Großbank fordert von Ex-Managern Boni zurück

20. Februar 2012, 17:10
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Ex-Manager der Großbank Lloyds müssen als Erste daran glauben und als Folge der Finanzkrise ihre Boni für 2010 zurückzahlen

Ex-Manager der Großbank Lloyds müssen als Erste daran glauben und als Folge der Finanzkrise ihre Boni für 2010 zurückzahlen. Zudem bekommen Kunden Ausgleichszahlungen für Kreditversicherungen.

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise geht eine britische Großbank ihren Managern an den Geldbeutel. Der frühere Vorstandschef des zu 41 Prozent in Staatsbesitz befindlichen Lloyds-Konzerns, Eric Daniels, sowie neun weitere Spitzenbanker müssen auf insgesamt rund zwei Millionen Pfund (2, 4 Mio. Euro) verzichten, die ihnen als Teil ihrer Jahresvergütung 2010 zugesprochen wurden. Damit werden die Verantwortlichen für einen Milliarden-Skandal, bei dem britische Hypothekenbanken ihre Kunden mit wertlosen Kreditversicherungen übers Ohr gehauen hatten, persönlich in die Haftung genommen .

Rund um das weltgrößte Finanzzentrum tobt seit Wochen der Streit um Bonuszahlungen für Angestellte von Banken, die nach der Lehman-Pleite Staatshilfen in Anspruch nehmen mussten. Dazu gehört auch Lloyds, das im Krisenjahr mehrere marode Institute wie Halifax/Bank of Scotland sowie Cheltenham & Gloucester übernommen hatte. Diese Banken hatten sich nicht nur mit Giftkrediten verspekuliert. Ihren Häuselbauern hatten die Banker auch jahrelang Versicherungen angedreht, die den Konsumenten eine nie vorhandene Sicherheit für den Fall vorgaukelten, dass sie unverschuldet mit ihren Hypotheken in Rückstand geraten würden.

Eine Untersuchung der Aufsichtsbehörde FSA brachte den Skandal ans Licht. Obwohl kein strafrechtlich relevanter Betrug vorlag, forderte FSA-Chef Adair Turner von den beteiligten Instituten eine großzügige Entschädigung der Opfer sowie die finanzielle Bestrafung der Verantwortlichen. Dagegen wehrten sich die größten Hypothekenbanken, bis der damals neue Lloyds-Boss António Horta Osório im Frühjahr 2011 ausscherte und Entschädigungen zusagte. Sein Konzern hat in der Bilanz 3,8 Mrd. Euro für die geschädigten Kunden zurückgestellt. Die Branche rechnet insgesamt mit Ausgleichszahlungen in der Höhe von 7,2 Mrd. Euro.

Mit der jetzt beschlossenen Bonuskürzung spielt Horta Osório erneut den Vorreiter. Der Portugiese hat auf seinen Bonus für 2011 verzichtet, nachdem er im Herbst sein Amt zwei Monate lang wegen Erschöpfung und Schlaflosigkeit ruhen lassen musste.

Auch der Ex-Boss der mittlerweile zu 83 Prozent in Staatsbesitz befindlichen Royal Bank of Scotland, Fred Goodwin, bekommt späte Folgen der Krise zu spüren. Auf Drängen der Regierung hat die Queen Goodwin den Rittertitel ("Sir Fred") aberkannt. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)

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    Die Devise lautet "Geld zurück": Lloyds-Kunden werden entschädigt, das Management muss die Boni zurückgeben.

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