Betriebsrat Wolfgang Hable widerspricht AUA-Vorstand, am Montag war Klausur
Wien - Am Montag begab sich der Betriebsrat Bord bei der AUA in Klausur.
Es wurde über die weitere Vorgangsweise beraten, nachdem die AUA am
vergangenen Mittwoch den Kollektivvertrag für das fliegende Personal
einseitig gekündigt hatte.
Zwischen der AUA-Geschäftsführung und dem Bordbetriebsrat Wolfgang Hable
(vertritt in der Gewerkschaft Vida den Bereich Luftfahrt) herrscht
Eiszeit. "Geht in der momentanen Situation nicht davon aus, dass euch
der Vorstand oder sein Management nur annähernd die Wahrheit sagen",
teilte Hable den Kollegen schriftlich mit. Der Vorstand hätte kein
Interesse an Gesprächen, sondern verfolge ausschließlich eine "hidden
agenda" (eine versteckte Absicht).
Hable, selbst Pilot, innerhalb der Belegschaft aber nicht unumstritten,
wehrt sich in dem internen Schreiben gegen die Darstellung von
AUA-Vorstand Peter Malanik, wonach er (Hable) nach nur elf Minuten die
Verhandlungen verließ, weil ihm die AUA keine Freistellung geben wollte.
Das nahm der AUA-Vorstand zum Anlass, den Kollektivvertrag zu kündigen.
Hable gibt eine andere Darstellung: Der Termin war ausschließlich
administrativer und informeller Natur. "Ich sollte im Auftrag des
Gewerkschaftsvorsitzenden dem AUA-Vorstand vor allem klarmachen, dass
die inhaltlichen Themen zuerst mit dem Betriebsrat zu besprechen seien",
so Hable. Und weiter: "Obwohl die Dienstfreistellung für diesen Termin
vom Vorstand dem Gewerkschaftsvorsitzenden zugesagt wurde, hat
Crewcontrol - im Auftrag des Vorstandes - kurz vorher versucht, mich zu
einem Dienst aus dem Bereitschaftsdienst zu aktivieren. Ich habe den
Dienst auf eigenes Risiko nicht angetreten und beim Gesprächstermin den
Vorstand damit konfrontiert. Die Antwort des Vorstandes war eindeutig: "
Für diese und andere Termine zum Thema AUA-Kollektivvertrag gibt es
keine Dienstfreistellung", während selbstredend die ganze Abordnung der
AUA während ihrer Dienstzeit anwesend war. Es kann von mir keiner
verlangen, dass ich unter dem Damoklesschwert der Dienstverweigerung und
allfälliger dienstrechtlicher Konsequenzen, Gespräche mit dem Management
ohne Anrechnung von Arbeitszeit und an den wenigen freien Tagen
wahrnehme".
Lauda: Kosten runter
FlyNiki-Gründer Niki Lauda zeigte im Ö1-Mittagsjournal am Montag
Verständnis für die KV-Kündigung. Die AUA-Geschäftsführung müsse nicht
nur bei den Mitarbeitern sparen, sondern im Zuge eines "gerechten
Gesamtpakets" auch bei sich selbst. Er rate dem Mitbewerber daher, die
Bürokratiekosten herunterzufahren und auch die Piloten öfter fliegen zu
lassen. Lauda, der die Airline Ende 2011 zur Gänze an Air Berlin
verkaufte und seither dort im Aufsichtsrat sitzt, hat die 500 Piloten
und Flugbegleiter in einer Personalleasing Firma beschäftigt. Aus Sicht
der AUA liegen die Kosten bei FlyNiki um bis zu 25 Prozent unter jenen
der AUA. Laut Lauda verdient ein Niki-Pilot rund 8000 Euro, 14-mal.
Dafür müsse er länger fliegen als bei der AUA. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)