Voest investiert lieber außerhalb Europas

Der Stahlkonzern will wieder kräftig investieren, allerdings außerhalb Europas, wo sich der Umsatzanteil auf 50 Prozent verdoppeln soll

Die Voestalpine hat ihre Konsolidierungsphase beendet und gibt in den nächsten Jahren wieder kräftig Gas. Der Linzer Stahlkonzern will bis 2020 mehrere Milliarden Euro in neue Werke und Übernahmen investieren. Allerdings: Das Wachstum wird vor allem außerhalb Europas stattfinden. Der Umsatzanteil in den anderen Kontinenten soll bis Ende des Jahrzehnts von derzeit 22 auf 50 Prozent steigen.

Konzernchef Wolfgang Eder begründet den Strategiewechsel mit dem niedrigeren Wachstum, aber auch industriefeindlicher Politik: "Europa stellt sich selbst infrage." Er bestätigte STANDARD-Informationen, wonach zwei neue Weichen-Werke in Brasilien gebaut werden. Im Autobereich sind neue Standorte in China und den USA fix, auch Südafrika ist ein Thema. Die Sparte soll ihren Umsatz verdoppeln.

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Wien - Edelweiß, das Projekt für ein neues Stahlwerk am Schwarzen Meer, ist tot. Die Voestalpine sucht ihr Heil nun außerhalb Europas. Der Chef des Stahlkonzerns, Wolfgang Eder, begründet die Expansion in anderen Kontinenten mit den dort höheren Wachstumschancen. Nachsatz: "Die Umorientierung erfolgt nicht zuletzt deswegen, weil sich Europa als Industriestandort immer stärker selbst infrage stellt." Konkret heißt das: Der derzeit außerhalb Europas erwirtschaftete Umsatzanteil von 22 Prozent soll bis Ende des Jahrzehnts auf 50 Prozent steigen.

Der Konzern bestätigt STANDARD-Informationen, wonach die Errichtung von zwei Weichen-Werken in Brasilien geplant ist. Eines davon im Bundesstaat São Paulo, ein weiteres in São Luís im Norden des Landes. Genaue Investitionssummen nennt der Konzern nicht, es handle sich um einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Voest setzt dabei auf die riesigen Infrastrukturvorhaben des Landes, insbesondere im Bereich Nahverkehr der beiden rivalisierenden Zentren São Paulo und Rio de Janeiro, erklärt Bahnsystem-Chef Franz Kainersdorfer. Zudem steigt die Nachfrage von Industriekunden wie dem Erzgiganten Vale, die mehrere Schwerlaststrecken planen. Zusätzliche Impulse erwartet Kainersdorfer durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016.

Die Weichenwerke sind freilich nur ein kleiner Anfang. Das Bahnsegment soll zudem mit Standorten in der Türkei und Saudi-Arabien gestärkt werden. Ebenfalls in Vorbereitung sind zwei neue Werke im Bereiche Automotive in den USA und China, wo die Voestalpine als Zulieferer einem großen Fahrzeughersteller folgt und 100 Millionen investiert. In beiden Staaten waren die Linzer bisher mit keiner eigenen Produktion vertreten.

Es geht nun um den Bau von Karosserieteilen, bei denen Gewichtseinsparungen trotz größerer Belastbarkeit der Bleche erzielt werden. Mit einer eigenen Technologie will die Voest den Alternativen den Leichtbaustoffen Karbon und Aluminium den Kampf ansagen. Die Begleitung der Autohersteller auf ihrer Expansion in die Schwellenländer dürfte zu weiteren ähnlichen Investitionen führen. Die Fahrzeugsparte soll dabei ihren Umsatz verdoppeln.

Dem Vernehmen nach ein Thema sind auch Südafrika sowie weitere asiatische Staaten. Parallel dazu soll es Pläne zu einer größeren Akquisition im Bereich Profilform geben.

Die Strategieänderung erfolgt nach vierjähriger Verschnaufpause, in der die Intergration von Böhler-Uddeholm und Effizienzsteigerungen dominierten. Heuer werden schon 500 Millionen investiert. In den nächsten Jahren stehen größere Steigerungen an. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2012)

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"… wo sich der Umsatzanteil auf 50 Prozent verdoppeln soll"

Naja, wie auch immer das gehen soll ;-)

Eder hat recht. In EU möchte man die Industrie ohnehin nicht mehr haben!
Die ist angeblich dreckig, stößt CO2 aus,…
Nur die meist sehr gut bezahlten Industrie- Arbeitsplätze hätte EU schon gerne.

Da habt ihr's

Die unternehmerfeindliche Rot-Politik und die Sozialutopien der Grünen, sowie die Hetze von diesen Parteien gegen "die Reichen", also die Unternehmer, tragen bereits erste Früchte. Gut gemacht. Mit ein paar weiteren Sozialisten-Forderungen an die Unternehmer, wie neulich die Idee der Strafzahlung ("AMS-Gebühr") für gekündigte MA, sind wir vielleicht schon bald mehr Unternehmen los.

Naja man muss eben dorthin gehen, wo der Markt ist.

Das hat glaub ich relativ wenig mit den Lohnkosten (oder Umweltauflagen) in EU zu tun. Zumindest nicht wenn man Brasilien als Verlgeich hernimmt...

Und soviel Investition Spielraum gibts in AUT für die VOEST eben nicht mehr.

Und da ist die Voest nicht der einzige Konzern

Aluminium, Baustahl, Zement, Papier, Glas & Grundstoffchemie haben wir schon erfolgreich vertrieben.

Wäre doch gelacht, wenn wir das beim Rest nicht auch schafffen würden.

Europa fährt gerade, dem geifernden Vorbild der Ökofundamendalisten folgend, sein höchst erfolgreiches Gesellschaftsmodell an die Wand und die Bevölkerung klatscht auch noch dazu.

Richtig, die Griechen sind derzeit DAS große Vorbild für Österreich.

Nur mehr Fremdenverkehr, möglichst keine Industrie, ein riesiger Beamtenapparat, überbordende Schulden, totale Abhängigkeit des Volkes von Almosen des Staates, Unternehmer, die aus Sicherheitsgründen ins Ausland diversifizieren,...

Zement hat ein Marktradius von rund 100km, es gibt fast ein dutzend produzierende Zementwerke in Österreich.

http://www.zement.at/werkekarte.asp

Sie müssen die Ökos verstehen, nachdem man ihnen ihre geschützten (Passivhaus?)Werkstätten

gebaut haben möchten die Ökos natürlich ihre Subventionen geniessen, dabei stört sowohl Arbeit als auch Arbeitslärm.

Was vernüftiges fällt Ihnen nicht ein!

Beim zweiten Mal gehts hoffentlich besser!

Vielleicht brauchen wir auch nicht mehr an jedem 2. eck eine Zementfabrik? Der Wiederaufbau nach dem 2. WK ist vorbei und jetzt gehts nur mehr um den Erhalt.

Sie glauben doch nicht ernsthaft was Sie da schreibe, oder? Haben Sie Beispiele, wo die Ursache des "Niederganges" nicht an unfähigem Management liegt?

Ja genau. Lasst uns alle auf einen Teil unseres Gehaltes verzichten, 16 Stunden am Tag arbeiten und die Luft und den Boden verseuchen, was das Zeug hält.

Wäre doch gelacht...

;-)

wenn der letzte baum gerodet....
wenn der letzte gletscher geschmolzen....
etc.
ja dann werden wir....
ja was werden wir dann???
ja ich weis das hubbel-fernrohr hat schon einige "welten" gefunden.
aber nur eine frage:
glauben sie, dass es bis zum ende hier bis dort hin schon einen schienenverbindung dorthin gibt?
weichen braucht man dafür ohnehin nicht, denn ein zurück gibt es sowieso nicht mehr.
denn dann ist HIER alles ohnehin schon verbraucht und/oder ruiniert.
undich bin mir ziemlich sicher, schuld daran und für alles andere auch sind nunr die ökofundis, gell!?!?

Des Material wird ja auch woanders gebraucht.

Was die Öko-Fundamentalisten betrifft: Kann schon sein, dass Umweltschutz auch Jobs kostet. Aber wenn man sich die Umweltbedingungen in manchen Ländern anschaut stellt sich schon die Frage, ob es erstrebenswert ist wieder auf das Niveau runter zu gehen.

Was die CO2-Gschichtln betrifft: Selbst wenn man den Umweltschutz mal aussen vor lässt, sind fossile Energieträger limitiert und daher nicht zukunftsträchtig.

Limitiert ist immer sehr relativ.

Wenn Europa seine Kohlevorräte nur für die Metallverhüttung (und andere Schwerindustrien wo sie scherer zu ersetzen ist als bei der Stromerzeugung) dann würden die Vorräte vermutlich noch >1000Jahre halten.
Und wenn es damit knapp wird nehmen wir eben VHTR Reaktoren und Uran - oder wenn es uns wegen dem CO2 nicht mehr gefällt ;)

Wie viel CO2 Zertifikate werden verrechnet

a) Wenn man eine Tonne Stahl in Österreich erzeugt?
b) Wenn man eine Tonne Stahl aus Brasilien einfuehrt?

Mehr Vertrauen in die voest

Wenn die voest sich dazu entscheidet, die brasilianische Eisenbahninfrastruktur mit aufzubauen, dann ist das sicher wohl überlegt.
Keine Angst, die haben schon fähige Leute, die genau abschätzen, ob sich Investitionen dort lohnen. MT und HR machen das schon!

Wir und die Welt

Die Entscheidung der Voest ist durchaus nachvollziehbar. Sie ist Folge einer seit Jahrzehnten verfehlten Politik. Um nur 2 Punkte zu nennen: 1. wird in neoliberalem Sinn ein freier Markt favorisiert, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt, weil der Markt von wirtschaftlichen Interessen der Mächtigen manipuliert wird. 2. musste Österreich stets Vorzugsschüler in Sachen Umweltschutz sein, was - global gesehen - etwa so nützlich ist wie ein Tropfen Wasser zur Begrünung der Sahelzone.

Stimmt nicht. Lokal macht der Umweltschutz sehr wohl Sinn.

Das Problem ist die Globalisierung davon. Der Zertifikathandel ist eine idiotische Idee.

Das Fehlen von Mindestlohnstandards bzw. extrem niedrige Gehälter (+niedrige/keine soziale Abgaben) im Vergleich zu Ö tragen ihr übriges dazu bei.
CO2 Zertifikate können bei bedarf nachgekauft werden vom Staat - das ist sicher nicht das Hauptargument.

Umweltschutz wirkt lokal

Eine Vorreiterrolle (die Österreich sicher nicht mehr hat) bzw. ein Schauen auf die Umwelt bringt uns schon regional etwas. Boden- und Luftschadstoffe bleiben in der Region, einzig der CO2-Ausstoß wirkt global (und da ist Österreich bekanntlich in Europa das Schlusslicht bei der Eindämmung)

klar bringts regional was. urlaub auf dem bauernhof. die touristen werden sich bald vor lautern bauern nicht mehr auskennen, wenn´s keine anderen arbeitsplätze mehr gibt...

hintergründe

alleine das wachstum? eher refinanzierungskredite bei den zentralbanken!

was natürlich auch in europa möglich wäre, deutschland steht sehr gut da, wenn politik, arbeitsbedingungen, ökologische und ökonomische möglichkeiten gegeben sind!

immerhin hat ja die wirtschaftskammer brav in brasilien interveniert, dass diese möglichkeiten entstehen!

wachstum kann auch dem ursprungsland österreich geld (dividentenausschüttungen, steuern usw.) und arbeitsplätze (logistiksteuerung, qualifizierte mitarbeiter im ausland) bringen!

warum negativ sehen, wenns auch als chance zur sicherung der voest in österreich beitragen kann!

Welche Steuern?

Auslandsmitarbeiter zahlen im Ausland ihre Steuern.
Die Auslandstöchter zahlen auch dort ihre Steuern.

Die Dividende steigt nur, falls auch der Gewinn steigt.

Ja, da könnt ihr schon Jammern

Und alle möglichen Dinge suchen die Schuld sind, Lohnkosten, Umweltauflagen, etc...

Aber es ist nun mal so, dass wir gesättigt sind. Wir haben hier einfach kein überzeugendes Wachstumspotential mehr.
Jedes unterentwickelte Land ist uns hier überlegen.

Mit einer Million die man in Brasilien investiert kann man 20% oder mehr Gewinn einfahren - weil es dort eben ein hohes Wachstumspotential gibt.
In (Mittel-)Europa sieht es da vergleichsweise traurig aus.

Und damit wird Europa abbauen. Der Kapitalismus basiert auf Wachstum. Entweder man wächst oder man geht zu Grunde.
Kein (wenig) Wachstum = keine (wenig) Erträge. Und das Kapital geht eben dorthin, wo die Erträge hoch sind.

Soll ma wieder einen Krieg in Mitteleuropa anzetteln nur damit wir danach wieder ein hohes Wachstum haben? Wo willst denn noch überall Straßen und Häuser hinbauen?

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