"Tod" der Vorsorgewohnung? - EHL gibt Entwarnung

20. Februar 2012, 13:18

Beim Immo-Dienstleister sieht man weiter gute Nachfrage nach Anlegerwohnungen, auch bei Zinshäusern seien die Auswirkungen des Sparpakets überschaubar

Das Sparpaket der Regierung werde den Großteil der Investments in Vorsorgewohnungen oder Zinshäuser kaum betreffen, die Folgen der neuen Steuer auf Veräußerungsgewinne seien überschaubar, sagten Experten des Immo-Dienstleisters EHL am Montag. Nur zu einem geringen Ausmaß seien solche Veranlagungen überhaupt steuergetrieben, die meisten Investoren würden primär Sicherheit suchen und lange veranlagen - über Jahrzehnte, etwa für die Enkel, und da werde die Rendite nur marginal negativ tangiert. In einigen Fällen gebe es sogar Vorteile, etwa bei einem Verkauf innerhalb von zehn Jahren und wenn der persönliche Grenzsteuersatz höher ist als die neuen 25 Prozent auf den Veräußerungsgewinn.

"Natürlich sind neue Belastungen niemals erfreulich", sagte Michael Ehlmaier, geschäftsführender EHL-Gesellschafter, am Montag vor Journalisten. Auch EHL-Investment-Experte Franz Pöltl räumte ein, dass die steuerlichen Änderungen "für die Betroffenen alles andere als positiv" seien. Die Segmente Vorsorgewohnungen, Zinshäuser und andere Wohn-Immos seien zumeist aber erst nach Jahrzehnten betroffen. Trotz der negativen Änderungen würden Immobilien nach wie vor Sicherheit bieten und das Inflationsrisiko abfedern, etwa durch Indexmieten.

Preise dürften weiter steigen

Die Nachfrage nach Vorsorgewohnungen und Zinshäusern werde weiterhin sehr gut sein, glaubt EHL, gerade die Verunsicherung durch die Griechenland-Krise habe die Vorteile solcher Engagements vielen Menschen wieder vor Augen geführt. Pöltl glaubt, dass die Preise sogar durchaus noch anziehen können, denn es gebe weniger Angebot.

EHL-Mietwohnungsexpertin Sandra Bauernfeind sieht den Rückgang bei Vorsorgewohnungen in den letzten zwei Jahren eher durch den Mangel an geeigneten Objekten und Grundstücken, etwa Baulücken oder Abbruchhäusern, bedingt. Seit 2000 seien in Wien immerhin zirka 8.000 Vorsorgewohnungen neu errichtet und verkauft worden, davon 700 im Jahr 2009, 600 in 2010 und geschätzte 550 bis 600 im Jahr 2011.

Renditen stabil

In Zinshäuser sei in Wien 2009 und 2010 jeweils mehr als 1 Mrd. Euro gesteckt worden, 2011 dürfte das Volumen auf 720 Mio. Euro zurückgegangen sein, und für 2012 rechne man mit einer Seitwärtsbewegung, so Bauernfeind. Die Renditen seien über die Jahre von rund 5 Prozent auf deutlich unter 4 Prozent gesunken. Die Preise sehe EHL aber bei Wohnungen und Zinshäusern "schon oben", daher glaube man nicht, dass die Rendite weiter sinken wird, so Ehlmaier.

Vorsorgewohnungs-Käufer seien heute überwiegend sehr gut mit Eigenkapital ausgestattet, teils gehe das bis zu fast 100 Prozent EK-Anteil, so Ehlmaier und Bauernfeind. Vor einem Jahrzehnt seien solche Käufe zu vier Fünftel steuerinduziert gewesen, mit 25 Prozent Eigen- und 75 Prozent Fremdkapital. Dem heutigen Käufer sei es egal, ob er 4, 3 1/2 oder 4 1/2 Prozent Rendite im Jahr erziele. Mehr als 90 Prozent der Investoren würden nicht auf den Veräußerungsgewinn hin kaufen, sondern sie wollten Sicherheit, meint Ehlmaier. (APA)

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