Solarthermiebranche muss sich warm anziehen

20. Februar 2012, 16:49
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Neuinstallationen in Österreich zweites Jahr in Folge gesunken - Chinesen rüsten auf

Wien - Österreichs Hersteller von Solarthermieanlagen steuern auf unsichere Zeiten zu. Während die Inlandsnachfrage wegen teils zurückgefahrener Förderungen stockt, könnte in den nächsten Jahren auch das wichtige Exportgeschäft unter Druck kommen. Dann nämlich, wenn es chinesischen Herstellern gelingt, mit Solarwärme in Europa ebenso stark Fuß zu fassen, wie dies bei Fotovoltaik schon geschehen ist.

"Noch sind chinesische Hersteller mit ihrer effizienten, aber auch teureren Röhrentechnologie kaum präsent bei uns. Das kann sich in den nächsten Jahren ändern", sagte Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar, der Interessenvertretung der Solarthermiebranche.

Der Löwenanteil der in Österreich installierten thermischen Module sind Flachkollektoren; Röhrenkollektoren, die eine gute Wärmeausbeute auch bei diffusem Licht garantieren und in China auf vielen Dächern zu finden sind, verzeichnen aber auf niedrigem Niveau starke Zuwächse.

2011 war der Solarthermiemarkt in Österreich das zweite Jahr in Folge rückläufig. Die neu installierte Kollektorfläche ging um 15 Prozent auf 280.000 m2 zurück; minus 21 Prozent waren es 2010. Das vorjährige Minus führt Hackstock auf den Einbruch des Solarmarktes in Niederösterreich zurück, wo die direkte Landesförderung gestrichen wurde. Bisher war Niederösterreich mit Oberösterreich und Tirol immer spitze bei der Neuinstallation thermischer Solaranlagen. Die Exportquote der Branche ist mit 80 Prozent seit Jahren stabil.Heuer rechnet Hackstock mit einem Marktvolumen in Vorjahreshöhe. Unklar sei freilich, ob sich der zugesagte Sparbeitrag der Länder letztlich nicht doch noch auf die Förderungen auswirke, was ein Hemmnis wäre. Eine thermische Solaranlage zur Warmwassererzeugung (sechs m2 Kollektorfläche) kostet schlüsselfertig rund 6000 Euro; eine zur Heizungsunterstützung (15 m2) 12.000 Euro. Um die Klimaziele zu erreichen, seien weitere Impulsprogramme bis hin zum verpflichtenden Einbau thermischer Solaranlagen in neuen Gebäuden zu überlegen, sagte Hackstock. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2012)

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