Der gewöhnliche Arbeitstag auf einem österreichischen Amt wird wieder gezeigt
Da Nein naus, eine Ko-Produktion des Klagenfurter Ensembles mit dem
Verein zur Anregung des dramatischen Appetits (VADA), vom Publikum so gut
angenommen wurde, wird ab heute der gewöhnliche Arbeitstag auf einem
österreichischen Amt wieder gezeigt. In der Abteilung "
Pass/Fremdenrecht/Schusswaffen" wartet eine Familie mit migrantischem Background
auf ihre Vorsprache, ein Reisepass fliegt in Fetzen durch den Raum. Es wird
genehmigt, gestempelt und abgelehnt. Während gejausnet und geputzt wird,
versucht sich ein angehender Jäger den Berechtigungsschein durch Bestechung zu
ergaunern. Die Polizei schleppt einen Schubhäftling in die Amtsstube, während
der Hausmeister die Glühbirne austauscht, und dann kommt noch die
Innenministerin auf Besuch. Die 22 Handlungssequenzen (u. a. mit Inge Angerer,
Sayid Jan Aslam, Hemma Clementi, Unurjargal Erdenebaatar, Archana Golla, Irini
Katlsera, Gerhard Lehner, Said Masud Mustafazad) werden zeitlich parallel im
Rhythmus von Maurice Ravels Boléro, gekonnt remixed von Jozej Stikar,
angeordnet. Die Live-Version des Animationsfilmes Tango von Zbigniew
Rybczynski beruht, so Regisseur Felix Strasser, auf wahren Begebenheiten. So ist
der durchchoreografierte, amtliche Wahnsinn auf der Bühne, ein gelungener
Versuch, wahre Verhältnisse zu porträtieren - wobei im Zuge der politischen
Korruptionsenthüllungen die Wirklichkeit das Stück in den Schatten zu stellen
droht. Gezeigt wird vom international besetzten Ensemble neben Korruption und
dem sozialen Gefälle im Land vor allem die Lage von Zugewanderten, die auf der
Suche nach Hilfe in der bürokratischen Maschinerie untergehen. (DER STANDARD - Printausgabe, 21. Februar 2012)
Klagenfurt,
Klagenfurter Ensemble / Theaterhalle 11, "Nein naus" - Wideraufnahme bis in den
März,22.-25., 29. Februar, 1.-3. März, 20.00