwa durch Leiharbeitsfirmen, werde aber zum Teil unwirtschaftlich bzw. zumindest weniger attraktiv, heißt es in dem nun fertigen Gesetzesentwurf. Das Sozialministerium rechnet damit, dass zumindest sechs Prozent der Beschäftigungsverhältnisse um sieben Tage länger bestehen.

Insgesamt geht man aber davon aus, dass die Zahl der Kündigungen auch in den nächsten Jahren um durchschnittlich drei Prozent steigen wird so kommt man auf die prognostizierten Einnahmen von knapp 50 Millionen Euro.

Im Vorjahr wurden rund 425.000 Beschäftigungsverhältnisse durch den Arbeitgeber oder im Einvernehmen beendet. In diesen Fällen kommt die Strafgebühr zum Tragen. Es gibt aber auch Ausnahmen: So fällt keine Gebühr an, wenn ein Dienstverhältnis kürzer als zwei Monate dauert (beispielsweise Praktika). Auch Lehrstellen sind ausgenommen.

Bei freien Dienstnehmern liefert das Gesetz einen gewissen Anreiz, den Mitarbeiter für die Vertragsauflösung verantwortlich zu machen. Der Arbeitgeber kann sich die 110 Euro nämlich sparen, wenn der Dienstnehmer einen wichtigen Grund gesetzt hat, der den Dienstgeber veranlasst hat, das freie Dienstverhältnis vorzeitig aufzulösen.

Keine Strafe bei Tod

Bei Selbstkündigung durch den Mitarbeiter, Jobwechsel innerhalb eines Konzerns oder dem Tod eines Bediensteten muss die Auflösungsabgabe ebenfalls nicht bezahlt werden detto, wenn das Regelpensionsalter bereits erreicht wurde. Sehr wohl kommt sie aber bei traditionell konjunkturabhängigen Branchen etwa dem Bau oder dem Tourismus zur Anwendung. Darüber haben sich Arbeitgebervertreter dieser Wirtschaftszweige bereits beklagt. Auf ihre Wünsche wurde aber zumindest im ersten Entwurf nicht Rücksicht genommen. (go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)

Kommentar posten
16 Postings
lemming0815
01
21.2.2012, 13:20

wenn ich angst um meinen arbeitsplatz habe, muss ich zukünftig also gleichzeitig angst um mein leben haben...dadurch erspart sich der arbeitgeber die abgabe

Böse Tussi
00
21.2.2012, 12:52

Na bumm, das werden unbegründete vorzeitige Austritte, fristlose Entlassungen und Mobbing massiv zunehmen.

Super, für keinerlei Lenkungseffekt.

unwissender1
00
21.2.2012, 10:15
Um sich die Kündigungsabgabe zu sparen

wird in einem internen Mail einer großen Handelskette an die Führungskräfte die Empfehlung abgegeben, vor einer geplanten Kündigung zu prüfen, ob nicht ein Grund für eine fristlose Entlassung gefunden werden kann, um dem Unternehmen die Kündigungsabgabe zu ersparen zu können.

Der Bumerang kommt zurück zum AMS

Günther Oswald
01
21.2.2012, 10:50

Lieber unwissender1!
Dieses E-Mail einer großen Handelskette würde mich interessieren. Könnten Sie es mir weiterleiten? Denke das wäre eine interessante Geschichte.

unwissender1
00
21.2.2012, 11:31
Könnten Sie es mir weiterleiten? Denke das wäre eine interessante Geschichte.

Leider nein!
Ich gefährde nicht den Job eines Freundes.
Firmeninterna herauszugeben ist ein Grund für eine fristlose Entlassung! Mein Posting ist in gekürzter Form nicht wortgetreu wiedergegeben worden.

Es wurde die Empfehlung herausgegeben zu prüfen, ob nicht ein Grund für eine fristlose Entlassung zu finden sei, um dem Mitarbeiter eine Selbstkündigung nahe legen zu können.

Günther Oswald
00
21.2.2012, 11:40

vielleicht könnten sie mir zumindest den namen des konzerns verraten (können gerne auch auf e-mail-kommunikation umsteigen)

Befreier von Butter und Eier
22
21.2.2012, 09:38

Diese Abgabe ist wieder richtig typisch österreichisch!
Bringt nix, kostet nur und ist Zahnlos.

Michael Seeber
00
21.2.2012, 09:24

eine unglaubliche abgabbe - wollen wir bald die fenstersteuer wieder einführen??

es wird einen lenkungseffekt geben - praktikanten werden maximal für zwei monate eingestellt. außerdem wird man versuchen, arbeitnehmer zur kündigung zu bewegen.
sogar bei einvernehmlicher auflösung des vertrages ist zu zahlen - was ist also der sinn der steuer? leute an ihren job zu binden, auch wenn sie den gar nicht mehr wollen?

mbli
11
21.2.2012, 09:07
eine unsinnige schwachsinnige abzockerei, die nur unnötig geld kostet und die bürokratie noch mehr aufbläht.

whitelawyer
00
20.2.2012, 20:58
Augenauswischerei! Darf man lachen?

Wann wachen die Arbeitnehmer endlich auf? Zu hoffen ist, das dies spätestens bei der nächsten Wahl passiert!

peak oil
01
21.2.2012, 07:11
"spätestens bei der nächsten wahl"?

was soll ich wählen? da die auswahl nicht gerade berauschend ist (pest, cholera, malaria, aids,...) ist es wohl besser, nicht so lange zu warten und bereits heute oder morgen mit arbeits- und konsumboykott zu beginnen.

Lösung1
02
20.2.2012, 20:26

Zukunftsvorsorge - Ausstieg möglich?
Staatliche Prämie: Die staatliche Förderung ist gesetzlich geregelt! Sie setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: gleichbleibend, d. h. fix, sind 5,5 %. Variabel sind 3 bis 8 % (Dass heißt, gesetzlicher Spielraum <5,5% + 3%> bis <5,5% + 8%> Der variable Teil orientiert sich an der Sekundärmarktrendite, d. h. dem Renditeniveau von festverzinslichen Wertpapieren. (= analog Bausparprämie) Nun wurde nicht nur der variable Teil gekürzt wurde, sondern der auch der gesetzlich fixierte Teil von 5,5%. Die Kürzung ist schon durch den variablen Teil gegeben.
Das Eingreifen in bestehende Verträge lässt erahnen, dass auch die vertraglich vereinbarte lebenslange steuerfreie Rente zu gegebener Zeit steuerpflichtig wird

sonne-licht
 
00
21.2.2012, 11:07
lösung1

ich stimme ihnen zu - nur was wäre die lösung um die staatlichen prämien zu sichern!

steuerflucht verhindern
erwirtschaftete gewinne,
in welcher art auch immer im inland veranlagen bzw. investieren!

die abkoppelung des geldes von der spekulativen bankenwirtschaft in produktive/ehrliche bankenwirtschaft und trennung von den miesepetern oder barbaras in österreich, wäre von nutzen!

hab da extra keine namen genannt, welche banken ich meine, weil es gibt solche und solche in österreich!

mal nachgerechnet
02
20.2.2012, 20:12
Der Sinn dahinter ist klar

Firmen sollen, statt Ihre Mitarbeiter zu kündigen, diese hinaus mobben, um keine Strafe zahlen zu müssen.

Bei Selbstkündigung gibt es vom AMS eine 2 monatige Sperrfrist.

Das rechnet sich unterm Strich immer.

Herzerzog Johann
00
21.2.2012, 09:02

Für die 110 Euro lohnt sich keine großartige Mobbingaktion. Und wenn man den DN beim AMS "parkt", will man ihn ja später wieder zurück.

sonne-licht
 
00
21.2.2012, 11:14
da täuschen sie sich

bei den großkonzernen können kleinbeträge in der masse sehr viel ergeben!

beste beispiel papierrechnungsgebühr gespendet an unicef, jedoch durch spendenabschreibung wieder zurückgeführt! würde so rechnen macht bei jedem telefonanbieter bei je 100.000 verträgen ca. 0,99 x 20% mwst euro 99.000,-- netto aus! natürlich abzüglich der rechnungen die elektronisch gemacht werden, jedoch das sind meistens firmen und denen kommts auf die euro 1,19 pro rechnung nicht an!

für eine tätigkeit die eigentlich kostenlos ist und zur dienstleistung dazugehört!

und sie unterschätzen die kündigungen die gemacht werden in österreich aus verschiedenen gründen z.b. bei pfändungen! hatte gerade wieder so einen fall 3 1/2 monate dann weg!

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