Glaubt nicht, "dass die die Wahrheit sagen"

20. Februar 2012, 21:48
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Betriebsrat Wolfgang Hable widerspricht AUA-Vorstand, am Montag war Klausur

Wien - Am Montag begab sich der Betriebsrat Bord bei der AUA in Klausur. Es wurde über die weitere Vorgangsweise beraten, nachdem die AUA am vergangenen Mittwoch den Kollektivvertrag für das fliegende Personal einseitig gekündigt hatte.

Zwischen der AUA-Geschäftsführung und dem Bordbetriebsrat Wolfgang Hable (vertritt in der Gewerkschaft Vida den Bereich Luftfahrt) herrscht Eiszeit. "Geht in der momentanen Situation nicht davon aus, dass euch der Vorstand oder sein Management nur annähernd die Wahrheit sagen", teilte Hable den Kollegen schriftlich mit. Der Vorstand hätte kein Interesse an Gesprächen, sondern verfolge ausschließlich eine "hidden agenda" (eine versteckte Absicht).

Hable, selbst Pilot, innerhalb der Belegschaft aber nicht unumstritten, wehrt sich in dem internen Schreiben gegen die Darstellung von AUA-Vorstand Peter Malanik, wonach er (Hable) nach nur elf Minuten die Verhandlungen verließ, weil ihm die AUA keine Freistellung geben wollte. Das nahm der AUA-Vorstand zum Anlass, den Kollektivvertrag zu kündigen. Hable gibt eine andere Darstellung: Der Termin war ausschließlich administrativer und informeller Natur. "Ich sollte im Auftrag des Gewerkschaftsvorsitzenden dem AUA-Vorstand vor allem klarmachen, dass die inhaltlichen Themen zuerst mit dem Betriebsrat zu besprechen seien", so Hable. Und weiter: "Obwohl die Dienstfreistellung für diesen Termin vom Vorstand dem Gewerkschaftsvorsitzenden zugesagt wurde, hat Crewcontrol - im Auftrag des Vorstandes - kurz vorher versucht, mich zu einem Dienst aus dem Bereitschaftsdienst zu aktivieren. Ich habe den Dienst auf eigenes Risiko nicht angetreten und beim Gesprächstermin den Vorstand damit konfrontiert. Die Antwort des Vorstandes war eindeutig: " Für diese und andere Termine zum Thema AUA-Kollektivvertrag gibt es keine Dienstfreistellung", während selbstredend die ganze Abordnung der AUA während ihrer Dienstzeit anwesend war. Es kann von mir keiner verlangen, dass ich unter dem Damoklesschwert der Dienstverweigerung und allfälliger dienstrechtlicher Konsequenzen, Gespräche mit dem Management ohne Anrechnung von Arbeitszeit und an den wenigen freien Tagen wahrnehme".

Lauda: Kosten runter

FlyNiki-Gründer Niki Lauda zeigte im Ö1-Mittagsjournal am Montag Verständnis für die KV-Kündigung. Die AUA-Geschäftsführung müsse nicht nur bei den Mitarbeitern sparen, sondern im Zuge eines "gerechten Gesamtpakets" auch bei sich selbst. Er rate dem Mitbewerber daher, die Bürokratiekosten herunterzufahren und auch die Piloten öfter fliegen zu lassen. Lauda, der die Airline Ende 2011 zur Gänze an Air Berlin verkaufte und seither dort im Aufsichtsrat sitzt, hat die 500 Piloten und Flugbegleiter in einer Personalleasing Firma beschäftigt. Aus Sicht der AUA liegen die Kosten bei FlyNiki um bis zu 25 Prozent unter jenen der AUA. Laut Lauda verdient ein Niki-Pilot rund 8000 Euro, 14-mal. Dafür müsse er länger fliegen als bei der AUA. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)

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