Premiere von Christoph Willibald Glucks "Telemaco": Regisseur Torsten Fischer bewegt Massen und Individuen konventionell
Es
gelingen ihm mithilfe der Ausstattung indes markante Bilder.
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Wien - Das imposante Bühnenbild wirkt, als wollte
Theater-an-der-Wien-Intendant Roland Geyer präventiv schon einmal üben - für
seinen Job als Chef der Bregenzer Festspiele, den er nun allerdings doch nicht
antreten wird: Circes Insel, von der alle griechischen Helden um den Überhelden
Ulysses nur flüchten wollen, ist eine drehbare, hebbare, kreisförmige Plattform,
ein schwankender Schauplatz der nicht enden wollenden Wehklage. Eine
Konfliktzone auch, die den todtraurigen Figuren in Christoph Willibald Glucks
Telemaco keinen äußeren Halt, keine Sicherheit bietet. Wäre diese Idee
(Bühnenbild: Vasilis Triantafillopoulos und Herbert Schäfer) für sich schon
recht effektvoll, schwebt über ihr auch noch ein spiegelartiger Zwilling, der
die Vorgänge da unten, also all die sich leidend windenden Menschen- und
Nymphenmassen, wirkungsvoll verdoppelt also auch transparent macht. Mit solch
einem Bühnenbild könnte man - natürlich bei entsprechender Vergrößerung der
Dimensionen - also in jedem Fall auch die Seefestspiele in Bregenz glücklich
machen. Und erst recht hat man mit dieser Konstruktion in einem recht kleinen
Theater für die szenischen Ideen ein verlässliches Sicherheitsnetz, das auch der
dürftigsten Eingebung eine gewisse Mindestwirkung verleiht und vor dem Absturz
ins Belanglose bewahrt.
Szenische Energie
Ist bisweilen auch bitter nötig: Regisseur Torsten Fischer lenkt die Massen
(wunderbar der Arnold Schoenberg Chor) die meiste Zeit eher nur mit plakativer
Routine. Es müssen die Krieger vermummt mit Gewehren herumdrohen, da werden
Fäuste geballt, oder man wälzt sich in Zeitlupe qualvoll auf dem Boden.
Überzeugende szenische Energie erbringt das nie, es scheint eher nur der
Vermeidung von totalem Bühnenstillstand zu dienen.
Nun ist man bei Telemaco nicht nur angehalten, kollektives Leiden und
Fürchten zu organisieren. Die Oper bietet quasi auch kammerspielartige Momente
der Interaktion. Abermals - dem Bühnenbild sei Dank - wird es nicht zum Problem,
dass auch hier Regiedienst nach Vorschrift herrscht: Vor die flexible Plattform
und ihre Spiegelung senkt sich (nahe an der Rampe) bisweilen eine Wand, die in
ihrer weißen Klarheit und räumlichen Verengungswirkung die Figurenenergie
verstärkt.So wird also Telemacos (intensiv Bejun Mehta) Versuch einer Heimholung
des Vaters (solide Rainer Trost als Ulisse) ebenso szenische Dichte zuteil wie
auch jenen Versuchen des Vater- und Muttersöhnchens Telemaco (Anna Franziska
Srna ist als Penelope/ Oracolo fast immer stumme Zeugin der Ereignisse), sich
von Papa handgreiflich zu emanzipieren. So passiert es: Eine nicht gerade
originelle Personenführung geht elegant im Bühnenbild auf und wird zum Element
starker Schwarz-Weiß-Bilder, die hernach denn auch herzlich bejubelt wurden.
Ruppige Rufzeichen
Zudem die Musik: Valentina Farcas (als Asteria) glänzt mit Durchhaltevermögen
wie Klarheit, und Anett Fritsch (als Merione) liefert die überzeugendste und
ausgewogenste, da auch klangvolle vokale Leistung des Abends. Bei Alexandrina
Pendatchanska (als Circe) konnte man Hingabe und Intensität bewundern,
allerdings nicht überhören, dass sie von ihrer Partie an gewisse Grenzen gezerrt
wurde.
Dirigent René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin kosten zudem
zumindest sachkundig alle Möglichkeiten der ruppigen, dramatischen Setzung von
Rufzeichen aus. Das belebte auch die szenischen Vorgänge, was im Detail ja auch
dringend notwendig war. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Februar 2012)
Weitere Vorstellungen: 22. , 24., 27. und 29. Februar
sowie 2. März. Karten: 01/588 85