Carsharing als profitables Gemeinschaftskonzept

20. Februar 2012, 12:53
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Gemeinsame Nutzung von Autos steckt noch in den Kinderschuhen, ist aber ein lukratives Geschäft für die Vermieter

Würden Sie ihr Auto, nur weil Sie es an einigen Tagen in der Woche nicht brauchen, an Fremde ausleihen? Nicht bloß vom ökologischen Standpunkt her ist das Carsharing-Konzept eine Überlegung wert. Auch finanziell kann sich die gemeinsame Nutzung eines Fahrzeugs lohnen. 

Offensive

Diverse US-amerikanische Carsharing-Start-ups - unter anderem Getaround und RelayRides - sind darauf erpicht, Autobesitzer mit Personen, die eines mieten möchten, zu vernetzen. In Wien wurde Anfang vergangenes Jahr eine großangelegte Carsharing-Offensive angekündigt. Bis zu 800 Carsharing-Standorte seien demnach in der Hauptstadt möglich. In Österreich sind laut orf.at 11.000 Kunden mit 300 Fahrzeugen unterwegs (Stand Februar 2011).

Rentabel

Für diejenigen, die ein Auto benötigen, wird die Suche einfach gestaltet. Die Anbieter arbeiten nach dem Konzept "Finde ein Auto in deiner Umgebung", und los geht die Online-Suche. Für die Vermieter der Autos handelt es sich um eine gute Einnahmequelle, unterm Strich erhalten sie etwa zwei Drittel der Mietsumme, rechnet die New York Times vor.

Carsharing.at

RelayRides zufolge kann ein Besitzer einer mittelgroßen Wagens etwa 3.000 US-Dollar jährlich einnehmen - bei einer Vermietung von zehn Stunden pro Woche. Auf der Website des österreichischen Anbieters Carsharing.at werden Stundentarife aufgelistet, eine App gibt es ebenfalls. Je nach Modell und Uhrzeit (7.00 bis 23.00 Uhr und 23.00 bis 7.00 Uhr) sind zwischen 0,40 und 4,00 Euro pro Stunde zu zahlen. Hinzu kommt ein Kilometertarif. Der Jahresbeitrag für eine Mitgliedschaft mit der Carsharing-Card liegt bei 60 Euro. Ermäßigungen gibt es etwa für ÖBB-Kunden.

Stundensatz

Laut "NYT"-Bericht bezahlen Kunden in den USA durchschnittlich sechs bis acht Dollar pro Stunde. Bei älteren Fahrzeugen kann der Stundensatz auch schon mal drei Dollar betragen. Je schicker, desto teurer. Den Tesla Roadster verleiht Getaround für 50 bis 75 Dollar die Stunde. 

Unfall

Peer-to-Peer-Carsharing befindet sich aber noch im Probestadium. Etabliert ist es unter anderem in San Francisco, wo RelayRides seinen Firmensitz hat. Alle Firmen bieten den Mietern entsprechenden Versicherungsschutz, der auch die Interessen der Besitzer berücksichtigen sollte. Neben Kalifornien ist es allerdings nur noch der nordwestliche Bundesstaat Oregon, der es geschafft hat, dass die Autobesitzer nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Mieter in einen Unfall verwickelt sind. In anderen US-Staaten sei dies jedoch der Fall. 

Facebook

Was die Nutzerfreundlichkeit angeht, ist ein Einstieg über Facebook oder andere soziale Netzwerke, wie ihn das Unternehmen Getaround anbietet, sinnvoll. Dort bekommen die Besitzer einen Überblick darüber, wer ihre Autos mietet. Es gibt auch Unternehmen, die nicht nur eine Vernetzungsfunktion erfüllen, sondern wie die US-Firma Zipcar eigene Wagen zur Verfügung stellen. Sie bieten Standorte in den USA, Kanada und Großbritannien an, häufig auch in der Nähe von Universitäten. Zunehmend statten Start-ups ihren Fuhrpark auch mit ökonomisch freundlicheren Autos aus. Aber natürlich hat die gemeinsame Nutzung eines Gegenstands eine raschere Abnutzung zur Folge.

Noch mehr Sharing

Carsharing ist nur eine Form von "kollaborativem Konsum", der auch in anderen Bereichen denkbar ist. Interessante Ansätze finden sich beispielsweise beim Spacesharing-Pendant Airbnb, das auf Peer-to-Peer-Sharing von Zimmern in Wohnungen und Häusern basiert und überraschend erfolgreich einschlug. (ez, derStandard.at, 20.2.2012) 

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    Ein Auto bei Bedarf.

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