Zwei Buben aus Wien und ihre Weltreise

20. Februar 2012, 12:52
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FCB gegen FCB, Basel gegen Bayern. Oder auch Aleksandar Dragovic gegen David Alaba. Am Mittwoch wird die Champions League echt öster­reichisch. Dragovic will "die Freundschaft vergessen" und lobt Alaba für dessen "sieben Lungen"

Basel/Wien - Vor der Sportmittelschule Wittelsbachstraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk hängt ein Schaukasten, und in dem Schaukasten hängen zwei Fotos. Sie zeigen zwei der bekannteren Ex-Schüler dieser Anstalt, es sind die Kicker Aleksandar Dragovic und David Alaba. Vorher waren sie schon in der Polgarstraße Schulkollegen, nachher waren sie Akademiekollegen in Hollabrunn, mittlerweile sind sie Nationalteamkollegen. "Ich hab den David wahrscheinlich erstmals wahrgenommen, als ich zehn war. Wir waren Kinder", sagt Dragovic (20), der ein Jahr älter ist und also hätte sitzenbleiben müssen, damit sich auch eine Klassenkameradschaft ergeben hätte. "Sie hat sich aber Gott sei Dank nicht ergeben", sagt Dragovic, so oder so sei Alaba ein "super Kumpel und wirklich guter Freund".

Am Mittwoch (20.45 Uhr, ORF eins) soll es "neunzig Minuten lang keine Freundschaft geben". Dragovic ist im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel gesetzt, der die Bayern empfängt, bei denen mit Alaba in der Startelf zu rechnen ist. "Auf dem Spielfeld werden wir uns am ehesten bei Standardsituationen begegnen", vermutet Dragovic, und er freut sich darauf, nach dem Match "mit dem David das Dress zu wechseln". Was Alaba auszeichne? Dragovic: "Er ist hilfsbereit und immer gut drauf. Und als Kicker hat er sieben Lungen, er kann einen ganzen Tag und eine ganze Nacht durchlaufen. Und seine Spielintelligenz ist toll, er beherrscht die vermeintlich einfachen Sachen, die oft die schwierigsten sind."

Auf Dragovic dürfte Mario Gomez zukommen, der sei "ein toller Stürmer", aber auch nicht toller als Wayne Rooney, gegen den der Österreicher schon gute Figur gemacht hat. Schließlich hatte der FC Basel in der Gruppenphase Manchester United aus der Champions League geworfen. Alabas Bayern gaben dafür Manchester City das Nachsehen.

Bayern ist Favorit, Basel nicht zu unterschätzen. Dragovic spielt im St. -Jakob-Park "vor mindestens 30.000 Fans. Die Menschen hier sind fußballverrückt, die ganze Stadt lebt für den Verein." Das bringt auch Druck mit sich, zwei Remis wie zuletzt gegen Sion und die Young Boys kommen medial schon fast als Misserfolgsserie daher. Dabei führt der FCB in der Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung, er hat ein Match weniger gespielt als die Verfolger Young Boys und Luzern. Der dritte Meistertitel en suite ist wahrscheinlich, es wäre der erste Hattrick in der Geschichte des 1893 gegründeten Klubs.

Dragovic, der im Februar 2011 von der Wiener Austria nach Basel ging, ist dort hochangesehen, gelobt werden seine Kompromisslosigkeit, sein Einsatz, seine Zweikampfstärke. Torgefährlicher sollte er sein, meint er selbst, bis dato hält er bei einem Meisterschaftstreffer. "Die Stimmung in unserer Truppe ist Weltklasse", sagt Dragovic. Daran habe sich nichts geändert, als Trainer Thorsten Fink im Oktober zum Hamburger SV übersiedelte und Assistent Heiko Vogel als Chefcoach übernahm. Dragovic: "Wir haben vor den Bayern keine Angst."

Eine besondere Note hat das Achtelfinale nicht nur für Dragovic, sondern auch für seinen Kollegen Xherdan Shaqiri. Der ebenfalls erst 20-Jährige, Kind kosovo-albanischer Einwanderer, gilt als eines der größten Schweizer Talente ever, das hat auch der andere, der große FCB erkannt. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Shaqiri im Sommer zu den Bayern übersiedelt, er hat bereits einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Dragovic: "Ich hoffe, er will den Bayern jetzt schon zeigen, was er alles draufhat." (DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2012)

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    Schluss mit Kuscheln. Aleksandar Dragovic (l.) und David Alaba, hier im Oktober 2011 während des Flugs zum Länderspiel in Aserbaidschan, spielen erstmals gegeneinander.

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