Würde und Widerpart

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 20. Februar 2012, 21:10

Joachim Gauck kann der Moderatorin Angela Merkel gefährlich werden

Das hätte Angela Merkel einfacher haben können: Sie hätte gleich Joachim Gauck nominieren sollen. Zumal sich die Pastorentochter und der ehemalige protestantische Pfarrer stets gut verstanden haben und Merkel auch die Laudatio zu Gaucks 70. Geburtstag hielt. Aber sie hat Christian Wulff durchgesetzt, weil sie einen parteiinternen Konkurrenten aus dem Weg räumen wollte.

Jetzt steht Merkel als Verliererin da: Die schwächelnde FDP hat sich gegen die Regierungschefin gestellt, ihre Kandidaten abgelehnt und Merkel düpiert. Vertreter der Grünen und vor allem der SPD frohlocken, weil sie Merkel ihren Kandidaten, der 2010 dem CDU-Politiker Wulff unterlegen war, aufoktroyieren konnten. Kein Wunder, dass sie die Nominierung Gaucks als ihren Sieg feiern.

Gäbe es in Deutschland eine Volkswahl, hätte der Bundespräsident ohnehin seit 2010 Joachim Gauck geheißen. Warum in Deutschland mehr als 66 Jahre nach Kriegsende noch immer eine nicht mehr begründbare Angst vor zu viel direkter Demokratie herrscht, ist mit rationalen Argumenten nicht zu beantworten. Denn die Deutschen haben, anders als die Österreicher, Lehren aus der Geschichte gezogen. Und der deutsche Bundespräsident hat weitaus weniger Machtbefugnisse als das österreichische Staatsoberhaupt. Umso wichtiger ist für den deutschen Bundespräsidenten die Macht des Wortes.

Auch wenn Gauck selbst sagt, er sei kein Supermann, so ist er doch der richtige Mann im richtigen Moment: Die Reaktionen auf seine Bestellung zeigen, dass Gauck nicht nur dem Amt jene Würde wiedergeben kann, das durch den Rücktritt Horst Köhlers und die Affären Wulffs beschädigt wurde.

Gauck ist ein Hoffnungsträger, der - wie einst der auf die Prager Burg katapultierte Schriftsteller Václav Havel - über sein Land hinaus Strahlkraft entwickeln kann: einer, der der weit verbreiteten Politikerverdrossenheit nicht nur trotzen kann, sondern der Demokratie neuen Schub verleihen dürfte. Er tritt nicht wie ein Parteienvertreter auf und verkörpert die Sehnsucht nach einer anderen Politik, nach anderen Politikern. Er spricht die Menschen und ihre Probleme direkt an und verschanzt sich nicht hinter Floskeln und Ausflüchten.

In Deutschland wie in Österreich ist die Kluft zwischen Politikern und der Bevölkerung größer geworden. Immer mehr Menschen wenden sich vom Politgeschehen ab. Die weit verbreitete Einschätzung ist: Politiker bekämpfen sich gegenseitig, sagen nicht die Wahrheit und haben nur die nächste Wahl im Blick.

Dass mit Merkel und Gauck zwei protestantische "Ossis" 22 Jahre nach der Wiedervereinigung den Sprung an die Spitze in Deutschland geschafft haben, ist ein gewichtiges Signal für das Zusammenwachsen von Ost und West. Beiden Karrieren gingen nicht evolutionäre Entwicklungen voraus, sondern revolutionäre: Im Schloss Bellevue mussten zwei Präsidenten scheitern, ehe ein Ostdeutscher zum Zug kam; Helmut Kohl stolperte über die CDU-Spendenaffäre und riss Kronprinzen wie Wolfgang Schäuble mit, sodass eine unbelastete Politikerin wie Merkel eine Chance bekam.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass just Gauck der präsidial agierenden Moderatorin Merkel gefährlich werden könnte: Indem er zum Widerpart wird, den sie in ihrer Partei nicht mehr hat, weil er die Deutungshoheit in Deutschland erringt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
hm tata
20
21.2.2012, 14:11
schade, dass der einzig ehrliche politiker

hierzulande mit einem phaeton in die ewigkeit gerauscht ist.

hm tata
00
21.2.2012, 14:08
ein schönes wort,

diese deutungshoheit.
merkel wird gauck dann mit "ihre deutungshoheit" anreden müssen. arme angela.

Ernst Dorfner
00
21.2.2012, 13:10
Die Suchtrupps

der politica correc tness sind bereist wieder unterwegs! Occupy Bewegung infantil, Sarrazin mutig, Kapitalismus wird gebraucht ...

Der Querdenker
00
21.2.2012, 13:01
Vom Regen in die ...

Vorerst festgestellt der Deutsche Bundespräsident ist nicht wirklich wichtig, nichtmal in Deutschland. Aber einige Bemerkungen zu Gauck, sehr integer wirkt er ebenfalls nicht, seine politische Einstellung konservativ bis reaktionär , seine DDR Vergangenheit weißt ebenfalls Lücken auf. Bei unseren nördlichen Nachbarn häufen sich schon einen Tag nach seiner Kandidatur kritische Stimmen. Irgendwie ist fast um Wulf schade

hm tata
20
21.2.2012, 14:32
und morgen wird die blödzeitung

ein bild von gauck veröffentlichen, das ihn bei der ausübung sadomasochistischer praktiken zeigt.
der mann darf niemals präse werden, das weiß jees kind ;)

Zebra
00
21.2.2012, 12:48
Präsidial

Wer wäre den in Österreich ein würdiger Kandidat als österr. Bundespräsident?

Fallen wem dazu passende Namen ein?

hm tata
10
21.2.2012, 14:14
karl schranz, franz klammer, nikki lauda

ev. noch toni polster. hans krankl halte ich für zu links und herbert prohaska hat zu große probleme mit den dritten fall.

hm tata
01
21.2.2012, 14:58
gib ma net imma de rote koatn, wuffi ;(

sei froh, dass sich überhaupt jemand um dein postinggeschreibsel kümmert. bin angfressn.

Just N. Opinion
00
21.2.2012, 13:45
Außerdem Franz Fischler, Franz Fiedler und Franz Lehár.

Letzterer leider nimmer verfügbar.

Just N. Opinion
00
21.2.2012, 13:44
Dr. Heinz Fischer.

Zum Beispiel.

asdf 1234
00
21.2.2012, 13:18
Sie haben dazu noch

ca. 4 Jahre Zeit, darüber nachzudenken;-)))

mfG

sociovation
05
21.2.2012, 11:10
Es fragt sich nur wie lange es dauert

bis die deutsche Medienlandschaft auch diesen Bundespräsidenten "entsorgen" wird.
Ich tippe auf folgende Themen:
- Aufgewachsen in NS-Familie
- Enge Freundschaft mit Maschmayer
- Elitäre Abgehobenheit, gemischt mit Zynismus gegenüber sozial Schwachen
- Stasi-Jäger mit Hang zum Überwachungsstaat US-amerikanischer Provienienz
Dieser Mann wird nach einer kurzen "Schrecksekunde" Deutschland spalten wie kein anderer Präsident zuvor.
Mit anderen Worten: Genau die Person (warum eigenlich schon wieder ein Mann?!) mit genau jenem Charakter, den weder Deutschland noch Europa in Zeiten wie diesen gebrauchen kann.

hm tata
12
21.2.2012, 10:37
brillianter kommentar

muss nicht weiter kommentiert werden. frau schmid wird immer besser.

Kuehlschrank .
 
00
21.2.2012, 09:56
Eine konträre Sichtweise, die sich auf Aussagen Gaucks stützt:

http://www.tagesspiegel.de/meinung/k... 30092.html

"Geschichte kann köstlich sein, meint Malte Lehming. Aktiv unterstützt von SPD und Grünen wird mit Joachim Gauck bald der konservativste Bundespräsident gewählt, den Deutschland je hatte. Denn: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein."

Eisherz
11
21.2.2012, 10:47

Wobei der Kommentar hier überhaupt nur heiße Luft ohne springenden Punkt ist.

Eisherz
00
21.2.2012, 10:27
Ein extrem schwacher Text, …

… der (leider) eh auch vom Standard übernommen wurde.

Eine reißerische Überschrift, die an den Haaren herbeigezogen ist. Kein Mensch glaubt momentan, dass Merkel das bewusst eingefädelt hat. Wenn der Autor das behaupten will, dann möge er es bitte versuchen zu belegen.

Das erwartet man, es kommt aber nicht. Stattdessen kommen ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Zitatfetzen, die aus dem aktuellen Internet-Shit-Storm zusammenkopiert wurden.

Kuehlschrank .
 
00
21.2.2012, 16:08
Die Hauptaussagen sind

das sich SPD und Grüne mit Gauck in den Fuß geschossen haben, und Merkel ganz zufrieden sein kann. Das hat der Tagesspiegel-Artikel dem Kommentar von Föderl-Schmid voraus.

J. Reichhart
22
21.2.2012, 08:50
blabla,

auf rosa papier.

G. Bitte!
01
21.2.2012, 07:39

Ein aufschlussreicher Kommentar.
Ein aufschlussreicher Kommentar.

Joshua Calvert
11
21.2.2012, 07:25
aufoktroyieren?

Kann man das bitte rückbestätigen?

Tom93
02
21.2.2012, 01:55
man kann es nicht oft genug sagen...

...einmal geht noch!

Der Große von Gegenüber
01
21.2.2012, 06:37
doppelt hält besser

Johannes Benn
32
21.2.2012, 01:15
.

"in Deutschland wie in Österreich ist die Kluft zwischen Politikern und der Bevölkerung größer geworden. Immer mehr Menschen wenden sich vom Politgeschehen ab. Die weit verbreitete Einschätzung ist: Politiker bekämpfen sich gegenseitig"
das groeßere problem ist die totale durchsetzung einer ideologie die sich mit political correctnes oder antirassismus beschreiben laesst und die gesamte westliche welt umfasst. politiker koennen nur innerhalb dieser ideologie agieren und insofern die anliegenden aufgaben nicht loesen.
das sieht ein erheblicher teil der bevoelkerung so, und das traegt erheblich zur politikverdossenheit bei

ridentem dicere verum
00
21.2.2012, 12:28
welche aufgaben wollens denn

mithilfe von rassismus und diskriminierung von minderheiten/anders denkenden genau wie lösen?

Johannes Benn
01
21.2.2012, 13:19
.

aktuell verschwindet die europaeischstaemmige bevoelkerung weltweit, sie ersetzt verluste nicht durch geburten, wird verdraengt und vermischt. dieses problem ließe sich loesen durch einwadnerungsstop, stop von entwicklungshilfe, teilweise rueckfuehrung von anwesenden

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