Klagenfurter Ensemble

Amtlicher Wahnsinn auf der Bühne

20. Februar 2012, 17:31

Der gewöhnliche Arbeitstag auf einem österreichischen Amt wird wieder gezeigt

Da Nein naus, eine Ko-Produktion des Klagenfurter Ensembles mit dem Verein zur Anregung des dramatischen Appetits (VADA), vom Publikum so gut angenommen wurde, wird ab heute der gewöhnliche Arbeitstag auf einem österreichischen Amt wieder gezeigt. In der Abteilung " Pass/Fremdenrecht/Schusswaffen" wartet eine Familie mit migrantischem Background auf ihre Vorsprache, ein Reisepass fliegt in Fetzen durch den Raum. Es wird genehmigt, gestempelt und abgelehnt. Während gejausnet und geputzt wird, versucht sich ein angehender Jäger den Berechtigungsschein durch Bestechung zu ergaunern. Die Polizei schleppt einen Schubhäftling in die Amtsstube, während der Hausmeister die Glühbirne austauscht, und dann kommt noch die Innenministerin auf Besuch. Die 22 Handlungssequenzen (u. a. mit Inge Angerer, Sayid Jan Aslam, Hemma Clementi, Unurjargal Erdenebaatar, Archana Golla, Irini Katlsera, Gerhard Lehner, Said Masud Mustafazad) werden zeitlich parallel im Rhythmus von Maurice Ravels Boléro, gekonnt remixed von Jozej Stikar, angeordnet. Die Live-Version des Animationsfilmes Tango von Zbigniew Rybczynski beruht, so Regisseur Felix Strasser, auf wahren Begebenheiten. So ist der durchchoreografierte, amtliche Wahnsinn auf der Bühne, ein gelungener Versuch, wahre Verhältnisse zu porträtieren - wobei im Zuge der politischen Korruptionsenthüllungen die Wirklichkeit das Stück in den Schatten zu stellen droht. Gezeigt wird vom international besetzten Ensemble neben Korruption und dem sozialen Gefälle im Land vor allem die Lage von Zugewanderten, die auf der Suche nach Hilfe in der bürokratischen Maschinerie untergehen.  (DER STANDARD - Printausgabe, 21. Februar 2012)

Klagenfurt, Klagenfurter Ensemble / Theaterhalle 11, "Nein naus" - Wideraufnahme bis in den März,22.-25., 29. Februar, 1.-3. März, 20.00

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.