Die Kreditgeber bei den Eurohilfen werden den Griechen nun doch günstigere Darlehen geben
Portugals Premierminister Pedro Passos Coelho hat guten Grund, seinem
Kollegen Lukas Papademos eine ausgezeichnete Flasche Portwein zu
schicken. Die hat sich der griechische Regierungschef verdient.
Denn die Kreditgeber bei den Eurohilfen werden den Griechen nun doch
günstigere Darlehen geben, bei den Zinsen nachlassen. Das zeichnet sich
in der Eurogruppe schon länger ab, im Gegenzug zu Mehranstrengungen in
Athen.Davon profitiert indirekt aber auch Passos Coelho. Die Zinsen für
Portugal, das selbst Milliardenhilfen beansprucht, werden bald ähnlich
sinken. Das ist auch durchaus gerecht. Denn die bestbewerteten Staaten
wie Deutschland verdienten bisher gar nicht so schlecht am "
Hilfsgeschäft": einerseits durch die Zinseinnahmen, andererseits, weil
sie wegen der billigeren Marktzinsen als Folge der Südkrise beim eigenen
Schuldendienst weniger ausgeben. Deutschland hat sich nach einer Studie
von Kölner Wirtschaftsforschern 45 Milliarden Euro erspart, ohne Arbeit,
nur durch den Markt.Das zeigt die praktisch unauflösbare Verwobenheit im
Euroraum, die oft paradox wirkt. Papademos hat mit einem beinharten
Sparpaket zu Hause und dem Schuldenschnitt einen ersten Erfolg erzielt.
Aber der nächste Rückschlag kommt bestimmt, mit ihm die nächste
Eurokrise, bis wieder nachgebessert wird, sowohl bei den Maßnahmen in
Athen wie bei den Hilfen durch die Partner. Das wird uns noch Jahre lang
begleiten - mit allen medialen Hysterien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)