Arbeitslos heißt wertlos

20. Februar 2012, 17:37
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In Salzburg wird Karin Brandauers filmische Adaption der berühmten Sozialstudie "Die Arbeitslosen von Marienthal" gezeigt

Salzburg - Schon immer waren Erwerbslosenzahlen Konjunkturen unterworfen, die speziell in Zeiten von Krisen für ein Anwachsen der industriellen "Reservearmee" sorgen. Zu einer explosionsartigen " Freisetzung von Arbeitskräften" kam es in den späten 1920er- und 1930er-Jahren im Zuge der schweren Weltwirtschaftskrise. Damals wurde auch das Phänomen Arbeitslosigkeit erstmals von Sozialwissenschaftern genauer untersucht.

Zu den Pionieren gehören drei österreichische Forscher der Uni Wien, Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel, die mit Die Arbeitslosen von Marienthal 1933 die erste sozialpsychologische Studie überhaupt vorlegten. Ursprünglich war eine Analyse des Freizeitverhaltens geplant, schließlich ging das Trio in den niederösterreichischen Ort Marienthal, wo eine große Textilfabrik zugesperrt hatte. Mit der Folge, dass praktisch alle Anwohner arbeitslos geworden waren. Für ihre Studie entwickelten die jungen Intellektuellen eine damals neuartige Methodik, die bis heute qualitativ-quantitative Sozialforschung definiert: Interviews, Fragebögen, die Auswertung von Tagebuchnotizen, Briefen sowie statistischer Daten. Revolutionär waren auch die Ergebnisse.Anders als marxistische Theoretiker mutmaßten, korreliert Arbeitslosigkeit nicht mit politischer Radikalisierung nach links, vielmehr erzeugt sie Apathie und Hoffnungslosigkeit. Diese Erkenntnisse haben nichts von ihrer Richtigkeit verloren. 1988 adaptierte Regisseurin Karin Brandauer die Sozialstudie unter dem Titel Einstweilen wird es Mittag für das Fernsehen: als Dokumentarspiel mit ruhigen Bildern, in denen auch der Kontrast zwischen dem bürgerlichen und dem (sub-)proletarischen Milieu thematisiert wird. Filmvorführung mit Diskussion. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Februar 2012)

Sub, Salzburg, 19.00

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