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vergrößern 800x296"Die Möbel und den Einrichtungsstil habe ich von meiner imperialistischen Oma geerbt." Conny de Beauclair in seiner Wohnung in Wien-Margareten.
Conny de Beauclair ist Fotograf und Türsteher in der Wiener Disco U4. In der Nacht regiert der Rock, in der Wohnung der Barock. Wojciech Czaja staunte.
***
"Das Ganze fängt damit an, dass ich zwei tolle Großmütter hatte. Die Mutter meines Vaters ist vor dem Zweiten Weltkrieg nach Schanghai ausgewandert und hat bis zu ihrem Tod in China gelebt. Von ihr stammt der asiatische Einschlag in der Wohnung. Ich habe zwei alte Statuen auf der Kredenz: einen Kaiser und eine Kaiserin. Auch das Schachbrett ist aus China. Ja, wir spielen wirklich Schach.
Die andere Großmutter, also die Mutter meiner Mutter, war eine Gräfin von Bissingen und Nippenburg und ist während des Kriegs von Ungarn über Wien nach Deutschland geflüchtet. Sie war eine große Künstlerin. Und sie hatte einen guten und zielsicheren Wohngeschmack. Ihre Liebe fürs Einrichten hat sich im Laufe der Zeit im Bekanntenkreis herumgesprochen, und so wurde sie eines Tages professionelle Innenraumgestalterin. Am Ende ihres Lebens hatte sie sehr wohlhabende Kunden und richtete etwa den Ansitz der Familie Henkel und einige Schlosshotels am Rhein ein.
Von dieser Einrichtungsgräfin also habe ich den imperialistischen Einschlag geerbt. Es ist unverkennbar! Von ihr stammt der Großteil meiner Einrichtung wie zum Beispiel der alte, von ihr bemalte Bauernschrank im Wohnzimmer. Meine zwei Lieblingsstücke aber sind die Stühle im Erker. Das sind Möbel aus der Zeit um 1800 - russisches Empire. Meine Frau Michaela sitzt sehr gern darin. Ich finde die Möbel wahnsinnig unbequem, ich begnüge mich eher mit dem optischen Genuss. Die Füße sind Schwanenfüße, die Armlehnen sind Schwanenhälsen nachempfunden, und die hölzerne Rückenlehne wird von zwei goldenen Schwanenköpfen gehalten. Eine wunderbare Arbeit! Die Stoffe sind alle noch original.
Es ist ein Wohnen mit der Geschichte. Doch eigentlich ist es eine ganz normale Wohnung, in der wir alle heiligen Zeiten die Möbel verrücken und alles auf den Kopf stellen. Nein, das hat nichts mit einem Museum zu tun. Nur bei unserem Louis-seize-Fauteuil sind wir etwas heikel. Da gibt es Jeansverbot, denn die Jeans färben ab und reiben den gewebten Stoff auf. Abgesehen davon finde ich es faszinierend, dass die Möbel, die zum Teil schon über zwei Jahrhunderte auf dem Buckel haben, immer noch ausschauen wie neu. Das ist eine Material- und Fertigungsqualität, von der man heute nur noch träumen kann.
Insgesamt hat die Wohnung 180 Quadratmeter. Die Grundrissaufteilung ist schön, die Räume sind hoch, und zum Naschmarkt ist es auch nicht weit. Wir haben die Wohnung 1985 gekauft. Eingezogen sind wir aber erst zehn Jahre später - wir konnten uns einfach nicht entscheiden, wie wir diese Wohnung umbauen und sanieren sollen. Die Diskussion hat ewig gedauert, und die Wohnung stand zehn Jahre leer! Ja, ich weiß, das ist verrückt. Aber heute fühlen wir uns hier sehr wohl.
Wir haben auch zwei Bilder von Falco im Wohnzimmer hängen. Falco und Empire - ich finde, das verträgt sich gut. Er war ein lieber Bekannter von uns, und natürlich habe ich mich im Laufe der Zeit zu einem richtig großen Falco-Fan entwickelt. Eines Tages habe ich dann eine riesige Falco-Sammlung geschenkt bekommen. Mein Arbeitszimmer quillt schon langsam über. Und einmal im Jahr veranstalten wir im U4 eine große Falco-Party.
Was die übrigen Möbel betrifft: Natürlich kombinieren wir gerne auch Alt mit Neu. Das Einzige, was uns nicht ins Haus kommt, sind grausliche Materialien oder billige Plastikmöbel. Wir sind halt keine Ikea-Menschen. Das Ungeplante, das Chaotische, Anachronistische ist uns viel lieber. Manchmal ist es auch zu chaotisch. Ich muss ja gestehen, dass wir für den Fototermin extra zusammengeräumt haben. Ich finde, so eine Entrümpelungsaktion braucht man ab und zu. Danke! (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)
CONNY DE BEAUCLAIR, geb. 1952 in München, kam mit 18 Jahren nach Österreich und absolvierte die HTL für Maschinenbau in Wien. 1974 wurde er Türsteher im Club Montevideo. Seit 1980 arbeitet er im U4. Nebenbei betreut er Stars während ihres Aufenthalts in Wien und kultiviert seine Liebe zur Fotografie.
2010 brachte de Beauclair einen U4-Fotoband heraus und bekam das Silberne Verdienstzeichen der Stadt Wien verliehen. Am 22. Februar veranstaltet das U4 eine Falco-Nacht mit Rudi Dolezals Director's Cut von Muss ich denn sterben, um zu leben. Und Conny feiert seinen Sechziger.
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interessante Serie!
@standard-redaktion: vielleicht finden sich ja auch alternative wohnformen über die berichtet werden kann, dass man mit (geerbtem) geld und geerbtem Mobiliar im 1., 3. und 5. Bezirk auf c. 200qm toll wohnen kann ist ja nicht so interessant finde ich…
bis auf die pastellblaue wand.
die möbel sind deshalb so schön weil man erstens darauf schaut und sie zweitens restauriert.
das was auf den ersten blick keinen utilitaristischen wert hat hat langfristig aufgrund der schönheit und des handwerks den größten wert. das ist echte nachhaltigkeit die ein maschniell produziertes wegwerfmöbel nie erreichen kann.
Ich will mit meiner Familie aber mit und auf meinen Möbeln wohnen und nicht wie in e. Museum herumschleichen. Das wird ein antikes Möbel nie hergeben. Deshalb möchte ich solche auch nicht haben, sondern schaue sie mir einfach nur gerne in Museen an.
Ich denke für so etwas muss man einen Faible haben und auch viel in Kauf nehmen um das durchzuziehen.
denn herumschleichen ist eine würdelose fortbewegung.
die geisteshaltung der heutigen zeit kann nichts von dauerhafter schönheit hervorbringen, denn der relativistische individualismus ist vorherschend.
man schleicht, man geht nicht. warum auch? für wen auch?
man wohnt auf und gleichzeitig mit möbeln. die möbel sind scheinbar gleich(minder)wertig mit menschen.
wie ich Sie beneide. Ich wäre gerne minimalistisch und uuurcool designt eingerichtet (ist etwas provokant übertrieben) doch habe ich fast meine gesamte Möblage geerbt und das ist nahezu ausnahmslos antik, nicht Stilmöbel (nachgemacht), sondern antik. Und ich hasse sie. ;o)
Wäre ich steinreich, ich tät alles raushauen und mich komplett neu einrichten.
Sollte ich meinen Gespons überleben, räume ich alles, woran heute noch sein Herz hängt, und bei dem ich es nicht übers Herz bringe, ihm das wegzunehmen, aus dem Haus und richte mich ziemlich radikal neu ein.
Klingt brutal, ist aber ehrlich.
Sollte er mich überleben, wird er in der jetzigen Möblage alt und verhutzzelt sterben.;-)
mein problem beim renovieren: ich habe eine leicht krankhafte putzsucht und kann somit in keiner baustelle leben.
wir haben den professionisten die schlüssel der neuen wohnung gegeben und sind am tag der fertigstellung eingezogen. alles blitze blank.
In einer Baustelle hätte ich auch nie leben wollen.
Deshalb sind wir erst ins neue Haus eingezogen, als alles schlüsselfertig und besenrein war.
Jahrelang selber herumbauen wäre das letzte für uns gewesen, da würd ich lieber im Schrebergartenhäusl leben.
Die Putzsucht solltens in den Griff kriegen, die macht Männer unsexy.;-)
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